Socials

Image Alt

Dirty Old Wedge

Home  /  Surfen   /  Filme   /  Dirty Old Wedge
Dirty Old Wedge movie poster

Dirty Old Wedge

Ein Film über das Bodysurfen von den Anfängen bis heute

“Dirty Old Wedge” ist nicht der typische Surffilm. Drei Dinge machen diese Doku einzigartig: Es geht nicht um diejenigen Surfer, von denen die ganze Welt spricht, es geht auch nicht um Surfen auf Brettern, sondern Bodysurfen – Wellen reiten ohne Board, nur mit dem Körper – und sie erzählt die Geschichte eines Surfspots, von dem ihr wahrscheinlich nicht viel Gutes gehört habt. Der Untertitel allein weist darauf hin: “The story of the world’s most infamous shore break and the people who live it” (dt. Die Geschichte des berüchtigsten Shorebreaks und die Leute, die ihn ausleben“). Dieser Spot am Newport Beach, Kalifornien, wird “Wedge” genannt und man spricht nie von „The Wedge“, es ist einfach nur „Wedge“. Es wird auch von einem Baufehler gesprochen, denn die Wellen erreichen ihre Größe, indem sie an dem Wellenbrecher zurückschlagen, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hier erbaut wurde. Diese gigantische Welle baut sich in flachem Wasser schnell sehr hoch auf. Das ist es, was diese Welle so besonders macht, so schön und fotogen, aber auch so angsteinflößend.

Der Dokumentarfilm Dirty Old Wedge entstand 2016 durch eine Zusammenarbeit von Regisseur Tim Burnham, den Produzenten Jack Murgatroyd und Edwin Eversole von Hunthousepictures sowie Hurley und Viper Fins.

Über den Film

Erzähler der Geschichte ist Ron Romanosky, ein Boardshaper und Fotograf, der neben Kevin “Mel” Thoman viele Bilder für den Film beisteuerte. Beide gehörten zur Wedge Crew indem sie die Welle surften sowie vom Strand aus in Bildern dokumentierten.

Die Produktion nahm 3 Jahre in Anspruch. Altes Bildmaterial aus den 60ern und 70ern musste gesichtet und sortiert, sowie neues Material erschaffen werden, darunter auch die zahlreichen Interviews für den Film. Der Film gewann 2016 drei Auszeichnungen:

  • Newport Beach Film Festival: Publikumspreis
  • Approaching Lines Film Festival: Bester Film
  • San Diego Surf Film Festival: Bester Film

Die ersten, die ihre Erinnerungen im Film teilen sind Roger Goodan, einer der ersten Bodysurfer am Wedge Ende der 50er Jahre, und Fred “Viper Fins” Simpson. Zu jener Zeit hatten Sie den Spot für sich allein, Bodysurfing war noch keine große Sache und die traditionellen Surfboards zu jener Zeit waren zu groß und zu schwer, um dieser Welle standzuhalten.

Wie Bodysurfing am Wedge groß wurde

Ausgehend von diesen ersten Bodysurfern am Wedge erzählt der Film wie die sogenannte Wedge Crew entstand. Es geschah in den 70ern, als eine Gruppe an Bodysurfern sich an den Wedge gesellte. Sie zeigten ausreichend Respekt und Können denen gegenüber, die dort bereits surften, um bleiben zu dürfen. Schon kurze Zeit darauf hatten sie sich einen Namen gemacht. Sie brachten die Speedo-Badehose nach Newport Beach, sie waren DIE örtliche Surfcrew und vor allem waren sie eine geschlossene Gruppe, die zusammenhielt. Um sich ihnen anzuschließen, musste man die Gleichen Ansichten über Surfen und das Leben haben und vor allem sehr gut surfen.

Neben der Speedo-Kultur organisierten sie auch Veranstaltungen am Strand, zum Beispiel den jährlichen Bräunungs-Wettbewerb und wurden fester Bestandteil des kulturellen Lebens. Haltet euch bereit für ein paar witzige Szenen und Bilder im Film.

Angriff von außen

p>Es ging in erster Linie um Spaß und gute Stimmung, so wie das in der Surfkultur üblich ist. Es gab keine sozialen Medien oder Surfmagazine. Es waren einfach nur Jungs aus dem Ort, die zusammen surften und das Leben genossen. Das jedoch sollte sich Anfang der 90er Jahre ändern als das Boogie-Board auf den Markt kam und stark beworben wurde. Schon bald würden Hunderte an Bodyboardern am Wedge sein, denn dieses Brett machte es für jeden möglich, diese Welle zu reiten. Es wurde eng im Line-Up und diejenigen, die wussten, wie man Wedge surfte, waren in der Minderheit. Dirty Old Wedge dokumentiert diese Situation und die damit einhergehende Respektlosigkeit eindrucksvoll mittels Interviews und Videoaufnahmen. Die ursprüngliche Wedge Crew wurde nun so wichtig wie nie zuvor. Es war kein einfacher Kampf, aber sie hatten viel Unterstützung im Ort und mehr als die Hälfte des Stadtrates auf ihrer Seite. Sie gründeten einen Verein zum Schutz von Wedge und es gab fortan Verbote, dort mit Brett ins Wasser zu gehen; einzig und allein seinen Körper durfte man mitnehmen. Das Bodysurfing erfand sich neu und erreichte seinen Höhepunkt.

Still image from the movie Dirty Old Wedge

Bodysurfen zu neuem Leben erweckt

eben der Kommerzialisierung und dem Tourismus lauerte noch eine weitere Gefahr: die Zeit. Die ursprüngliche Wedge Crew wurde älter, sie gründeten Familien. Bodysurfen war rückläufig. Alles hing von einem Mitglied der Crew ab, den sie alle “Potato” nannten. Er erweckte das Bodysurfen zu neuem Leben, indem er eine jüngere Generation am Wedge ins Wasser brachte. Am Ende der Doku erlebt man eine einzigartige Szene der gegenseitigen Unterstützung der älteren und der jüngeren Generation der Wedge Crew. Sie leben den Traum zusammen und erhalten Wedge am Leben.

Wenn der Spaß aufhört…

Ein weiterer Aspekt von Wedge wird im Film ebenfalls gut herübergebracht und muss auch an dieser Stelle erwähnt werden. Wellen dieser Größe haben eine gewisse Anziehungskraft. Aus diesem Grund haben wir Surfwettbewerbe wie Nazaré und Jaws sowie Surffilme wie Heavy Water. Für die Surfer unter euch ist es keine Überraschung: Es ist nicht nur eine schöne, große Welle, sondern eine Welle, die Leben kosten kann. Der Adrenalinkick, der damit einhergeht, ist ein Teil dessen, was daran so fasziniert, sowohl für Surfer als auch Zuschauer.

“The older guys have a saying at Wedge… ‘Small days break necks. Big days will drown you.’” (Tim Burnham)

“The older guys have a saying at Wedge… ‘Small days break necks. Big days will drown you.’” (Tim Burnham)

Im Film sieht man Bilder von Unfällen am Wedge, sowohl von Surfern als auch einfältigen Touristen. Die Kraft des Wassers sollte man nie unterschätzen. Charlie hat das selbst schon erlebt, als es beinahe zu einem Unfall kam, als sie vor einigen Jahren in Fuerteventura zum Surfen war.

Zwei Leben, zwei Geschichten

Zwei Personen spielen im Film eine wichtige Rolle, um diese Seite des Surfens darzustellen: Terry Wade und Gene Russell Peterson.

Terry gehörte zur ursprünglichen Wedge Crew und im Film hört man viel über die riesigen Wellen, die er 1983 surfte. Die anderen Bodysurfer sprechen davon, dass sie dabei waren, als er Geschichte geschrieben hat, aber es ist zugleich auch einer der emotionalsten Momente im Film. Schon die Tatsache, dass Terry selbst im Film nicht zu Wort kommt, spricht für sich. Zahlreiche Verletzungen am Wedge haben ihm schwer zugesetzt. Laut dem Regisseur Tim Burnham wäre ein Interview mit ihm möglich gewesen, aber der Film hätte dann eine völlig andere Form angenommen und man wollte nicht zu sehr in Terrys Privatleben eingreifen.

Gene hingegen kommt im Film zu Wort, sitzt aber die ganze Zeit über oder geht am Stock. Er war eigentlich gar nicht für den Film vorgesehen, wurde aber 2012 dennoch interviewt, bevor er eine Operation hatte. Alle hofften zu dem Zeitpunkt, dass er sich nach dieser letzten OP von seinem Unfall am Wedge vollständig wieder erholen würde. Er wollte wieder am Wedge surfen, trotz der Tatsache, dass er bereits über 60 war. Das allein schon verdeutlicht die Faszination und die Anziehungskraft, die von dieser Wellte ausgehen. Leider wurde sein Traum nicht wahr. Der Film Dirty Old Wedge ist Gene gewidmet. Diejenigen, die jetzt am Wedge surfen, danken ihm für die guten Wellen, über die er von oben aus wacht.

Worum es wirklich geht

Dirty Old Wedge ist nicht wie andere Surffilme und manch einer stört sich vielleicht daran, dass es um Bodysurfen geht, aber er steht dennoch für alles, was beim Surfen zählt: Kameradschaft, Zusammenhalt zwischen verschiedenen Generationen, die alle durch eine gemeinsame Leidenschaft vereint sind, die Liebe zum Meer und zum Leben.

Der Film zeigt, wie Surfen zum Lebensinhalt wird, egal welche Art von Surfen, ob mit oder ohne Board. In dem Moment, wo man selbst zum Surfer wird, wird man Teil einer Gemeinschaft, die zusammenhält und aufeinander Acht gibt. Es geht einfach nur darum, eine gute Zeit zu haben und sich gegenseitig in den Wellen herauszufordern.

“Wedge has made my life and it has also ruined my life in many ways. My neck hurts every single morning when I wake up… My hips? Busted, pretty much. Sometimes I just wake up and my hip hurts. But literally, I wouldn’t change anything that’s ever happened at Wedge because the friends I’ve met, the waves I’ve gotten and just the overall good times I’ve had out there made every sacrifice I ever had to make completely worth it for that wave, that vibe and everything you get down there. I wouldn’t change it for the world, and I can’t wait to show my son the same exact thing I’ve done down there.” (Lee “The Sheriff” Hernandez in Dirty Old Wedge)

(dt.: „Wedge wurde mein Leben, aber ruinierte mein Leben auch auf mehrere Weise. Mein Genick tut jeden Morgen, wenn ich aufwache, weh…Meine Hüfte? Die ist ziemlich wertlos. Manchmal wache ich auf und meine Hüfte tut weh. Aber ich würde nichts von dem, was am Wedge passiert ist, verändern wegen der Freundschaften, die ich geschlossen habe, der Wellen, die ich gesurft habe und überhaupt all den guten Zeiten, die ich dort hatte. Das alles rechtfertigt jeglichen Preis, den ich jemals für diese Welle und alles, was damit zu tun hat, bezahlt habe. Ich würde das für nichts auf der Welt hergeben und ich kann es kaum erwarten, meinem Sohn zu zeigen, was ich dort unten gemacht habe.“)

Ein weiterer Unterschied ist, dass die Wedge Crew, nicht wie ähnliche Gruppen, zum Beispiel die Momentum Generation, Surfen immer nur als Hobby ausgeübt hat. Sie wurden keine professionellen Surfer und haben mit dem Surfen nie Geld verdient. Das ist für gewöhnlich der Punkt, wo der Spaß am Surfen verloren geht und die Wedge Crew kann sich glücklich sehen, diese Seite niemals erlebt zu haben. Denn die geschäftliche Seite des Surfens ist es, was andere Gruppen zum Zerfall brachte.

Fill your suitcase with memories, adventures and stories.

Follow us on