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Mit einem blauen Auge davongekommen

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Mit einem blauen Auge davongekommen

Ereignisse am zweiten Surftag

“Volver al agua me cargaba de energía cada día. Las olas en la isla no eran fáciles. Se surfeaba casi siempre sobre el arrecife creado por la lava volcánica negra de contornos irregulares, a veces lisos y cubiertos por una capa de algas y a veces con afiladas puntas. Las olas provenían de tormentas creadas por fuertes vientos en el Atlántico Norte que llegaban agrupadas en series, como las ondas que se forman cuando tiras una piedra en un estanque, pero a lo bestia. Las olas se precipitan al encontrar determinados contornos regulares que se forman en el fondo de la isla y que los surfistas llaman “picos”. El peligro se hacía evidente en cuanto te asomabas a la costa y veías la potencia con la que rompían las olas.”

(“Solo”, Álvaro Vizcaíno, page 41)

“Mich wieder ins Wasser zu begeben, gab mir jeden Tag neuen Ansporn. Die Wellen vor der Insel waren keine Leichten. Fast immer surfte man über dem Riff aus schwarzem Vulkangestein, mit unregelmäßigen Formierungen. Manchmal ist es sehr eben und von Algen bedeckt, manchmal sind es scharfe Spitzen. Die Wellen entstehen durch Unwetter, hervorgerufen durch starke Winde im Nordatlantik, und kommen in Gruppen. Es ist vergleichbar mit den Wellen, die sich bilden, wenn man einen Stein ins Wasser wirft, nur um ein Vielfaches größer. Die Wellen brechen, sobald sie auf bestimmte Stellen auf dem Meeresboden treffen, die die Surfer “picos” (Spitzen) nennen. Die Gefahr wird offensichtlich, sobald du deinen Blick dem Meer zuwendest und dir der Kraft bewusstwirst, mit der die Wellen einschlagen.”

Was Álvaro Vizcaíno hier in seinem Buch “Solo” beschreibt*, wurde Charlie und den anderen an diesem Tag nur zu sehr bewusst. Surfen ist eines der besten Hobbies, das man haben kann, aber wie so vieles, was Spaß bereitet, birgt es auch einige Gefahren. Doch das Meer hat es so an sich, einen jeden wieder daran zu erinnern, in dem Moment, indem man beginnt die Kraft des Wassers zu unterschätzen.

Heute mal Sandstrand

Wie jeden Morgen im besten Surfcamp auf den Kanarischen Inseln ging es früh um 10 wieder zum Surfen, heute waren Charlie und die anderen in der Gruppe von Fede, der dritte Surflehrer im Bunde. Mit dem Van ging es an den Dünen vorbei zum Flag Beach. Patrick machte es sehr glücklich, dass es tatsächlich mal zu einem Sandstrand ging, was es der Gruppe ersparte, meilenweit über Lavagestein laufen zu müssen. Seine Fußsohlen waren von der Idee sicher auch sehr begeistert.

Zunächst wärmten sich alle am Strand mit ein paar witzigen Übungen auf. Die Surfbretter wurden dicht nebeneinander in den Sand gelegt, um dann wie bei dem Spiel Hüpfkästchen, mit Drehen und Wenden, springend von einer Seite auf die andere zu gelangen. Vollendet wurde das Ganze mit einem gekonnten Sprung auf das letzte Surfbrett, welches, um den Schwierigkeitsgrad noch zu erhöhen, von Fede gezogen wurde. So manch einer konnte dabei seine Tarzan-Inszenierung ausprobieren. Bevor es ins Wasser ging, wurde die Theorie noch einmal wiederholt und Fede erklärte, dass die Wellen an diesem Tag eine Besonderheit aufwiesen, mit der die Gruppe noch nicht vertraut war: Durch die Ebbe und das sich vom Ufer zurückziehende Wasser, war es schwierig genau vorherzusagen, wie groß eine Welle sein würde und wann genau sie bräche. Dies geschieht dann sehr schnell und die Welle baut sich extrem steil auf. Das war soweit klar, oder vielleicht doch nicht?

Wenn das Wasser zum Lehrer wird

Da Charlie und die anderen keine absoluten Anfänger mehr waren, gingen sie etwas weiter hinaus ins Wasser, wobei es dort immer noch sehr steinig und relativ flach war. (Die von blauen Flecken übersäten Beine waren am nächsten Tag der Beweis dafür.)

Charlie machte sich bereit, die erste Welle zu bekommen und bemerkte dabei sofort, was Fede gemeint hatte. Wie ein riesiger Wall baute sich die Welle hinter Charlie mit lautem Rauschen auf. Das Geräusch war ihr nicht vertraut und als sie während sie weiter paddelte über die linke Schulter den Blick zur Welle Wand, die sich gen Himmel weiter aufragte, wurde ihr sofort bewusst, dass diese Welle wohl eine Nummer zu groß war. Wie eine riesige Hand wölbte sich die Welle im nächsten Moment über Charlie und in der nächsten Sekunde, war sie auch schon in der sogenannten Waschmaschine.

San Andres in Gran Canaria

Dabei wird man wie in einem Strudel unter Wasser herumgeschleudert, völlig orientierungslos. Dann heißt es nur noch Luft anhalten und die Arme schützend über den Kopf halten in der Hoffnung nicht auf das Riff zu treffen. Es dauert nur wenige Sekunden, aber es erscheint wie eine Ewigkeit, wenn man dann endlich die Wasseroberfläche erreicht und nach Luft schnappt.

Für Charlie war klar: An diesem Tag würde sie die kleinen, weißen Wellen nehmen. Am Ende war es auch die perfekte Gelegenheit, das Aufstehen auf dem Bord wieder und wieder zu üben. Grace hatte die gleiche Idee wie Charlie und gesellte sich zu ihr in den kleinen Schaumwellen.

Nochmal Glück gehabt

Aus einiger Entfernung beobachteten sie die Jungs, die scheinbar ein bisschen Abenteuerlustiger waren. Es dauerte nicht lange und sie sahen, wie Patrick förmlich von einer Welle verschlungen wurde und, oh je, das sah nicht gut aus. Als erstes bemerkten Sie, dass das Surfbrett plötzlich in zwei Hälften an der Wasseroberfläche auftauchte.

Als nächstes sahen Sie, wie Daniel und Matthias, Patrick zum Strand schleiften. Charlie, Grace und Fede blickten sich besorgt an und liefen sofort zum Ufer. Patrick war bei Bewusstsein, aber etwas orientierungslos und er blutete an der Schläfe. Ein anderer Surfer kam sofort zur Hilfe – er war zudem Arzt – und checkte die Reaktion in Patricks Augen. Er schien ok zu sein. Charlie und den anderen fiel ein Stein vom Herzen und sie gingen wieder ins Wasser zurück – in die kleinen Wellen!

Surfer in Playa de las Americas in Tenerife

Nach einem Schluck Wasser und einer Zigarette, ging es auch Patrick wieder gut und er gesellte sich zu den anderen. Auch er und Matthias blieben dieses Mal näher am Ufer. Nur Daniel verbrachte die restliche Zeit am Strand. Auch er – und er war der erfahrenste Surfer der Gruppe – hatte die Schleuderkraft der Waschmaschine zu spüren bekommen und rücklings mit dem Riff Bekanntschaft gemacht. Er setzte für den Rest des Tages aus.

Am Ende war es für Grace und Charlie ein guter Surftag mit vielen kleinen Erfolgen, aber es war für alle vor allem eine Lehre, die Kraft des Wassers nicht zu unterschätzen. Irgendwie gehören ja auch diese Erfahrungen dazu, solange nichts Ernstes passiert. An diesem Tag sind sie alle mit einem blauen Auge davongekommen, und um eine Surf-Erfahrung reicher geworden. Wenn ihr erfahren möchtet, was sonst noch an diesem Tag passiert (Spoiler: Haie am Strand), lest den nächsten Artikel in der Serie.

* Das Buch “Solo” hat Charlie in Corralejo erworben. Die Handlung spielt auf Fuerteventura und erzählt die Geschichte des Autoren, der nach einem Surfunfall für mehrere Tage verschollen war.

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