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Charlie kommt im Billabong Surfcamp an

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Sunrise at Waikiki Beach in front of the Billabong Surfcamp in Fuerteventura

Charlie kommt im Billabong Surfcamp an

Bekannte Orte, Unbekannte Leute

Niemand steht wahrscheinlich gerne mitten in der Nacht auf, es sei denn, man ist auf dem Weg in den Urlaub und hat einen frühen Flug. Abflug war an diesem Tag für Charlie um 6.20 Uhr, was wiederum den Vorteil hatte, zeitig in Fuerteventura anzukommen.

Da es ein Wochentag war, fuhren auch die Busse (guaguas, wie man sie auf den Kanarischen Inseln nennt) recht häufig und Charlie schaffte es in Rekordzeit vom Flughafen zum Billabong Surfcamp in Corralejo. Es machte sich auch bezahlt, dass sie nicht zum ersten Mal dort war und schon genau wusste, welche Buslinie sie nehmen würde und wo sie aus- und umsteigen müsste. Zu ihrer Überraschung hatten sich nicht einmal die Preise für ein Busticket in den vergangenen zwei Jahren geändert.

Als Charlie im Camp ankam, waren alle gerade zum Surfen weg, bis auf eine: Leanne. Sie war die vergangenen zwei Monate von einer der kanarischen Inseln zur nächsten gereist und wollte nun an ihrem letzten Stopp ein wenig ausruhen. Surfen stand da nicht auf dem Plan.

Sie war gerade beim Mittag essen und Charlie verwickelte sie direkt in ein Gespräch. Die beiden waren einfach genau auf der gleichen Wellenlänge und anstatt auszupacken, schnatterte Charlie für eine Ewigkeit mit Leanne über alles Mögliche. Sie waren beide gleichermaßen Weltenbummler, hatten beide Sprachen studiert und auch ihre Jobs ähnelten sich sehr. Aber hier möchte ja niemand von Arbeit lesen.

Charlie’s Lieblingsplatz

Schließlich schaffte es Charlie doch noch, zum Supermarkt zu gehen und das Nötigste zu besorgen. Danach machte sie es sich für den Rest des Tages an ihrem Lieblingsplatz gemütlich: der Hängematte zwischen den Palmen vorm Surfhaus, natürlich mit Blick aufs Meer! Mit einem Tropical (die Biermarke auf den Kanaren) und einem guten Buch in der Hand konnte sich Charlie gar keinen besseren Ort vorstellen. Schon als sie das letzte Mal im Billabong Surfcamp war wussten nach kurzer Zeit alle, wo Charlie zu finden war. Diese Hängematte trug förmlich ihren Namen.

In guter Gesellschaft

Was Charlie am Billabong Surfcamp in Corralejo so mochte war, dass man dort jedes Mal nette Leute kennen lernte. Sie war nun bereits zum dritten Mal hier und es war jedes Mal ein positives Erlebnis. Mit vielen der alten Bekannten war sie auch noch in Kontakt – eine ihrer engsten Freunde aus London hatte sie an diesem Ort kennen gelernt.

Aber Leute lernte man ja nicht von der Hängematte aus kennen. Also gesellte sich Charlie zu den anderen an einem der Picknicktische und lernte so zwei nette spanische Mädels kennen: Tania und ihre Schwester Carla. Tania sprach recht gut Englisch da sie auch mal eine Zeit in London gelebt hatte, aber Carla so gut wie gar nicht. Da kam es sehr gelegen, dass Charlie Spanisch sprach und die drei konnten sich ohne Probleme unterhalten. Sie wollten an diesem Abend Sushi essen gehen und fragten Charlie, ob sie sie würde begleiten wollen. Eigentlich fährt Charlie ja nicht nach Spanien, um dann Sushi zu essen, aber irgendwie geht roher Fisch auf japanische Art auch immer und sie schloss sich an. Mit von der Partie waren auch Jorge, der gemeinsam mit Tania und Carla in Corralejo Urlaub machte, und Yoann, der auch mit im Surfcamp war. Tania und Jorge kannten sich schon seit der Kindheit und da er mittlerweile in Deutschland lebte, trafen sie sich immer mal auf Reisen. Yoann war allein angereist und kam aus dem französischen Teil der Schweiz.

Sprachverwirrung

Wie das immer so ist, kam man in der Gruppe auch schnell auf die Arbeit und den Abschluss zu sprechen. Als Charlie erwähnte, dass sie Romanistik studiert hatte wurde Yoann hellhörig und musste unbedingt testen, ob sie tatsächlich Französisch spräche. Es fiel Charlie wie immer recht schwer, plötzlich von der einen in die andere Sprache zu wechseln, aber zwischen Französisch und Spanisch war das immerhin einfacher als zwischen Spanisch und Italienisch, wo immer nur ein Misch-Masch herauskam.

Charlie erinnert sich noch zu gut an eine Italienreise direkt nach der Spanischprüfung, während derer sie dann sogar für eine Spanierin gehalten wurde. Trotz aller Sprachverwirrung aber, hat es Charlie bisher immer geschafft, ihre Gedanken in irgendeiner Form zum Ausdruck zu bringen und dabei sogar verstanden zu werden. Ziel erreicht!

In diesem Fall war es dann aber doch recht kompliziert, da Carla nur Spanisch sprach und Jorge besser Spanisch und Deutsch als Englisch, wohingegen Yoann nur Englisch und Französisch sprach. Tania wusste sich mit Englisch und Spanisch ganz gut zu helfen und Charlie war sowieso wie immer sprachlich verwirrt.

Japanisch in Spanisch

Für die Spanier war es völlig normal, dass es erst um 9 zum Essen ging, doch für Charlie, die eher an nordeuropäische Zeitpläne gewöhnt ist, war es doch eine ganz schöne Herausforderung, sich wieder an spanische Gepflogenheiten anzupassen. Naja, eigentlich war es eher ein leerer Magen, der damit so seine Schwierigkeiten hatte. Dann ging es aber endlich los und zum Glück, gab es im Sushi-Restaurant auch direkt einen freien Tisch für die fünf. Sie entschieden sich dann auch, verschiedene Sushi-Rollen zu bestellen und alles zu teilen – ein bisschen wie Tapas.

Walking along the beach in the evening in Corralejo
Das wiederum ist eine etwas merkwürdige Sache, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist, die man kaum kennt, aber es ist auch immer wieder Teil der Erfahrung: am ersten Abend kommt einem noch alles komisch vor, weil man mit den Leuten noch nicht vertraut ist und am letzten Abend kann man sich dann gar nicht mehr vorstellen, dass man sich gerade erst kennen gelernt hat.

Zusammenkommen mit echten Menschen

Ihr wisst ja sicher, wie das ist, wenn man beim Essen mit den Geschwistern oder der besten Freundin teilt: Jeder weiß genau, wem was davon schmeckt und man macht sich auch einfach keine Gedanken darüber, wenn man noch einmal so richtig zuschlägt. In einer Gruppe, die man nicht kennt jedoch gibt es diese komischen Momente, in denen sich keiner traut, das letzte Stücke zu nehmen. Aber auch das gibt sich in der Regel schnell, vor allem, wenn man sich in einem Surfcamp kennen lernt. Man teilt ein Zimmer, Küche und Bad, Bier und Mahlzeiten, man geht zusammen ins Wasser und kommt auch zusammen wieder raus aus den Wellen. Besonders nach dem Surfen interessiert es niemanden, wie man aussieht und jeder ist einfach er selbst: Mit zerzaustem Haar, verbrannten Nasen, mit Resten von Sonnencreme an den Ohren und in Salz gebadet. Es ist perfekt, um jemanden so kennenzulernen, wie er oder sie tatsächlich ist.

Nach dem Sushi stand noch ein Nachtisch auf dem Speiseplan und ein jeder in der Gruppe wusste auch bereits, wo es die besten Crêpes mit Nutella gab. Wie der Zufall es so will, trafen sie dort auch auf weitere Surfer aus dem Billabong Surfcamp, die Charlie noch gar nicht getroffen hatte und alle nannten sie nur „die Österreicher“. Sie holten sich dort nur auf dem Heimweg ein Eis auf die Hand und obwohl Tania gerne noch Cocktails trinken wollte, waren doch alle zu erschöpft und es ging zurück ins Camp.

Lest hier wie es am nächsten Tag weiter ging…

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