Envision Festival in Costa Rica
Eintauchen in eine andere Welt in Costa Rica
Es waren vor allem zwei Dinge, die Charlies Interesse an Envision erweckten: verschiedene Arten an Yoga und ein Surfspot in unmittelbarer Nähe. Sie wollte sich dieses 7-tägige Abenteuer im Dschungel nicht entgehen lassen.
Yoga und andere Workshops
Der Hauptgrund, warum Charlie zum Envision Festival wollte, war Yoga. Es war eine tolle Möglichkeit, verschiedene Arten an Yoga auszuprobieren und Charlie wurde nicht enttäuscht. Von Acro Yoga bis Kundalini und Tantra und zu Yin Yoga, gab es keinen Stil, der bei Envision nicht vertreten war. Was Charlie aber nicht bedacht hatte waren die Temperaturen um die Mittagszeit. Sie nahm an einer Kundalini-Klasse zu dieser Tageszeit teil und es war viel zu heiß, um es zu genießen. Von da an nahm sie nur noch an Kursen am Morgen oder am Abend teil, wenn die Temperaturen erträglicher waren.
Es gab auch andere Workshops, die mit körperlicher Betätigung einhergingen, zum Beispiel Brasilianischer Zouk und Qi-Gong sowie auch Ekstatischer Tanz und verschiedene Arten von Atemübungen.
Auf jeden Fall solltet ihr eine Yogamatte mitbringen.
Surfen beim Envision Festival
Das Festival ist ganz nah am Strand Playa Hermosa in Uvita und somit die perfekte Gelegenheit zum Surfen. Es ist ein Beachbreak, der bei Flut die besten Wellen bietet. Man kann sein eigenes Surfbrett aufs Festival bringen oder kann sich für 30 USD pro Stunde eins ausleihen. Es werden auch Surfstunden angeboten. Von Surfbrett-Stand bei Envision sind es ungefähr drei Minuten bis zum Strand. Es gehört nicht offiziell zum Festival, aber man sieht viele Straßenverkäufer am Weg zum Strand. Auf dem Festival selbst braucht man kein Bargeld, wenn ihr am Strand Obst oder Souvenirs kaufen wollt, solltet ihr aber etwas Geld dabei haben.
Zum Sonnenuntergang gehen viele Leute vom Festival an den Strand, um Feuershows, Livemusik und natürlich die untergehende Sonne zu sehen.


Musik beim Envision Festival
Envision ist kein typisches Musikfestival, es geht um viel mehr als Musik. Natürlich kann Musik trotzdem der Grund sein, warum man dieses Festival besucht. Das musikalische Angebot ist sehr vielfältig und es ist für jeden etwas dabei. Es gibt Bühnen für kleinere, Acoustic-Konzerte, größere Bühnen für jegliche Form des musikalischen Ausdrucks und drei große Bühnen, wo man zu elektronischer Musik die ganze Nacht durchfeiern kann.
Charlie verbrachte die meiste Zeit am Village Stage und genoss vor allem die Acoustic-Sessions von Singer-Songwriter DrewLaPlante. Wenn sie eine Pause brauchte, ging sie zur Bühne von High Vibe Records. Dort gab es immer etwas sanftere Töne und Sofas!
Später in der Nacht ging sie zum Luna Stage. Dort gab es manchmal Reggae oder experimentelle elektronische Musik zum Tanzen.
Vorträge beim Envision Festival
Tagsüber waren auf den meisten Bühnen Vorträge und Gesprächsrunden zu verschiedenen Themen von Nachhaltigkeit und Klimawandel, Geschäftsideen, Kräuterheilkunde sowie Erwachsenen-Themen. Die Letzteren waren teilweise nur für Frauen.
Charlie war am liebsten am heiligen Feuer, wo Vorträge und Zeremonien der Indigenen durchgeführt wurden. Anwesend waren Häuptlinge der Bri Bri und Boruca sowie auch der Ngöbe und der Ome Tlanezi in Mexiko. Sie sprachen zum Beispiel über Geschlechterrollen in ihren Kulturen, das Verhältnis zu Wasser, Kräuterheilkunde und ihre Kosmovision. Charlie erlebte auch eine Kakao-Zeremonie der Bri Bri und eine Chicha-Zeremonie der Boruca.
Kunst beim Envision Festival
Im Laufe der Woche bemerkte Charlie mehr und mehr Gemälde und Wandbilder in verschiedenen Ecken des Festivalgeländes. Künstler malten in Live-Aufführungen und es gab auch eine Kunstgalerie.
Verpflegung beim Envision Festival
Auf dem Festivalgelände gibt es mehrere Stände, die von Pizza bis Thai-Nudeln alles anbieten. Die Preise sind eine andere Sache. Wenn ihr wie Charlie die ganze Woche bei Envision seid, bringt ihr besser viele Snacks mit. Die sollten einzeln verpackt sein, damit ihr kein Ungeziefer ins Zelt lockt.
Unterkunft bei Envision
Wenn man an ein Festival denkt, dann ist Camping auch nicht weit entfernt. Auch bei Envision ist das die verbreitetste Form der Unterkunft. Man kann sein eigenes Zelt mitbringen oder das “Ready Set Camp“ buchen, bei dem alles zur Verfügung gestellt wird. Charlie hatte das gebucht, weil sie nicht die ganze Reise über ein Zelt herumtragen wollte. Das Zelt war wirklich “ready set” und es war alles da, was man braucht: Eine Matratze für zwei Personen, zwei Kissen, eine leichte Decke und ein Campingstuhl. Das Zelt war recht geräumig und definitiv größer als das Zelt, indem Charlie sonst schläft.

Es gibt auch die Option für VIP-Camping und dieses Zelt ist eher wie ein Zimmer für zwei Personen. Es ist nicht wirklich ein Zimmer, aber es fühlt sich so an. Man kann darin aufrecht stehen, hat Licht und einen Ventilator, Regale und eine dickere Matratze.
Die dritte Art der Unterkunft ist eine Cabana. Es ist ein kleines Haus am Rande des Festivalgeländes, das man sich mit mehreren Leuten teilt.
Die vierte Unterkunftsmöglichkeit ist ein Zimmer oder AirBnB in Uvita. Am Eingang zu Envision sind Taxen verfügbar, sodass man einfach hin und zurück kommt. Nach acht Nächten im Zelt erschien Charlie diese Option sehr ansprechend. Sie wollte nicht hin und zurück fahren, aber der Gedanke eines richtigen Badezimmers mit Dusche, einer Klimaanlage und einem richtigen Bett klang einfach traumhaft. Zudem spart man eine Menge Geld, wenn man ein Küche hat und nicht alle Mahlzeiten bei Envision kaufen muss.
Anreise zum Envision Festival
Das Envision Festival findet auf einer Pferderanch außerhalb der Stadt Uvita statt. Es gibt einen offiziellen Shuttle vom Flughafen in San José. Das ist die einfachste und sicherste Option. Die Alternative ist ein Reisebus mit Tracopa nach Uvita und von dort ein Bus oder Taxi zum Festivaleingang.
Eine weitere Option ist ein Flug nach Quepos. Der Flughafen liegt ungefähr eine Stunde nördlich von Uvita und man muss dann ein Taxi oder einen Bus nehmen, um zum Festival zu kommen.
Natürlich kann man auch selbst fahren. Parkplätze sind bei Envision vorhanden.
Kleidung beim Envision Festival
Man könnte es so zusammenfassen: Weniger ist mehr. Es gibt nur eine Regel, die das Festival vorgibt: nicht nackt! Abgesehen davon ist alles erlaubt. Im März ist es in Costa Rica sehr heiß und die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch. Am besten trägt man Badesachen und das machen auch die meisten Gäste. Man sieht auch viele kurze Hosen, Röcke oder Sommerkleider. Charlie hatte generell den Eindruck, dass die Festival-Kleidung nicht viel Stoff beinhaltet. Das geht soweit, dass einige Leute nur eine Bikinihose tragen und Sticker auf den Brustwarzen.
Es gibt keine Regel, tragt einfach, worin ihr euch wohlfühlt. Man sollte bedenken, dass alles, was man bringt, sehr wahrscheinlich dreckig und verschwitzt wird. Wenn ihr beim Yoga mitmachen oder Surfen gehen wollt, solltet ihr auch an Kleidung für diese Aktivitäten denken.
Internet bei Envision
Man kann für die Dauer des Festivals ein Wlan-Paket kaufen. Charlie hatte eine Sim-Karte von Liberty und hatte eine gute Verbindung auf dem Festivalgelände. Das Signal war manchmal für eine Weile weg, funktionierte aber insgesamt gut.
Packliste fürs Envision Festival
Abgesehen von den Dingen, die ihr sowieso für eine Reise braucht, gibt es ein paar Sachen, die man beim Envision Festival dabei haben möchte:
- Yogamatte
- Kleines Handtuch für Schweiß
- Insektenschutzspray
- Kopflampe
- Fächer
- Sonnencreme
- Feuchte Tücher
- Toilettenpapier
- Befüllbare Wasserflasche (und etwas, worin ihr sie herumtragen könnt)
- Bauchtasche oder kleinen Rucksack
Auf dem Festivalgelände gibt es auch einen Stand, an dem ihr alles bekommt, was ihr vergessen habt. Macht euch also nicht zu sehr einen Kopf. Alles, was man an Kosmetik mitbringt, vor allem Duschgel und Shampoo, sollte biologisch abbaubar sein. Schaut euch am besten auch die generelle Packliste für Costa Rica an.

Das Kleingedruckte
Envision wurde mit guten Absichten ins Leben gerufen und stützt sich noch immer auf Nachhaltigkeit, Bildung und Gesundheit. Allerdings gab es auch ein paar Dinge, durch die man schnell dem Kapitalismus und der Kommerzialisierung zum Opfer fallen könnte.
Buchungsgebühren
Charlie wurde zum ersten Mal nachdenklich als sie ihr Ticket online buchte und die enormen Gebühren sah, die zum Preis hinzukamen. Sie hatte gleich zu Beginn auch das Camping-Paket gebucht. Ungefähr zwei Monate vor dem Festival bekam Charlie eine E-Mail, die über Themencamps informierte. Das las sich gut. Allerdings gab es keine Möglichkeit, das Camping-Paket gegen ein anderes einzutauschen. Sie hätte das Themencamp buchen müssen und dann für das andere Paket eine Rückerstattung erfragen müssen. Das wäre ja okay gewesen, wenn da nicht die Buchungsgebühren gewesen wären. Sie behielt lieber das Paket, das bereits bezahlt war.
Duschen
Zum zweiten Mal nachdenklich wurde Charlie als ihre Sitznachbarin im Shuttle-Bus erwähnte: „Ich glaube, für eine Dusche muss man 10 Dollar bezahlen.“ Diese Information war Charlie bisher entgangen und sie hatte das „Ready Set Camp“ gebucht. Wenn man acht Nächte Camping bucht (und ein paar Hundert dafür bezahlt), geht man davon aus, dass eine Dusche pro Tag inbegriffen ist. Oder etwa nicht? Es stellte sich heraus, dass ihre Nachbarin zum Teil Recht hatte: Man musste für die Duschen extra bezahlen, aber nur 9 Dollar. Schnäppchen!
Verpflegung
Dass Essen und Getränke bei einem Festival teuer sind, ist keine Überraschung, die Preise bei Envision aber waren höher als erwartet. Wenn ihr bei Envision zeltet und drei Mahlzeiten am Tag und einen Kaffee am Morgen möchtet, solltet ihr pro Tag durchschnittlich 80 Dollar einplanen.
Man kann eigenes Geschirr mitbringen oder an den Ständen Tasse und Teller bekommen. Für Letzteres zahlt ihr 5 Dollar und ihr bekommt einen Voucher, wenn ihr die Tasse oder den Teller in der sogenannten Dishcoteca abgebt. Dort wird alles abgewaschen. Mit dem Voucher bekommt ihr dann eine neue Tasse oder Teller, wenn ihr Essen kauft. Das ist soweit alles okay, wenn die 5 Dollar nicht als Pfand ausgewiesen worden wären. Man hatte die Erwartung, das Geld am Ende der Woche zurückzubekommen. In Wahrheit ist es eine Gebühr, die man dafür zahlt, nicht abwaschen zu müssen. Das ist auch okay, aber, es als Pfand auszuschreiben, ist nicht okay! Charlie traf ein paar Leute, die es anfangs nicht verstanden und die 5 Dollar mehrfach bezahlten und davon ausgingen, dass sie es zurückbekommen würden.
Alle Bezahlvorgänge bei Envision laufen über einen RFID-Chip am Armband, den man mit der Bankkarte verbindet. Die Verkäufer nutzen ihre Handys, um den Wert einzugeben und dann scannt man den Chip. Bevor man die Zahlung bestätigt, wird einem das Handy vorgehalten mit Trinkgeldoptionen. Es gibt drei Optionen und darunter steht ganz klein “Other“. Wenn man kein Trinkgeld geben möchte, muss man auf „Other“ klicken und dann den Wert Null eingeben. Die Art und Weise, wie das gemacht ist, sind dafür gedacht, immer Trinkgeld zu geben, da dies die einzigen Optionen sind, die man sofort sieht. Es ist nichts falsch daran, demjenigen, der Essen und Getränke zubereitet, Trinkgeld zu geben, aber es fühlte sich eher so an, als müsste man jeder Bestellung eine weitere Buchungsgebühr hinzufügen.
Surfboard-Verleih
Am ersten Tag von Envision lief Charlie am Strand entlang zu dem Parkplatz, an dem man in Uvita immer ein Surfbrett ausleihen kann. Sie zahlte 10 Dollar und ging zwei Stunden surfen.
Als sie am nächsten Tag wiederkam, war der Stand leergeräumt. Man konnte am Playa Hermosa kein Surfbrett mehr ausleihen. Alle Boards waren nun auf dem Festivalgelände und man konnte sie nur für 30 Dollar pro Stunde ausleihen. Das ist das sechsfache des normalen Preises! Charlie kann nur hoffen, dass die Surfshops vor Ort etwas von dem Geld sehen.
Etwas zum Nachdenken
Auf dem Festivalgelände gibt es Bereiche, die als frei von jeglichen Substanzen ausgewiesen sind und es gibt auch einen Treffpunkt für diejenigen, die die Woche bewusst nüchtern verbringen wollen. Das klingt in der Theorie ganz gut, in Wahrheit aber hat man auf dem Weg zum Strand mehrfach die Möglichkeit, Drogen zu kaufen, ohne dass man überhaupt danach sucht. Die Verkäufer verstecken nicht einmal, was sie da vor den Toren von Envision verkaufen. Der Gedanke, dass Envision drogenfrei sei, ist eine Illusion der Naiven. Charlie unterhielt sich mit Courtney von ihrer Yoga-Ausbildung in Uvita darüber und es hat ihr die Augen geöffnet. Courtney verbrachte Jahre damit, Kinder von der Straße und von Drogen wegzuholen. Das alljährliche Festival in der Nähe von Uvita jedoch ist eine Einladung, die Drogenkultur in der Gegend wieder aufleben zu lassen.
Die Unterhaltungen mit den Indigenen beim Envision Festival warfen noch weitere Fragen auf zu Dingen, die sich in letzter Zeit starker Verbreitung erfreuen: Kakao-Zeremonien, Temazcal-Sitzungen und Ayahuasca-Retreats.
Während der Kakao-Zeremonie mit den Bri Bri sprach der Älteste, Abuelo Marcelino, darüber, dass nur die Älteren die Berechtigung der Götter haben, eine solche Zeremonie durchzuführen. Er sagte sehr deutlich, dass heutzutage viele Kakao-Zeremonien von Leuten durchgeführt werden, die keine Berechtigung dazu haben. Das machte Charlie nachdenklich.
Christopher Norris lebt mit den Indigenen und züchtet bestimmte Pflanzenarten, um deren Erhalt zu garantieren. Er fügte einen weiteren Aspekt hinzu: Peyote, ein halluzinogener Kaktus, ist fast ausgestorben und braucht lange Zeit, um zu wachsen. Die weitere Verbreitung von Ayahuasca-Retreats ist dabei nicht förderlich. Anstelle von Ayahuasca als Wochenendausflug, sollte man sich auf den ursprünglichen Zweck besinnen, dem eines Heilmittels. Was wollen Retreat-Gäste heilen?
Vielleicht sollten bestimmte Traditionen nicht kommerzialisiert, sondern an die Kulturen zurückgegeben werden, die sie historisch praktizierten?
Abschließende Gedanken
Envision war eine tolle Erfahrung und Charlie bereut nicht, daran teilgenommen zu haben. Es ist ein einzigartiges Ereignis kulturellen Austauschs, das jeder mitmachen und mit anderen teilen sollte. Auf einem Festival wie Envision ist keine Erfahrung wie die andere. Das Programm ist so vielfältig, dass für jeden etwas dabei ist, von Yoga bis Rave.
Für Charlie aber ist es eine einmalige Erfahrung. Die kommerzielle Seite eines Festivals, das von Jahr zu Jahr größer wird, steht deutlich im Widerspruch zu dem, was Envision ursprünglich sein wollte. Charlie hofft, dass die regionale Wirtschaft, vor allem Gastronomie und Surfshops, auch ein wenig von den Umsätzen des Festivals profitieren.