Charlie’s Erster Tag im Billabong Surfcamp
Endlich wieder surfen
Charlie konnte es an diesem Morgen kaum erwarten. Endlich würde es wieder zum Surfen gehen. Der letzte Surftrip war eigentlich noch gar nicht so lange her, denn erst zwei Monate zuvor war sie für ein Surf-Wochenende in Cornwall, doch es schien wie eine Ewigkeit. Um 10 sollte es losgehen. Charlie war in der Gruppe von Surflehrer Trystan, den sie noch gar nicht kannte. Die beiden anderen Surflehrer – Giulio und Fede – waren auch schon im Billabong Surfcamp, dem besten Surfcamp auf den Kanarischen Inseln, als Charlie zum letzten Mal auf Fuerteventura war.
Bei Trystan lief alles viel schneller und geordneter ab, als Charlie das gewohnt war. Als sie kurz vor 10 mit ihrem Surfbrett am Van ankam, stellte sie fest, dass alles schon aufgeladen und gesichert war. Das Brett zum Van und wieder zurück ins Camp zu tragen war aber auf jeden Fall eine gute Erwärmung. Punkt 10 ging es los. Das war noch nie passiert – fast schon deutsche Pünktlichkeit, die Charlie sonst auf Reisen so selten auffindet.

Jeep-Safari im Surf-Van
Auch der Surfspot, an den es ging, war Charlie bis zu diesem Tag noch unbekannt. Sie fuhren im Van durch Corralejo gen Norden. Charlie war nicht einmal bewusst, dass es in diese Richtung noch eine Straße gab. Naja, man konnte es auch kaum als Straße bezeichnen – es hatte eher etwas von off-road Tour durch steinig-staubige Mondlandschaften, aber immer entlang der Küste mit Blick auf die besten Wellen. So konnte man schon mal begutachten, wie an diesem Tag die Bedingungen sein würden. Im Van wurden sie erstmal ein bisschen durchgeschüttelt bis sie den geeigneten Surfspot fanden und diesen hatten sie auch ganz für sich allein – zumindest sah es zunächst danach aus.
Erst einmal musste das Neopren her – sich in diesen engen Anzug zu zwängen war definitiv der Teil am Surfen, der Charlie am wenigsten gefiel. Aber was sein muss, muss sein. Man will ja im Wasser nicht frieren und die Schrammen und blauen Flecken halten sich damit auch etwas in Grenzen. Gerade in dem Moment als alle sich in die Neoprenanzüge gequetscht hatten, kamen auf einmal noch weitere Vans beladen mit Surfboards an der Stelle an. Es gab in Corralejo und Umgebung mehr als nur eine Surfschule… Spontan entschied Trystan, doch an eine andere Stelle zu fahren, denn hier wurde es plötzlich zu überlaufen.
Giulio‘s Geheimnis
Die Stelle, die Trystan nun in den Sinn kam, wurde als „Giulios Geheimnis“ bezeichnet. Giulio war der andere Surflehrer, der scheinbar einen besonderen Ort zum Surfen gefunden hatte, von dem auch Charlie bisher noch nichts wusste. Entlang der Straße (wenn man denn so sagen kann) fuhren sie also im Van wieder ein Stück zurück. Was sie allerdings nicht in Betracht gezogen hatten war, dass Trystan bisher immer aus der anderen Richtung an diesen Spot gefahren war und es ja auch keine richtige Straße gab – nur plattgefahrenes Gewächs, Steine und Staub. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass es nicht direkt erkennbar war, wo sie abbiegen mussten.
Der erste Versuch ging auch direkt schief… irgendwann ging es nicht mehr weiter. Nach noch einer Schütteltour im Van und einem aufregenden Wendemanöver ging es dann zurück zur „Straße“. Der zweite Versuch war schließlich erfolgreich und sie fanden die richtige Stelle.
Wenigstens waren sie auch alle schon in den Neoprenanzügen, sodass nur noch die Surfbretter vom Dach abgeschnallt werden mussten und es ging ins Wasser. Naja, auch nicht sofort, denn erst einmal musste noch ein Stückchen Weg übers Riff zurückgelegt werden. Den Füßen gefiel das gar nicht, aber was nimmt man nicht alles auf sich für die besten Surfbedingungen?
Es war an diesem Tag tatsächlich perfekt. Charlie hatte noch ein paar Schwierigkeiten mit dem Paddeln, aber mit ein bisschen Hilfe von Trystan, schnappte sie sich die Wellen und zum ersten Mal konnte sie wirklich von Surfen sprechen. Endlich hatte sich all das Üben in den Wellen und Trainieren für Arm-und Beinkraft ausgezahlt. Charlie war fast schon selbst überrascht, wie gut es plötzlich funktionierte. Sie war an diesem Tag sehr stolz auf Ihre Surf-Fortschritte.
Bierchen und Zocken zur Mittagszeit
Nach dem Surfen gönnten sich alle erstmal ein schönes Mittagessen im Camp. Ein Tropical durfte dabei auch nicht fehlen. Das Schweizer Pärchen, Mark und Daniela, die für ganze zwei Monate im Billabong Surfcamp waren, hatten ein Kartenspiel herausgeholt und waren gerade dabei, den drei Österreichern zu erklären, wie das Spiel „Shithead“ funktionierte, als Charlie sich dazu gesellte.
Die drei Österreicher – Daniel, Patrick und Matthias – sowie den verrückten Italiener Simone hatte sie bereits am Morgen vorm Surfen schon kennen gelernt, als sie verzweifelt in der App einen lokalen Radiosender suchte, der auch nur halbwegs authentisch war. Von deutscher über italienischer und französischer Musik war hier alles dabei bis Charlie schließlich einen Sender von Teneriffa fand, auf dem etwas Spanisches lief.
Nun saßen sie also alle vor dem Surfhaus und spielten Shithead. Diesen schönen Titel gewann am Ende Daniel für sich. Und da die Gruppe sich zwar vorgenommen hatte, später noch ein Runde zu spielen, kam es nicht mehr dazu und Daniel wird den Titel nun für immer tragen.

Grace kommt an
Ein weiterer Gast kam an diesem Nachmittag im Billabong Surfcamp an: Grace war wie Charlie aus London und sie verstanden sich auf Anhieb gut. Zunächst einmal machten sie es sich in der Hängematte und auf der Sonnenliege gemütlich und genossen ein weiteres Tropical, bevor Charlie mit Grace gemeinsam zum Supermarkt ging und ihr zeigte, wo man in Corralejo das Wichtigste fand.
Irgendwie entwickelte sich daraus auch eine kleine Shoppingtour, denn auf dem Weg zum Supermarkt gab es einfach zu viele Geschäfte mit verlockenden Angeboten, und eine (vielleicht auch zwei) Kugel(n) Eis gab es für die beiden auch noch. Sie machten es sich damit in der Sonne gemütlich. Anschließend ging es dann zur eigentlichen Mission: Lebensmittel kaufen … und Tropical.
Tapas Oscar
Am Abend wollten die Österreicher Tapas essen gehen. Falls ihr nicht wisst, was Tapas sind: Es handelt sich dabei um kleine Portionen spanischer Spezialitäten, die man mit allen am Tisch teilt und die über den Abend verteilt gebracht werden. In vielen Bars bekommt man die oft sogar zu den Getränken einfach dazu und spart sich somit auch schon mal die Vorspeise. Die Auswahl ist dabei immer ähnlich, von Salami, Schinken, Käse, Oliven, Anchovis und Peperoni ist da so ziemlich alles dabei, was die mediterrane Küche zu bieten hat. Auf den Kanaren gab es noch eine besondere Spezialität dazu, die ihr unbedingt probieren solltet: Papas arrugadas con Mojo. Die „Papas“ sind in diesem Fall kleine Kartoffeln, die mit Schale und viel Salz gekocht werden, weshalb sie ein bisschen verschrumpelt aussehen („arrugada“ heißt wörtlich übersetzt „faltig“). Mojo [ˈmoxo] ist eine Soße, die über die Kartoffeln gegeben wird und die es in zwei Varianten gibt: grüne und rote Mojo. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Mischung aus Essig, Öl, Knoblauch und Salz. Bei der grünen Mojo kommt noch Koriander hinzu, bei der roten ist es roter Pfeffer. Die rote mag Charlie am liebsten. Jedes Mal, wenn sie auf den kanarischen Inseln ist, gehört auf dem Rückflug ein Glas Mojo Rojo ins Gepäck.
Das beste Tapas-Restaurant in Corralejo mit den Namen “Pincha Cabra”“, wo Charlie vor zwei Jahren mit einer Gruppe Surfer schon war und sich damals sogar David, der Inhaber des Surfcamps, anschloss, war leider über die Wintermonate geschlossen, weshalb sie alle zu Tapas Oscar gingen. Es ist auch ein gutes Tapas Restaurant, aber ein bisschen touristischer als das Pincha Cabra und weniger traditionell. Mit keiner Silbe hatten sie daran gedacht, dass es dort ja voll sein könnte und man für eine Gruppe von 7 Leuten einen Tisch würde reservieren müssen. Also standen sie nun da und wurden um eine Stunde vertröstet. Also beschlossen sie, etwas trinken zu gehen und nahmen auf einer der Restaurant-Terrassen am Hafen Platz. Nach zwei Runden Cañas (das ist ein kleines Bier) und netten Unterhaltungen, war es dann auch endlich an der Zeit, zum Tapas Oscar zurückzukehren und jetzt gab es auch einen Tisch für alle.

Nach dem Sushi am Vorabend hatte Charlie nun endlich auch den ersehnten traditionellen, Spanischen Gaumenschmaus: Als Vorspeise gab es eine bunte Mischung an Tapas und als Hauptgang eine riesige Pfanne Paella für alle, dazu natürlich einen schönen spanischen Wein.
Als die Rechnung kam, zeigten sich dann auch die Auswirkungen von all dem Tropical, den Cañas dem Wein und dem Ron Miel (Honig Rum, ebenfalls von den Kanaren und sehr lecker!). Einfache Mathematik kann so schwierig sein. In diesem Zusammenhang erlangte Grace dann auch den Titel „Amazing Grace“, der ihr für ihre mathematische Akrobatik von „Shithead“ Daniel verliehen wurde.
Der zweite Surftag wurde zum gefährlichen Abenteuer. Lest hier, warum man die Kraft des Wassers nicht unterschätzen sollte.