Auf Entdeckungstour an der Westküste Portugals
Südwesten Alentejo und Vicentine Coast Natural Park
Nina, die andere Alleinreisende, die Charlie im Hostel in Faro kennengelernt hatte, hatte ihr von einem Tagesausflug an die Westküste Portugals erzählt. Nina hatte die Tour bereits für den Tag nach ihrer gemeinsamen Fahrt von Faro nach Lagos gebucht. Charlie hatte leider für diesen Tag schon andere Pläne und konnte sich nicht anschließen. Ihr Interesse an dem Ausflug aber war geweckt. Was sie schließlich überzeugte, die Tour zu buchen, war eine Sprachnachricht von Nina. Sie beschrieb den Ausflug als “das Beste, was sie je erlebt hat“. Ihre Stimme klang ganz aufgeregt und sie hatte Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden. Charlie war überzeugt, dass sie sich den Ausflug an die Westküste nicht entgehen lassen durfte!
Ausflugsplanung
Charlie kontaktierte T.J., den Guide von West Coast Lagos per E-Mail und erfragte die Verfügbarkeit für die folgende Woche. Die nächste Tour war für Mittwoch geplant und zum Glück passte es ganz genau in Charlies Kalender, denn es ging erst am Nachmittag los. Treffpunkt war eigentlich in Lagos, aber Charlie fragte, ob sie in der Nähe von Sagres zusteigen könnte. T.J. bot ihr an, sie in Vila do Bispo zu treffen und am Abend in Sagres abzusetzen. Sehr zuvorkommend! Charlie war positiv überrascht.
Am Mittwoch nahm sie den 12-Uhr-Bus nach Vila do Bispo. Die Fahrt dauerte nur 15 Minuten. Das Treffen war erst um 1, also hatte sie in Vila do Bispo Zeit für einen Kaffee. T.J. war genau um 1 da und hatte in seinem Van 6 weitere Reisende: Allison war aus Brüssel, Dan aus Chicago, Bonnie und Dave aus Kalifornien und Katie und CJ aus Boston.
Sie setzen sich auf dem Dorfplatz, der einem kleinen Park ähnelte, in Vila do Bispo auf den Boden, um sich einander vorzustellen und den Plan für den Nachmittag zu besprechen. Dann stiegen sie wieder in den Van und fuhren weiter an die Westküste.
Vicentine Coast Natural Park und Cabo de São Vicente
Sie würden an der Küste des Naturparks Südwesten Alentejo und Vicentine Coast Natural Park entlang laufen. Der Ausflug begann in der Nähe Kaps Cabo de São Vicente, das auch als „Ende der Welt“ bezeichnet wird, denn es ist der südwestlichste Punkt des europäischen Festlandes. Sie parkten den Van am Turm Torre da Aspa, von wo aus sie einen perfekten Ausblick auf den Leuchtturm am Kap hatten. Zunächst aber wanderten sie in entgegengesetzter Richtung, nach Norden.
Der erste Teil war eher ein Spaziergang. Es gab einen richtigen Weg und sie kamen an einem verlassenen Gebäude an. Das Haus war einst ein Stützpunkt für die Küstenwache und nun komplett mit Graffiti besprüht. Von dort aus hatte man einen ungetrübten Blick auf den Strand Praia do Castelejo und die klaren Linien, die die Wellen verursachten, die die Küste erreichten.
(K)ein normaler Wanderausflug an die Westküste
Von dort aus verließen sie die vorgeformten Wege und folgten den Spuren von Fischern, die an den Felsen nach Krebsen suchen. Der erste Teil war eine Art Treppe, die in die Klippen gehauen war. Sie liefen vorsichtig hinab und kamen am Strand Praia da Águia vorbei. Sie hielten regelmäßig an, damit T.J. nähere Informationen zu bestimmten geographischen Formierungen geben oder einfach über Flora und Fauna des Naturparks sprechen konnte.
Von dort aus wurde die Wanderung anspruchsvoller und wurde zu einer richtigen Kraxel-Tour. Sie liefen an den Klippen entlang und wurden mit atemberaubenden Ausblicken belohnt. Der Boden wurde mit jeder Minute unebener und sie spürten, wie das Adrenalin anstieg. Es war ein richtiges Abenteuer und kein Ausflug, den Charlie auf eigene Faust gemacht hätte. Als sie die höchste Klippe in diesem Teil der Küste erreicht hatten, war es an der Zeit, zum Van zurückzukehren. Schließlich waren sie ja mit dem Sonnenuntergang verabredet.
Abendessen bei Sonnenuntergang
Nach der Kraxel-Tour an felsigen Klippen war es schon fast an der Zeit für den Sonnenuntergang. An der Küste entlang fuhren sie ein Stück weiter gen Süden in Richtung des Leuchtturms am Cabo de São Vicente. Sie kamen am Strand Praia do Telheiro vorbei und sahen einen einzigen Surfer im Wasser. Der Ozean bot ordentlich Wellen an. Es war auf keinen Fall für Anfänger gedacht. Dieser Strand ist nur schwer zu erreichen, weshalb dort auch nur ein Surfer im Wasser war. Die Gruppe stand oberhalb des Strandes an den Klippen und hatte einen Rundum-Ausblick. Am Horizont sah man, wie die Wellen heranrollten. Die Strände an dieser Küste sind scheinbar alle nur schwer erreichbar und es gibt kaum Infrastruktur. An der Südwestküste Portugals zu surfen, wäre sicher eine tolle Erfahrung, erfordert aber einiges an Planung und viel Sinn für Abenteuer im Freien.
Leider waren am Horizont Wolken aufgezogen und die Sonne war verdeckt. Einen Sonnenuntergang konnte man an diesem Tag nicht sehen. Zum Glück hatte Charlie an den Tagen zuvor am Strand von Sagres den Sonnenuntergang festgehalten.
T.J. hatte für alle das Abendessen vorbereitet und bereitete ein Picknick aus. Er war ursprünglich aus Minnesota, lebte aber schon seit ungefähr 10 Jahren an der Algarve. Das Essen, was er zubereitet hatte, war stark von der lokalen Küche beeinflusst: Wein aus dem Alentejo, Ziegenkäse und Honig, geröstete Süßkartoffeln, Hummus aus sonnengetrockneten Tomaten, Feigen und Chourico. Letzteres wurde Frisch gegrillt und erinnerte Charlie an die Chorizo, die zu einer Tapas-Nacht in Gran Canaria gehörte. Alles wurde auf Brotscheiben serviert, die die Teller ersetzten. T.J. hatte die Weingläser vergessen (was ihm sehr leid tat), also tranken sie den Wein aus ihren leeren Wasserflaschen. Es gehörte alles zum Abenteuer dazu!
Das Sonnenuntergangs-Abendessen (auch ohne Sonnenuntergang) war der perfekte Abschluss eines perfekten Ausflugs an die Westküste der Algarve. Sie fuhren nach Lagos zurück und setzten Charlie in Sagres ab.