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Surf-Doku: Heavy Water

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Heavy Water movie poster

Surf-Doku: Heavy Water

Charlie im Kino

„I always wanted to challenge death. I loved to get just as close to death as I possibly could and then dodge it. That was my thrill in life.“ (dt. Ich wollte immer den Tod herausfordern. Ich habe es geliebt, dem Tod so nah wie möglich zu kommen, um ihm dann zu entwischen. Das war mein größtes Vergnügen.) Was für eine Aussage, um eine Doku über Surfen zu beginnen. Charlie ist der Meinung, dass der Regisseur Michael Oblowitz kein besseres Eröffnungszitat hätte finden können für den Film „Heavy Water“. Dieser wurde im Rahmen der UK-Tour im Juli 2019 im Genesis Kino in London gezeigt.

Heavy Water, eine Filmbiografie über Surfer Nathan Fletcher, bringt auf einzigartige Weise all die physischen und emotionalen Höhepunkte des Surf-Sports herüber. Der Film beginnt mit dem bereits genannten Zitat von Woody Brown, zeigt die höchsten Wellen, die jemals ein Surfer gemeistert hat, die berühmtesten Surf-Spots und Wettkämpfe, die emotionalsten Momente im Profi-Surfen und endet mit einem Stunt, der Nathan Fletcher in den Geschichtsbüchern des Surfens verewigen wird: The Acid Drop.

Pioniere des Surfens

Es war sicher eine bewusste Entscheidung, den Film mit einem der Pioniere des Wellen-Surfens zu eröffnen. Woody Brown war einer der ersten, der die großen Wellen an der Hawaiianischen Nordküste gesurft hat und der konstant nach größeren Wellen suchte, die die Kraft des Wassers mehr als deutlich zeigen und die Leben kosten können. In Browns Fall trat dies glücklicherweise nicht ein und er hatte ein langes, erfülltes Leben. Er starb im Jahr 2008 im Alter von 96 Jahren aber wird für immer eine Legende des Surfens bleiben.

“The Fletcher Family: A Lifetime in Surf”

Und an dieser Stelle kommt Nathan Fletcher ins Spiel: Er stammt aus einer Famile an Surf-Pionieren, wobei es genau dieses Erbe ist, das ihm etwas mystisches verleiht. Sein Großvater Flippy Hoffmann gilt als einer der Surf-Pioniere, dicht gefolgt von Nathan’s Vater Herbie Fletcher, der es 1966 ins Halbfinale der Surf-Weltmeisterschaft schaffte und den Jetski in den Surf-Sport einführte. Das allerdings hat Nathan nie zugesagt, er bevorzugt die traditionelle Variante des Paddelns. Surf-Journalist Jamie Brisick nahm Bezug auf die Großen des Rock’n’Roll, um die Rolle Herbie Fletchers im Surfen zu beschreiben, indem er ihn als Iggy Pop und Mick Jagger des Surfens bezeichnete.

Dann ist da noch Christian Fletcher, Nathan’s älterer Bruder, der den Titel des Pioniers im Freiluft-Surfen trägt. Er wurde stark von der kalifornischen Skater-Szene beeinflusst, was auch auf Nathan abfärbte. Indem er Bewegungsabläufe des Skateboardings ins Surfen übertrug, definierte er diesen Sport neu. Der Film Heavy Water dokumentiert diesen Zusammenhang, indem er Skateboard-Legenden wie Jay Adams und Christian Hosoi zu Wort kommen lässt. Beide hatten einen großen Einfluss auf Nathan Fletcher und die Art und Weise, wie er die Wellen reitet.

Die gesamte Geschichte der Fletcher-Familie könnt ihr schon bald in „The Fletcher Family: A Lifetime in Surf“ nachlesen. Das Buch, das von Nathan’s Mutter Dibi Fletcher verfasst wurde, soll ab September 2019 verfügbar sein.

The Acid Drop

Unter all diesen Pionieren, die dem Surf-Sport etwas hinzugefügt haben, indem sie die Dinge auf ihre eigene Weise machten, bevor sie zur Norm wurden, ist nun Nathan. Wie könnte er aus dem Schatten heraus treten?

Heavy Water demonstriert, dass er es schon immer liebte, zu springen, indem ein paar beeindruckende Sprünge auf einem Motocross-Rad und auf dem Skateboard gezeigt werden. Nathan hat noch eins oben drauf gesetzt mit der Idee, mit einem Surfbrett bewaffnet aus einem Hubschrauber in eine 7,5m hohe Welle zu springen. Der gesamte Film arbeitet auf diesen Moment hin, indem Nathan gezeigt wird, wie er immer höhere Wellen oder längere Boards surft. Was ihn ins Rampenlicht stellte, war sein historischer Ritt in Tahiti 2011, als er die größte Welle surfte, die jemals gesurft wurde. Es war ihm nicht einmal bewusst, was ihm gelungen war, bis sein Freund und Surfer Bruce Irons ihm erzählte, was er gerade miterlebt hatte. Nathan hingegen war einfach nur glücklich, am Leben zu sein.

Der Regisseur Michael Oblowitz vereint Bilder riesiger Wellen mit der unglaublichen Lebensgeschichte, die alle Hochs und Tiefs eines Profi-Surfers zeigt, die schließlich im Acid Drop ihren Höhepunkt finden. (Der folgende Screenshot wurde dem Trailer entnommen).

Der Regisseur

Oblowitz war während der Vorführung in London anwesend und stellte sich vor Beginn der Show den Fragen des Publikums. Er fühlt eine gewisse Verbundenheit zum Publikum an diesem Abend, da er zwar in Südafrika aufgewachsen ist, seine Großmutter aber aus Hackney stammte. Er erinnert sich noch sehr gut an das London der 70er Jahre. „Das heute ist sehr konservativ“, um es mit seinen eigenen Worten zu beschreiben. Er kommt sehr gelassen herüber und scheint niemand zu sein, der sich an soziale Normen anpassen würde. Er wurde für den Film Sea of Darkness berüchtigt. Der Film zeigt eine Gruppe Surfer, die im Indonesien der 70er Jahre Drogen schmuggelten. Einige sprechen bei diesem Kontroversen Film vom besten Surf-Film, der jemals gedreht wurde, andere bedeutende Namen der Surf-Branche aber, würden diesen Film lieber auf keinem Bildschirm gezeigt haben.

Zum Glück ist dies bei seinem neuesten Werk Heavy Water anders. Das Londoner Publikum während der UK-Tour war sichtlich beeindruckt von der Geschichte des Films und um so mehr von der Größe der Wellen.

Tödliche Wellen

Es war genau die Größe und Kraft dieser Wellen, die den Film thematisch eröffneten – Wellen mit der Macht, Leben zu nehmen. Während des gesamten Films ist die Gefahr, die von diesen Wellen ausgeht, dauerhaft spürbar und erhält die Spannung aufrecht. Oblowitz verbindet dies mit einigen sehr emotionalen Momenten in Nathan’s Leben: Es beginnt mit seinem Freund Andy Irons, dem er nach einer durchzechten Nacht das Leben rettete, um ihn dann später auf dem Weltmeister-Podium zu sehen. Es geht weiter mit dem tragischen Tod Sion Miloskys am Mavericks, über die emotionale Achterbahnfahrt, die das Wissen mit sich bringt, Wellen überlebt zu haben, aus denen andere nicht lebend zurückkehrten bis hin zur Freundschaft mit den Irons Brüdern. (Bruce Irons kommt in dem Film öfter vor als Nathan’s Bruder Christian – zumindest kam es Charlie so vor, sie hat nicht nachgezählt.)

Der Film ist definitiv beeindruckend, was das Bildmaterial und die Filmbiografie angeht, aber Charlie muss zugeben, dass die emotionale Seite zu wünschen übrig lässt. Die beiden anderen Dokumentationen, die ebenfalls von WavelengthMag präsentiert wurden, waren dahingehend beeindruckender:

  • Momentum Generation erzählt die Geschichte einer Gruppe surfender Teenager, die durch den Wassersport berühmt wurden und wie deren Freundschaft durch den hart umkämpften Wettbewerbssport auf die Probe gestellt wurde. Berühmte Surfer wie Kelly Slater und Rob Machado stehen hier vor der Kamera.
  • Andy Irons – Kissed by God ist die Filmbiografie des ehemaligen, drei-fachen Surf-Weltmeisters Andy Irons und wie sein Leben durch eine bipolare Störung und Suchtverhalten geprägt wurde. Obwohl sein tragischer Tod durch einen Herzinfarkt in einem Hotelzimmer auch in Heavy Water eine Rolle spielt, war es doch bei weitem nicht so emotional dargestellt wie in der Irons Filmbiografie.

Charlie war von dem, was sie auf der Leinwand gesehen hat beeindruckt und weiß, dass die Wellen, die sie selbst in der Lage ist zu surfen, sie im Vergleich zu denen in Heavy Water wie einen Feigling aussehen lassen, aber was die emotionale Seite angeht ging es ihr ähnlich wie einer Freundin, die nach dem Film sagte: „Ich war darauf vorbereitet zu weinen, hab ich aber nicht.“

Charlie versucht an den Film Sea of Darkness und das Buch über die Fletcher-Familie zu kommen. Wenn es ihr gelingt, wird sie ihre Eindrücke hier mit euch teilen.

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