Rund um die Azoren-Insel
Die Berge und die vulkanischen Seen, für die São Miguel auf den Azoren bekannt ist, waren bereits vom Flugzeug aus zu sehen als Charlie diese portugiesische Insel im Atlantik bereiste. Ihr erster Eindruck aus der Vogelperspektive war, als hätte jemand Madeira genommen und mit einem Nudelholz ausgerollt. Das würde die einzigartige Form der Insel São Miguel erklären: In der Mitte ist sie flach, am westlichen und östlichen Ende bergig. Sie hat eine Ausdehnung von 62 km und ist 15 km breit.
São Miguel ist die größte Insel des Archipels und die Hauptstadt ist Ponta Delgada. Das ist der beste Ort für die Unterkunft, da man von dort aus geführte Touren machen kann und vom Hotel abgeholt wird. Wenn ihr woanders auf der Insel übernachtet, solltet ihr darüber nachdenken, euch ein Auto zu mieten, um die Insel zu erkunden. Für Surfer bietet sich die Stadt Ribeira Grande im Norden der Insel an.
Wenn man über die Insel fährt, merkt man schnell, dass Landwirtschaft ein großer wirtschaftlicher Faktor ist. Die Azorianer sind stolz auf ihre Milchprodukte. Butter, Milch und Käse werden auch exportiert. Entlang der Straßen sieht man Maisfelder, von denen die meisten der Futterproduktion für die Kühe dienen.
Es gibt noch zwei weitere landwirtschaftliche Produkte, auf die São Miguel stolz ist: Ananas und Tee.
Plantagen und Bauernmärkte
Santo Antonio Ananas-Plantagen
Die Ananas kam im 19. Jahrhundert auf die Azoren und heutzutage kann man sie in jedem Stadium des Wachstums in den Gewächshäusern der Santo Antonio Plantage am Rande von Ponta Delgada sehen. Das Klima auf den Azoren macht Gewächshäuser nötig, um die richtigen Niveaus an Temperatur und Luftfeuchtigkeit sicherzustellen. Jede Pflanze produziert in ihrem Leben nur eine Frucht und es dauert bis zu 2,5 Jahre bis sie reif ist. Die Ananas von São Miguel ist farblich eher golden und sehr süß. Man kann sie auf der Plantage kaufen, allerdings bekommt man auf dem Bauernmarkt einen besseren Preis.
Bauernmärkte auf der Insel São Miguel
Auf dieser Azoren-Insel gibt es zwei Bauernmärkte. Einer davon ist mitten in Ponta Delgada, der Mercado de Graça. Er befindet sich im Untergeschoss der historischen Markthallen.
Im Dorf Santana gibt es einen größeren Bauernmarkt. Dieser findet jeden Donnerstag unter freiem Himmel statt. Man kann Obst und Gemüse kaufen und sogar Kühe und Ziegen, wenn man möchte. Es gibt auch einen Teil, wo Handwerkskunst verkauft wird, sodass man die Urlaubssouvenirs auch gleich besorgen kann. Zudem findet man das traditionelle Zuckerbrot, die malassadas.
Teeplantagen auf São Miguel
Im Nordosten von São Miguel befinden sich zwei Teeplantagen und die Tradition reicht ins 19. Jahrhundert zurück, als der Tee erstmalig von Brasilien eingeführt wurde. Die älteste Teeplantage auf São Miguel, Gorreana, öffnete 1883 die Türen und ist bei Touristen am beliebtesten.
Die zweite, Porto Formoso, ist kleiner, jünger und weniger bekannt. Von daher sind dort weniger Besucher und man kann den Besuch besser genießen. Dort gibt es auch ein kleines Museum und eine Teestube, wo man nach dem Spaziergang über die Plantage den Tee probieren kann. Von dort aus sieht man auch das naheliegende Dorf Porto Formoso und das Meer.
Mulher de Capote Likör-Fabrik
In vergangener Zeit war auch Zuckerrohr eines der Landwirtschaftsprodukte in São Miguel. Heute sind nur noch wenige kleine Plantagen übrig. Eine davon gehört zu der Likör-Fabrik Mulher de Capote, wo alle Arten an Hochprozentigem produziert werden, nicht nur Rum. Man kann zum Beispiel einen Maracuja-Likör (oder jegliche andere Frucht), Gin oder Sahnelikör probieren.
Vulkane und Seen auf der Insel São Miguel
Die Azoren sind vulkanischen Ursprungs und es gibt drei Vulkane auf der Insel São Miguel. Es gab schon lange keinen Ausbruch mehr, aber die vulkanische Aktivität ist sichtbar. Man sieht zum Beispiel am Straßenrand Rauch aufsteigen und man kann auch ein Gericht probieren, das über vulkanischem Dampf gegart wurde.
Sete Cidades
Der Ort, der Vulkan und der See Sete Cidades befinden sich im Westen von São Miguel und sind der wohl am meisten fotografierte Ort der Insel und auf jeder Checkliste für Touristen.
Vom Aussichtspunkt Miradouro da Vista do Rei hat man einen herrlichen Ausblick über den gesamten See mit den verschiedene Blau- und Grüntönen. Als Charlie dort war, sah sie sogar den Schatten der Wolken, die sich über den See bewegten. Man könnte meinen, dass es zwei Seen seien, aber es ist nur einer mit einer Brücke, die beide Seiten teilt. Die eine Seite ist eher grün, die andere eher blau. Dafür gibt es verschiedene Theorien. Eine geht davon aus, dass es an der Spiegelung der Bäume und des Himmels liegt. Es gibt auch eine Legende um die verbotene Liebe einer Prinzessin zu einem Hirten. Es heißt, dass deren Tränen den See formten.
In der Nähe dieses Aussichtspunktes ist die Ruine eines Hotels. Aus diesem Grund sprechen die meisten Besucher vom „Aussichtspunkt beim alten Hotel“.
Furnas
Der Vulkan Furnas im Osten von São Miguel brach im Jahr 1630 zum letzten Mal aus und ist heute der aktivste Vulkan der Insel. Im Restaurant Tony’s im Dorf Furnas könnt ihr ein sogenanntes cozido probieren, eine Auswahl als Fleisch, das über den vulkanischen Dämpfen gegart wurde. Man kann auch heiße Quellen sehen. Der starke Schwefel-Geruch beweist die vulkanische Aktivität. Auf der Straße kann man auch Maiskolben kaufen, die ebenfalls am Vulkan gegart wurden.
Auch hier gibt es einen Vulkansee, den man von einem Aussichtpunkt von oben oder auch von den Seiten sehen kann. Man kann sogar mit dem Kayak auf den See.
Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel in Furnas ist der Terra Nostra Park, ein botanischer Garten mit Thermalbad. Die Bäder sind vulkanisch und der Schwefel gibt dem Wasser einen bräunlich-gelben Farbton. Wenn ihr dort Baden und durch die Gärten spazieren wollt, solltet ihr 1,5 bis 2 Stunden einplanen. Der Eintritt kostet 16€ (5€ für Kinder). Es gibt dort auch ein Hotel und Restaurant. Wenn man dort übernachtet oder isst, bekommt man freien Eintritt zu den Gärten.
Lagoa do Fogo
Der See des Vulkans Fogo, Lagoa do Fogo, befindet sich ungefähr in der Mitte der Insel und auch hier gibt es einen Aussichtspunkt. Von dort aus hat man nicht nur einen herrlichen Ausblick auf den See, sondern sieht auch das Meer im Norden und Süden der Insel. Vom Aussichtspunkt aus kann man auch zum See hinunter laufen, allerdings ist Schwimmen nicht erlaubt. In den Sommermonaten dürfen nur Autos der Einheimischen und geführte Touren hinauffahren. Wenn ihr einen Mietwagen habt, müsst ihr weiter unten parken und einen Shuttle zum Aussichtpunkt nehmen.
Strände und vulkanische Pools in São Miguel
Der beliebteste Strand zum Schwimmen, Sonnenbaden und Surfen ist Santa Barbara in Ribeira Grande im Norden von São Miguel. An der Südküste, östlich von Ponta Delgada, findet man weitere Strände. Einige davon sieht man von der Straße aus und dort sind auch oft viele Autos geparkt. Andere Strände sind etwas abgelegener und man muss ein Stückchen laufen. Charlies Lieblingsstrand war der Praia da Pedreira nahe des Dorfes Água de Alto.
Ein weiterer schöner und nicht überlaufener Strand ist im Dorf São Roque in der Nähe des Surfstrandes Milicias.
Schwimmen in vulkanischen Pools
Entlang der Nord- und Westküste von São Miguel befinden sich vulkanische Pools, die zum Schwimmen geradezu gemacht sind. Die bekanntesten sind in Mosteiros. Ein Stück weiter südlich von Mosteiros ist Ponta da Ferraria, wo die vulkanischen Pools bei Ebbe zu Thermalbädern werden. Solange der Wasserstand niedrig ist, kann man das warme Wasser genießen.
In Capelas gibt es einen weiteren vulkanischen Pool und dort ist auch genug Platz zum Sonnen. Es ist aber kein Strand. Bis in die 1980er-Jahre wurden an dieser Stelle Wale gefangen. Das hatte lange Tradition auf den Azoren und ist heutzutage verboten. Die Fabrik wurde geschlossen und die Azoren widmen sich nun dem Schutz der Meere.
Wale beobachten auf den Azoren
Wale sind nicht nur eine geschützte Art, sondern auch eine Touristenattraktion. Touren, um Wale zu sehen, gehören zu den beliebtesten Ausflügen in São Miguel. Man findet leicht eine Tour und die meisten garantieren sogar, dass man Wale sieht. Die meisten Touren beginnen in Ponta Delgada. Charlie aber buchte eine Tour zusammen mit ihren Mitbewohnern aus dem Coliving im Norden der Insel. Der Hafen von Rabo de Peixe war viel näher und sie buchten eine Tour, die dort startete.
(Anmerkung: Rabo de Peixe ist kein sicherer Ort durch Armut und Drogen-Probleme.)
Canyoning und Wasserfälle in São Miguel
Eine weitere beliebte Aktivität in São Miguel ist Canyoning und der beliebteste Ort dafür ist Ribeira dos Caldeirões in Nordeste. Es ist eine wunderschöne Schlucht, an der man entlanglaufen und sie auch sehen kann, wenn man keine Canyoningtour macht. Es gibt einen großen Wasserfall und mehrere kleinere. Dort befinden sich auch ein paar Häuser, Unterkünfte und ein Souvenirladen.
Der zweite Ort, an dem man Canyoning in São Miguel machen kann, ist am Wasserfall Salto do Cabrito. Die Tour beginnt in der Nähe des Wasserfalls mit einer Wanderung von ungefähr 30 Minuten zum oberen Ende der Schlucht. Dazu gehören ein 5-Meter-Sprung und einige Abschnitte, wo man sich abseilt. Sie endet am Wasserfall Salto do Cabrito.
Charlie besuchte auch einen weiteren Wasserfall, an dem wesentlich weniger Besucher waren, was diesen Ausflug am schönsten machte. Cascata do Limbo befindet sich in der Nähe des Dorfes Porto Formoso. Es gibt einen offiziellen Parkplatz, von dem aus man ungefähr 15 Minuten bis zum Wasserfall läuft.
Vila Franca do Campo
Dieses Dorf an der Südküste von São Miguel sollte man aus zwei Gründen besuchen: um ein Boot auf die naheliegende Insel zu nehmen und um die berühmten Queijadas zu probieren.
Vom Hafen in Vila Franca do Campo kann man ein Boot zur Insel, Islote de Vila Franca, nehmen. Es ist ein versunkener Vulkankrater. Die Insel selbst steht unter Naturschutz und man kann nur an der Küste bleiben. Es ist der ideale Ort zum Schnorcheln.
In den Sommermonaten sollte man das Ticket fürs Boot im Voraus buchen, da es nur eine begrenzte Anzahl gibt.
Nicht weit vom Hafen in Vila Franco do Campo ist die Bäckerei mit Café, wo man die Queijada do Vila Franca do Campo do Morgado bekommt. Das ist ein kleiner, runder Kuchen, den man in São Miguel probieren muss. Ähnlich wie beim ursprünglichen Pastel de Belem stammt auch das Originalrezept für die Queijada da Vila aus einem Kloster. Heute hält die Morgado-Familie die Tradition am Leben und das Rezept geheim.
PS: Wenn ihr im Juli oder Anfang August in São Miguel seid, seht ihr überall auf der Insel die Hortensien in voller Blüte. Es sieht fast unnatürlich aus. Sie kamen ursprünglich aus Japan und haben sich über die gesamte Insel ausgebreitet.








