Golfito
Weniger Tourismus, mehr Natur im Süden Costa Ricas
Je weiter man an der Pazifikküste in Costa Rica gen Süden reist, desto weniger touristisch wird es. Charlies Aufenthalt in Uvita war bereits wie eine Pause von überfüllten Orten, Golfito war in der Hinsicht noch besser. Es gibt zwei Nationalparks in der Nähe: Corcovado und Piedras Blancas. Leider sind in der Gegend so wenig Touristen, dass es keine Ausflüge gibt, bei denen man sich als Alleinreisender einfach anschließen könnte. Für Tagesausflüge in den Corcovado Nationalpark kommt man am besten in Puerto Jimenez oder Drake Bay unter. Als Charlie das herausfand, war es bereits zu spät. Sie hatte schon eine Unterkunft in Golfito gebucht. Sie hatte diesen Ort gewählt, da sie von dort für das Surfcamp in Pavones abgeholt werden würde. Dort würde sie nach ihrer Yoga-Ausbildung noch eine Woche verbringen.
Es war am Ende nicht so schlimm, denn von Golfito aus kann man auch zu Fuß viele Orte erreichen, die unglaubliche Natur bieten. Dafür muss man gar nicht unbedingt in einen der Nationalparks. Da es dort weniger Touristen gibt, kann man auch wesentlich mehr Tiere sehen. Mehr als einmal sah Charlie Papageien, mehrere Tukane und so viele Kolibris, dass es fast schon langweilig war, einen weiteren zu erspähen. Sie hatte auch Glück, ein Faultier zu sehen, dass den Baum herunterkletterte. Sie sah auch Affen, was gar nicht mehr so besonders war, da sie schon in anderen Teilen Costa Ricas viele gesehen hatte, zum Beispiel bei ihrem Spaziergang zum Aussichtspunkt in Jacó, in Tamarindo und in La Fortuna.
Die Stadt Golfito
Der Name der Stadt Golfito stammt von der Bucht, an der sie liegt, dem Golfo Dulce. Von daher ist Fischerei die Haupteinnahmequelle in dieser Gegend und man sieht am Ortseingang von Golfito und bis zum Hafen viele kleine Fischrestaurants. Die Stadt erstreckt sich entlang der Straße über mehrere Kilometer mit Häusern zu beiden Seiten, aber auch großen Abständen dazwischen. Betrachtet man die Anzahl der Häuser, dann ist es keine große Stadt, läuft man aber zu Fuß vom einen Ende zum anderen, braucht man mehr als eine Stunde, denn es erstreckt sich an der gesamten Bucht entlang. Es gibt ein recht großes Krankenhaus und Gebäude der Universität am Ortsende.
Es fährt regelmäßig ein Bus nach Ciudad Neilly und man bekommt auch einfach ein Taxi. Die offiziellen Taxen sind dunkelrot und man kann sie in Golfito ohne Bedenken heranwinken. Zumindest fühlte sich Charlie nie unsicher, wenn sie dort ein Taxi nahm. Sie kam mit dem Bus aus Golfito an. Die Busgesellschaft ist Tracopa. Es gibt auch einen kleinen Flughafen in Golfito. Er ist sehr klein. Es ist nur ein Gebäude und man sieht die Landebahn von einer Eckkneipe an der Straße gegenüber. Es erinnert mehr an einen Hubschrauberlandeplatz als an einen Flughafen. Es gibt täglich 2 bis 3 Flüge von und nach San José mit Sansa Airlines. Der Flug ist etwas teurer (150-200 Dollar, 1 Stunde), aber wesentlich schneller als der Bus in die Hauptstadt (17 Dollar, 9 Stunden).
Es gibt ein paar kleine Pensionen und Hotels, aber nicht viele und es gibt ein Souvenirgeschäft in der Nähe des Hafens, das mehr an einen Garagenverkauf erinnert als an ein richtiges Geschäft. Die Authentizität und die Natur machen den Charme Golfitos aus.
Refugio Nacional de Fauna Silvestre Golfito
Ungefähr 800m hinter dem Flughafen (man läuft an der Landebahn vorbei) ist ein Naturreservat mit zwei Rundwanderwegen, die man allein ablaufen kann. Alle Informationen bekommt ihr an der Ranger-Station am Eingang. Man muss 11,50 Dollar Eintritt bezahlen. Charlie war dort völlig allein, was manchmal ganz schön gruselig war, denn man sieht und hört die wilden Tiere. Sie wurde ein paar Mal von Schlangen auf dem Weg erschrocken. Es ist ein schöner Rundwanderweg, der an einem Wasserfall vorbeiführt. Es war der einzige Wasserfall in Costa Rica, den Charlie direkt berühren und darunter stehen konnte. Alle anderen waren entweder durch einen Zaun abgesperrt, um Touristen fernzuhalten, oder bildeten ein großes Becken und waren zu kräftig, um sich direkt zu nähern.
Charlie brauchte für die Wanderung ungefähr eine Stunde mit regelmäßigen Foto-Pausen. Sie war froh, ihre Wanderschuhe angezogen zu haben. Es gibt einen offiziellen Weg, aber durch den starken Regen erodiert er schnell und man muss auch einen kleinen Fluss mehrere Male überqueren. Es war für Charlie die schönste Wanderung in Costa Rica, weil es so authentisch und überhaupt nicht touristisch war.
Charlie erkundigte sich auch nach anderen Wanderwegen im Piedras Blancas Nationalpark, aber der Ranger war sehr zögerlich mit Informationen, denn er war um Charlies Sicherheit besorgt. Er betonte mehrfach, dass man nicht allein in den Nationalpark gehen sollte.
Aussichtspunkte in der Nähe von Golfito
Auf einer Seite der Straße in Golfito ist die Bucht, auf der anderen sind mit Regenwald bedeckte Berge. Google Maps zeigte zwei Aussichtspunkte, miradores, entlang der Straße, die von Golfito in die Berge führt. Dazu muss man sagen, dass die Straße eher ein breiter Weg ist und man mit einem Geländewagen definitiv eine gute Entscheidung trifft, wenn man dort hoch fahren will. Charlie nahm sich ein Taxi zum Ortseingang von Golfito, dem sogenannten „KM 3“, und lief von dort aus noch oben in die Berge. Bis zum ersten Aussichtspunkt sind es ungefähr 2,5 Kilometer und es geht stetig bergauf. Auch hier sind Wanderschuhe wieder empfehlenswert, mit Turnschuhen geht es aber auch. Der Anstieg und das tropische Klima machen diese Wanderung recht anspruchsvoll. Es ist aber die Mühe wert. Von oben hat man einen herrlichen Ausblick über die gesamte Bucht und die Osa-Halbinsel. Als Charlie gerade oben war, war gerade Ebbe und sie erspähte sogar ein paar Strände in der Ferne, die bei Flut verschwanden. Sie bemerkte auch Boote verschiedener Größe, die die Bucht überquerten.
An einem der Bäume war ein Schild, das besagte, dass es am nächsten Aussichtspunkt, Mirador Las Torres Donde Jovita, Essen und Trinken gäbe. Das war sowieso der Aussichtspunkt, zu dem Charlie wollte und wenn es dort einen Imbiss gab, dann war das noch besser. Das Schild besagte zudem, dass es bis dahin noch 5 Kilometer seien. Zumindest ging es jetzt nicht mehr bergauf. Charlie war im April dort zu Beginn der Regenzeit und sie würde auch gleich merken, wie sich ein tropischer Regen anfühlte. Es spielte keine Rolle, die Wanderung war die Mühe wert. Trotz des Regens sah sie recht viele Tiere.
Tiere des Regenwaldes
Zuerst sah sie Affen, die in den Bäumen tobten. Dann hörte sie Tukane und entdeckte sie hoch oben in den Ästen. Es war eine nette Geste des Faultieres, beim Abstieg vom Baum ein paar Äste fallen zu lassen. Ansonsten hätte Charlie gar nicht nach oben geschaut und das Schauspiel verpasst. Das Faultier kletterte an einem Ast herunter und auf der anderen Seite am gleichen Baum wieder hinauf, natürlich ganz langsam. Schnelle Bewegungen liegen nicht in seiner Natur.
Auf dem Rückweg sah Charlie noch weitere Affen und sie waren sogar recht neugierig. Das war ein Zeichen, dass hier nicht oft Touristen vorbeikamen. Einer der Affen saß völlig still und starrte Charlie eine Weile an. Es wäre das perfekte Foto gewesen, wenn Charlies Kamera nicht kaputt gewesen wäre.
Der höchste Aussichtspunkt
Charlie brauchte insgesamt 2,5 Stunden von Golfito zum Mirador Las Torres donde Jovita. Sie war die ganze Zeit über allein und sah nur ein paar unbewohnte Farmhäuser, bis sie plötzlich von Hühnern und bellenden Hunden begrüßt wurde. Sie sah ein älteres Pärchen und ein Schild auf dem stand: „Snacks und Erfrischungsgetränke“. Laut Google Maps war das der Aussichtspunkt, zu dem sie wollte. Ein privates Wohnhaus hatte sie dort nicht erwartet. Der Aussichtspunkt war auf dem Privatgelände und ähnelte einem Stahlgerüst. Wenn man es betreten wollte, kostete das 1000 Colones (ungefähr 2€). Der Besitzer bot Charlie an, Fotos zu machen und gab ihr auch Tipps für Posen für die Bilder.
Anschließend betrat Charlie das Haus und fragte, was es denn für Snacks gäbe. Die Dame bot ihr ein hausgemachtes Casado und Charlie nahm an einem der Tische auf der Terrasse Platz. Sie bekam einen großen Teller mit Reis, Bohnen, Gemüse, Fisch, Ei und eine frisch geerntete Banane als Dessert für insgesamt 3000 Colones (ungefähr 5€). Gut genährt konnte sie nun den Rückweg nach Golfito antreten.
Sie beschloss an der Bucht und am Hafen entlang zu laufen, anstelle sich ein Taxi zum Hotel zu nehmen. Zum zweiten Mal an diesem Tag wurde sie komplett von tropischem Regen durchnässt. Es machte ihr nichts aus. Es war warm und sie genoss den Spaziergang.
Andere Aktivitäten in Golfito
Wenn man als Alleinreisender in Golfito ist, kommt man nur schwer an geführte Touren. Charlie sah ein Angebot für einen Angelausflug und zum Tauchen in der Nähe des Hafens und sie sah ein Angebot für einen Fahrradverleih. Das war es aber auch schon.
Vom Hafen aus kann man auch einen Bootsausflug in die Bucht machen, aber Charlie erkundigte sich nicht weiter danach, denn sie wusste, dass sie in der Woche darauf mit dem Surfcamp in Pavones einen solchen Ausflug machen würde. Einer der Taxifahrer erwähnte auch einen Spaziergang zu einem Strand in der Nähe. Das muss der Strand sein, den Charlie vom ersten Aussichtspunkt gesehen hatte.