Faro
Ein Zwischenstopp am Strand
Charlie hatte fast den gesamten Winter auf den Kanaren verbracht. Über Silvester war sie im Billabong Surfcamp in Fuerteventura, verbrachte einen Monat als digitaler Nomade in Las Palmas de Gran Canaria und entdeckte im Blackstone Surfcamp die besten Surfsports in Teneriffa. Ihr nächster längerer Aufenthalt war in Sagres, Portugal. Sie hatte die Fähre von Teneriffa nach Spanien genommen und zwei Tage in der Stadt Huelva verbracht, bevor sie den Bus nach Portugal nahm. Sie entschloss sich zwischen Huelva und Sagres noch einen Zwischenstopp einzulegen. So landete sie in Faro.
Ein Hostel am Strand
Wenn Charlie eine Unterkunft in Strandnähe findet, dann zögert sie nicht. Sie entschied sich für das Wax Hostel in Praia de Faro. Von der Bushaltestelle nahm Charlie ein Taxi, denn sie hatte recht viel Gepäck. Man kann aber auch den Bus Nummer 16 nehmen. Das Taxi kostete 8€. Der Bus kostet 2,35€ und kommt alle 30 bis 45 Minuten.
Charlie kam um 10 Uhr morgens an und konnte direkt im Hostel einchecken. Sie war zutiefst beeindruckt als sie die Tür öffnete und eine Terrasse sah, von der aus man das gesamte Flussdelta des Ria Formosa überblicken konnte. Was für ein Ausblick!
Sie packte die Dinge aus, die sie brauchen würde und setzte sich auf die Terrasse, um etwas Arbeit zu erledigen. Die Internetverbindung war gut, allerdings war Charlie durch die herrliche Landschaft etwas abgelenkt und erwischte sich selbst dabei, wie sie die Flugzeuge beobachtete, die vom nahegelegenen Flughafen in Faro abhoben und landeten. Dieser Platz gefiel ihr sehr.
In der ersten Nacht war sie allein im Wax Hostel, weil Nebensaison war. Sie konnte sich aussuchen, ob sie lieber auf dem Sofa oder in einem grossen Sessel saß und hatte alleinige Entscheidungsgewalt über das Netflix-Programm. In der zweiten Nacht war dort noch eine weitere Alleinreisende, Nina, und ein Surfer-Papa mit seinem Sohn. Sie waren für einen Surfwettbewerb übers Wochenende da. Der Sohn war gerade einmal 14 Jahre alt und nahm an regionalen Wettbewerben teil. Ob Charlie ihn wohl in ein paar Jahren bei der Quiksilver Pro sehen würde? Sie hätte sich besser vorsorglich ein Autogramm geben lassen.
Im Wax Hostel sind eine gut ausgestattete Küche, ein Esstisch, ein großes Wohnzimmer und einige Schlafzimmer und Bäder. Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite ist die Wax Restobar, wo man frühstücken kann, oder zu Mittag oder Abend essen oder auch ein kühles Getränk nach dem Surfen genießen kann.
Praia de Faro ist eine schmale Halbinsel. Somit sieht man hinter dem Hostel die Ria Formosa und blickt ins Landesinnere, auf der anderen Straßenseite und hinter dem Restaurant ist der Strand. Dort fand an diesem Wochenende der Surfwettbewerb statt.
SUP & Surf
Charlie kam an einem Freitag in der Mittagszeit an und wollte sich für den Nachmittag ein Stand-Up-Paddle-Board ausleihen. Das Meer war an diesem Tag flach, surfen war somit keine Option. Praia de Faro ist ein kleines Dorf und in der Nebensaison ist dort nicht viel los. Charlie hatte genau eine Surfschule gefunden, die auch Boards verlieh, Clube Surf Faro. Wie so oft in Portugal, fand man nicht viele Infos online. Charlie ging also einfach mal hin, um sich zu erkundigen. Es war ein Freitagnachmittag in der Nebensaison und die Surfschule war geschlossen. An der Tür hing ein Schild mit der Aufschrift “Wir sind gleich zurück“, aber das schien dauerhaft dort zu hängen. Charlie wartete 15 Minuten und nichts passierte. Sie speicherte sich die WhatsApp-Nummer, die dort stand, und würde es per Nachricht versuchen. Sie verabschiedete sich von ihren Paddel-Plänen für den Freitagnachmittag.
Gegen Abend bekam sie eine Antwort und machte mit demjenigen, mit dem sie da kommunizierte, aus, dass sie um 9 Uhr am Morgen kommen würde, um sich ein Board auszuleihen.
Am Samstagmorgen war die Schule tatsächlich auf und da waren auch recht viele Leute, die sich für eine Surfstunde bereit machten. Die Vorhersage für diesen Morgen sah nach kleinen Wellen aus und scheinbar würde es mit der Ebbe besser werden. Charlie hatte sich nun aber auf Stand-Up-Paddeln eingestellt. Dieses Mal würde sie nicht surfen gehen.
Sie schnappte sich ein SUP und paddelte hinter der Schule auf der Ria Formosa entlang. Es war an diesem Morgen sehr ruhig am Fluss. Sie sah nur ein paar ältere Dorfbewohner, die mit riesigen Gummistiefeln im Schlick nach Krabben suchten. Den ganzen Morgen über krochen sie durch den weichen Sand. Als Charlie später im Hostel zurück war, fragte sie eine Frau nach der Uhrzeit. Charlie war überrascht, dass sie die Frage auf Portugiesich verstand und noch viel überraschter, dass sie auch antworten konnte. Ihr Portugiesisch-Kurs war schon einige Jahre her, aber scheinbar war doch etwas hängen geblieben.
Charlie begann ihren SUP-Ausflug um 9 Uhr morgens und die Sonne stand bereits hoch am Himmel. Es ging kein Wind und war für Februar sehr warm. Charlie genoss diesen ruhigen Ausflug. Kurz vor 11 war sie an der Schule zurück und es war niemand da. Die Lehrer hatten ihr gesagt, dass sie am Strand eine Surfstunde geben würden. Sie stellte das SUP-Board an der Tür ab und lief zum Strand hinüber. Es war ein toller Ausblick und die Wellen waren in der Tat jetzt etwas größer. Charlie bereute es ein bisschen, dass sie nicht surfen war.
Sonnenaufgang und Abenddämmerung
Als Charlie im Jahr zuvor zum Surfen in Andalusien war, dachte sie, dass sie einen dieser seltenen Orte gefunden hatte, wo der Sonnenauf- und -untergang gleichermaßen schön sind. Nun stellte sich heraus, dass das entlang der Südküste der iberischen Halbinsel gar nicht so selten ist. Praia de Faro war ein weiterer dieser Orte. Von der Terrasse im Wax Hostel sah man, wie die Sonne in der Frühe das Flussdelta in Rottöne tauchte, auf der anderen Seite, am Strand, hatte man jeden Abend eine Verabredung mit dem Sonnenuntergang.
Stadtrundgang durch Faro
Man kann nicht in einer so schönen Stadt wie Faro gewesen sein, ohne die Stadt wirklich besichtigt zu haben. Charlie fand im Internet einen dieser kostenlosen Stadtrundgänge und er fand am Freitagnachmittag statt. Von Praia de Faro hätte sie den Bus nehmen können, aber eine Bootstour klang besser. Bis zum Bootssteg waren es gut 10 Minuten zu Fuß. Das Boot würde um 12.50 Uhr abfahren. Falls ihr mit dem Boot in die Stadt Faro fahren wollt, achtet besser auf den Fahrplan, denn es fährt nicht so regelmäßig. Eine einfache Fahrt kostet 2€, ein Ticket für Hin- und Rückfahrt 3,50€. Man bezahlt direkt auf dem Boot. Die Überfahrt dauerte 30 Minuten und führte durch das Flussdelta und an Austernfeldern vorbei. Charlie ist noch immer von dieser Natur beeindruckt.
Charlie hatte noch zwei Stunden Zeit, bis der Rundgang beginnen würde. Sie hatte noch kein Mittag gegessen und lief ein bisschen durch die Innenstadt. Sie fand einen kleinen Coffeeshop namens “Coffee & Brunch”, der so aussah, als könne man dort gut Mittag essen und auch den Laptop herausholen, um ein wenig zu arbeiten. Drinnen war es wesentlich größer als es von außen her aussah. Es gab dort eine riesige Auswahl an Kuchen und die Kellnerin war sehr freundlich. Sie stellte Charlie Fragen zu ihrer Kamera und hatte großes Interesse an diesem Blog. Charlie bestellte ein Sauerteig-Sandwich mit Avocado und Ei, köstlich! Es war ein guter Ort, um produktiv zu sein und Charlie hätte noch wesentlich länger dort bleiben können. Sie hatte aber einen Stadtrundgang gebucht.
Die Geschichte Faros
Der Treffpunkt für den Rundgang war am Arco da Vila, am Eingang zur Altstadt. Oben auf diesem Bauwerk waren ein paar Storchennester und hin und wieder hörte man sie durch die gesamte Stadt klappern. Es war der beste Zeitpunkt im Jahr, denn im Sommer halten sich diese Vögel viel weiter nördlich in Europa auf.
Die Tour wurde an diesem Tag von Marcelo geleitet. Er war aus Faro, sprach aber auch perfektes Englisch. Er kannte die Stadt wie seine Westentasche und teilte sein Wissen über die portugiesische Geschichte. Es war fast wie eine Zeitreise, die mit den Phöniziern begann, die die Stadt als Handelshafen gegründet hatte. Weiter ging es mit den Römern, die die Stadt Osonugue nannten, die Westgoten, die die erste Kirche bauten, bis hin zu den Mauren, die fast die gesamte Iberische Halbinsel eingenommen hatten. Die Bezeichnung “Algarve” stammt aus dieser Zeit. Es kommt vom arabischen Wort “Al-Gharb”, was so viel heißt wie „der Westen Andalusiens“.
Charlie dachte immer, dass der Ortsname Faro etwas mit einem Leuchtturm zu tun haben würde, denn das heißt „faro“ im Spanischen. Marcelo klärte dieses Missverständnis auf: Der Name der Stadt geht auf den Regenten Harun zurück. Durch Lautveränderung im Portugiesischen wurde daraus später Faro.
Historische Bauwerke
Als sie durch die Straßen in Faro schlenderten, kamen sie an der Santa Maria Kirche aus dem 13. Jahrhundert vorbei. Das Gebäude hatte nicht viel von einer Kirche, da es im Laufe der Geschichte in Folge von Feuern und Erdbeben mehrmals wieder aufgebaut worden war. Es schien fast, als sei es unvollständig. Der Platz vor der Kirche ist leider zu einem Parkplatz umfunktioniert worden, wodurch das Gesamtbild weniger anschaulich ist, als es sein könnte. Der Platz ist von Orangenbäumen umgeben. Es sind die gleichen wie in Sevilla, Bitterorangen. Aus diesem Grund pflückt sie niemand, und wenn doch, dann ist es eine bittere Überraschung.
Sie kamen an weiteren Kirchen vorbei und lernten ein bisschen über die Architektur im Low-Level-Design und die typischen portugiesischen Schornsteine. Sie sahen das Theater von außen und beendeten die Tour zwischen dem Arco da Vila und der Marina. Falls ihr jemals in Faro seid, ist dieser Rundgang wärmstens zu empfehlen.
Bevor Charlie nach Praia de Faro zurückfuhr, ging sie noch in einem Supermarkt, denn am Strand gab es keinen. Es gab einen kleinen Tante-Emma-Laden, aber das war es auch schon.
Das letzte Boot zurück nach Praia de Faro war bereits abgefahren und Charlie wollte den Bus nehmen. Sie ging zum Busbahnhof, wo Bus Nummer 16 in wenigen Minuten kommen sollte. Sie wartete und wartete und wartete. Der Bus kam nicht. 20 Minuten nach der eigentlichen Abfahrtszeit beschloss sie, ein Taxi zu nehmen. Sie wollte zum Sonnenuntergang am Strand zurück sein. Mit jeder Minute, die verging, wurde das jedoch unwahrscheinlicher. In Faro war zu dieser Zeit unglaublich viel Verkehr. Charlie wartete noch einmal 15 Minuten auf das Taxi. Sie lief zu den Schienen hinter dem Busbahnhof, von wo aus man auch den Sonnenuntergang sehen konnte. Das war an diesem Abend in Faro die beste Option.
Der Taxifahrer meinte dann auch zu Charlie, dass gerade sehr viel auf den Straßen los sei und Charlie war erneut überrascht, wie gut sie sein Portugiesisch verstand.