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Digitaler Nomade auf Probe

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Charlie with her laptop in a cafe by the beach

Digitaler Nomade auf Probe

Was eine Surf-Workcation lehrt

Charlie hatte schon lange davon geträumt. Sie hatte zuvor schon Arbeiten und Reisen miteinander verbunden, zum Beispiel als sie bei der Quiksilver Pro Frankreich 2019 in Hossegor war und im Jahr zuvor während ihrer verlängerten Silvesterreise nach Fuerteventura. Beides waren Reisen zum Vergnügen, während derer sie ein wenig Arbeit erledigen musste.

Dieses Mal, für ihre Reise nach Conil de la Frontera, hatte Charlie ein Angebot für einen Monat gebucht, das Surfen, Unterkunft und die Nutzung eines Co-Working-Spaces beinhaltete. Sie würde normal weiterarbeiten und surfen, wann immer der Zeitplan es erlaubte. Der Plan war es, einen Monat zu bleiben. Am Ende verbrachte sie fast 3 Monate im Surfhostel in Conil – zum Teil war das eine Entscheidung, zum Teil bedingt durch die Pandemie.

Arbeiten & Surfen: Wie man ein Gleichgewicht findet

Das Dasein als Freiberufler bringt eine große Herausforderung mit sich: Man hat entweder keine Arbeit oder zu viel Arbeit. Charlie fragt sich, ob jemals jemand ein gutes Gleichgewicht findet. Wenn man sich dann im Ausland aufhält, möchte man auch Zeit finden für die Dinge, die man Zuhause nicht machen kann. In Charlies Fall war das surfen. Schnell stellte sich heraus, dass Charlie im Oktober zu viel Arbeit angenommen hatte. Sie musste ein paar gute Gelegenheiten sausen lassen, z.B. einen Surfausflug nach Cádiz und Caños de Meca.

Im November hatte Charlie weniger Arbeit und da wurde ihr bewusst, dass sie sich an einem Ort befand, wo man ein Auto brauchte, um die Möglichkeiten völlig auszuschöpfen. Charlie hatte keines. Sie war ständig von den anderen abhängig und das hatte ihr noch nie gefallen. Sie war immer unabhängig gewesen und nun war sie plötzlich in einer Situation, wo sie wieder mehr Arbeit annahm, denn es gab nichts anderes zu tun. Sie verspürte auch Heimweh. Am Ende surfte sie während der 3 Monate Surfaufenthalt in Andalusien nicht so viel wie sie gerne gewollt hätte, denn sie hatte entweder Arbeit zu erledigen oder keine Gelegenheit, zum Surfspot zu kommen.

Was Charlie daraus gelernt hat: Wenn man eine Workcation bucht, sollte man einen Ort wählen, wo man unabhängig ist, und einen flexiblen Zeitplan haben, um das meiste herauszuholen. Man sollte auch nicht zu viel Arbeit annehmen!

Unterkunft für digitale Nomaden

Als Charlie die Reise nach Spanien buchte, wählte sie ein spezielles Angebot, in dem Unterkunft und Co-Working-Space in einem Surfhostel enthalten waren. Es schien perfekt zu sein!

Was Charlie dabei nicht bedacht hatte, war, dass sie die Unterkunft mit Leuten teilen würde, die im Urlaub waren und nicht arbeiteten. Es war kein Co-Living für digitale Nomaden, sondern ein Hostel für Surfer. Das störte die Gruppendynamik ein wenig, denn Charlie konnte sich nicht immer anschließen und wurde nie richtig Teil der Gruppe.

Des Weiteren würden hin und wieder Leute durch den Co-Working-Space laufen, um Surfboards zu holen oder um sich für den Abend fertig zu machen. Das ist nicht überraschend, lässt sich jedoch schwer mit einem Arbeits-Aufenthalt verbinden. Oftmals verstanden die anderen auch nicht, warum Charlie genau wissen musste, wann sie zu einem Ausflug aufbrechen oder zur Surfschule in El Palmar fahren würden sowie die Zeit, wann sie zurück sein würde, denn Charlie hatte Anrufe und Meetings mit Geschäftspartnern und Kunden. Dadurch konnte sie oft nicht mit zum Surfen, denn sie konnte nicht sicher sein, rechtzeitig für ihr Meeting wieder an einem Ort mit stabiler Internetverbindung zu sein, obwohl sie durchaus Zeit gehabt hätte für eine schöne, lange Surfsession. Ein Arbeitstag verlangt ein wenig Planung, ein Urlaubstag nicht.

Sich mit anderen Reisenden ein Zimmer zu teilen, war noch nie ein Problem für Charlie, doch in diesem Fall war es manchmal schwierig. Wenn sie arbeiten musste, würde sie früh aufstehen – früher als alle anderen (denn die waren ja im Urlaub). Das Licht in der Küche war per Zeitschaltuhr gesteuert und diese Uhr lief nach Urlaub, nicht nach Arbeit. Frühstück in einem dunklen Gemeinschaftsraum war eine neue Erfahrung. Charlie genoss die Ruhe am Morgen, auch wenn ihr Wecker den ein oder anderen aus dem Schlaf gerissen hatte.

Außerdem sind Hostelzimmer nicht für lange Aufenthalte gemacht.

Was Charlie daraus gelernt hat: Wenn ihr vorhabt, ein paar Wochen zu bleiben und von dort zu arbeiten, wählt ihr besser eine Art der Unterkunft, die ihr entweder für euch selbst habt (z.B. ein AirBnB) oder ein Co-Living, wo alle zum Arbeiten da sind. Sich ein Zimmer mit Leuten zu teilen, die im Urlaub sind, ist schwierig.

Sunset Surf

Die schönen Stunden genießen

Wenn Charlie reist, versucht sie immer, mit anderen ein Zimmer zu teilen. Schließlich lernt man so am besten Leute kennen, und sie machte einige außergewöhnliche Bekanntschaften im Laufe der Jahre. Auch für eine Workcation würde Charlie keine eigene Unterkunft buchen wollen. Wenn man sich die Unterkunft teilt, ergeben sich so viele Möglichkeiten. Unzählige Erlebnisse und Unterhaltungen wären wohl nie passiert, wenn Charlie sich auf ihren Reisen in einem Zimmer eingesperrt hätte. Außerdem braucht jemand, der seine Arbeit liebt, hin und wieder jemanden, der an den Feierabend erinnert.

Auf diese Weise hatte Charlie die beste Surfsession: Es war ein Mittwoch und Charlie war in einem Coffeeshop in Conil, um zu arbeiten. Fede, der im Hostel arbeitete, schrieb ihr, dass er zum Surfspot fahren würde und fragte, ob sie mitkommen wolle. Es war ein glücklicher Zufall, dass Charlie an diesem Tag keine Deadline hatte und ihre Arbeit auf den nächsten Tag verschoben werden konnte. Sie packte den Laptop ein, lief zum Hostel zurück und sie fuhren zum Fuente del Gallo. Die Bedingungen an diesem Tag waren perfekt für Charlies Surf-Niveau und sie hatten diesen beeindruckenden Spot vor den Klippen ganz für sich allein. Es war fast wie eine private Surfstunde für Charlie mit Fede und Irene, die beide in der Surfschule in El Palmar arbeiteten. Charlie hatte eine super Zeit und surfte wie nie zuvor. Als sie den Tag auf dem Dach des Vans bei einem Bier ausklingen ließen, hätte Charlie gar nicht dankbarer sein können, dass sie jemand dazu verleitet hatte, sich den Nachmittag freizunehmen.

Was Charlie daraus gelernt hat: Nehmt euch die Zeit, es zu genießen!

Eine Quelle der Inspiration

Während der ersten Wochen in Conil de la Frontera fühlte Charlie sich oft schuldig, dass sie zu viel Arbeit angenommen hatte und dass sie die anderen im Stich lassen würde für Sonnenaufgangs-Yoga am Strand oder Drinks am Abend. Einen Tag bevor Alberto nach Barcelona zurückkehren musste, sagte er etwas, dass Charlie nachdenklich machte. Er sagte, dass er neidisch wäre, weil sie einfach so nach Spanien reisen und so lange bleiben konnte wie sie wollte – darauf, dass sie auf ihre Weise lebte.

Oriol war ebenfalls im Gemeinschaftsraum und schloss sich der Konversation an. Er fragte Charlie, wie man im Digital Marketing Fuß fasste und wie man sich als Freiberufler so etablierte, dass man ortsunabhängig arbeiten konnte.

Auch wenn Charlie in jenen Tagen sehr viel zu tun hatte, den meisten Spaß verpasste, dauerhaft müde war und sich unglaublich ungesund ernährte, waren die anderen neidisch auf ihren Lifestyle. Denn sie war unabhängig. Denn sie konnte machen, was sie wollte. Denn sie hatte trotzdem eine schöne Sonnenbräune (ihr Laptop war ein wenig der Sonne ausgesetzt). Denn sie konnte in der Mittagspause surfen, stand-up-paddeln und skaten (anstelle von Mittagessen). Denn sie hatte ihr Spanisch verbessert und konnte mittlerweile mit den anderen lachen und herumalbern. Sie hatte es gut. Sie musste nur akzeptieren, dass alles seinen Preis hat, aber es lag vollständig in ihren Händen.

Zum Ende ihres Aufenthaltes machte jemand eine ähnliche Bemerkung. Sabina war einige Wochen nach Charlie angekommen und blieb ebenfalls etwas länger. Sie arbeitete in der Reisebranche, vor allem auf Yachten und Segelbooten und gönnte sich nach einem anstrengenden Sommer ein paar Wochen Urlaub. Ihr Beruf brachte sie ständig auf Reisen, aber sie wollte eine Veränderung. Am Ende ihres Aufenthaltes hatte sie entschieden, wieder zur Uni zu gehen und eine Ausbildung zu machen für einen Beruf, denn sie gerne und von überall aus würde machen können. Sie fragte Charlie nach ein paar Tipps bezüglich des Aufbaus eines Kundenstammes. Als Charlie sie fragte, wo dies plötzlich herkam, hörte sie Sabina sagen: „Dein Lifestyle hat mich inspiriert.“

Was Charlie daraus gelernt hat: Man weiß nie, welchen Einfluss man hat, wenn man seinen eigenen Weg geht.

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