Alfama – Das ursprüngliche Lissabon entdecken
Außerhalb der Stadtmauern und doch so nah
Bevor Charlie für die Meo Pro Portugal nach Peniche gefahren war, hatte sie einen Tag in Lissabon verbracht. Es war genau ausreichend Zeit für einen Stadtrundgang in Lissabon and einen Ausflug zur Christus Statue. Während des Rundgangs hatte sie von anderen Ausflügen in die Stadtviertel Alfama und Belem erfahren. Charlie wollte diese Orte auch gerne sehen, aber sie hatte einfach nicht genug Zeit.
Der Surfwettbewerb in Peniche war nach nur 5 Tagen vorbei gewesen und das Wetter ließ sehr zu wünschen übrig. Peniche ist ein kleines Fischerdorf und außer Surfen konnte man dort nicht viel machen. Um zum Surfspot zu kommen, musste Charlie vom Hostel aus 30 Minuten Fahrrad fahren. Das wäre auch okay gewesen, wenn es nicht geregnet hätte und sehr windig gewesen wäre. Charlie fühlte sich dort nicht wohl und beschloss ein paar Tage früher nach Lissabon zurückzufahren.
Verregneter Rundgang
In Lissabon regnete es auch, aber zumindest war es nicht so windig und etwas wärmer als in Peniche. Der Alfama-Rundgang begann um 14.30 Uhr am Praça do Comercio. Es regnete und regnete und regnete. Es waren nur drei Teilnehmer da und eigentlich war das Minimum 4. Rita machte den Rundgang trotzdem und sie liefen im Regen in Richtung Burg. Der Vorteil war, dass es überall leer war. Sie hatten alle Sehenswürdigkeiten für sich.
Das Viertel um die Burg
Der Rundgang begann im Viertel um die Burg von Lissabon, die Castelo S. Jorge, und die Gruppe erfuhr, wo die Tradition der gefliesten Fassaden herkam sowie die Geschichte des Heiligen Antonio. Rita erzählte ihnen, dass es jedes Jahr im Juni eine große Feier zu Ehren des Heiligen gab. Sie dauert den gesamten Monat an und alle Häuser werden hübsch dekoriert. Es gibt überall kleine Stände, wo man Wein, Bier und Sardinen kaufen kann. Einige der Häuser waren noch vom letzten Jahr dekoriert.
Rund um die Burg sieht und hört man Pfauen. Die Gruppe entdeckten einen davon hoch oben auf einem Balkon. Das muss eine Überraschung für den Bewohner sein, wenn plötzlich ein Pfau zum Fenster hereinschaut.
Rita wies auf eine weitere Besonderheit dieser Häuser hin. Ein jedes hatte in der Nähe der Tür den Boden einer Glasflasche in die Wand eingelassen. Sie ließ die Gruppe raten, wofür das sein könnte. Charlie und die anderen fanden es nicht heraus. Rita zeigte es ihnen: Es war eine Halterung für einen Stock, über den Wäscheleinen verbunden waren. Obwohl es an diesem Tag regnete, hing überall in den Straßen Wäsche. Rita erklärte, dass die Häuser zu klein waren, um Wäsche drinnen aufzuhängen. Es gab keine andere Möglichkeit, als es draußen aufzuhängen.
Sie gingen zu einem anderen Ort, der ebenfalls ein Aussichtspunkt sein könnte. Allerdings war es ein Kinderspielplatz. Einen guten Ausblick über Alfama hatte man aber trotzdem. Es ist das älteste Viertel der Stadt und der Ort, den die Gruppe als nächstes besuchen würde. Zuerst aber führte Rita sie etwas von der Route ab, da die Gruppe gefragt hatte, wo man Überreste aus der Römischen Zeit und Graffiti sehen konnte.
Ein Amphitheater und urbane Kunst
Nicht weit von dem Ort, wo sie waren, war eine archäologische Stätte, wo man die Überreste eines Römischen Amphitheaters sehen konnte, dass nach und nach freigelegt wurde. Direkt daneben waren Graffiti, die das Thema des antiken Roms wieder aufgriffen und in moderne Kunst umwandelten. Rita führte sie noch zu einer anderen Stelle, wo ein Kunstwerk von Vhils war. Das war etwas ganz Besonderes, denn es war eine Kombination aus Sprühfarbe und Gravuren, die ein Gesicht formten. Charlie war beeindruckt. Sie hatte auch versucht, einen Rundgang für Straßenkunst zu buchen, aber es gab an diesem Wochenende keinen. Sie fragte Rita nach ein paar Empfehlungen und würde wohl ihre eigene Street-Art-Route in Lissabon finden müssen.
Der Eingang ins Viertel Alfama war auch durch Graffiti markiert. Er lag unter einem historischen Rundbogen in der alten Stadtmauer aus dem 7. Jahrhundert. Auf der Innenseite des Bogens war die Geschichte Lissabons dargestellt. Es sah wie ein Comic aus, der die wichtigsten Ereignisse zeigte. Das Erdbeben von 1755 war auch dabei. Das macht Alfama heute so interessant, denn es ist das einzige Viertel der Stadt, das dabei nicht komplett zerstört worden war und noch den ursprünglichen Stil und Charakter hat. Der Rest der Stadt war mit viel Planung wieder aufgebaut worden. Alfama ist ein Labyrinth aus engen Gassen aus Kopfsteinpflaster. Es war auf diese Art gebaut worden, um Angreifer vom Meer abzuwehren. Nur wenige Leute konnten durch diese Straßen kommen und Angriffe waren somit wesentlich unwahrscheinlicher.
Ein Labyrinth aus Kopfsteinpflaster
Alfama hat noch immer die Form, die es seit jeher hatte. Es ist ein Labyrinth aus engen Straßen aus Kopfsteinpflaster, von denen einige so eng sind wie die Länge eines ausgestreckten Arms. Wie alles in Lissabon ist es am Hügel gebaut und in einigen Straßen gibt es Stufen. Nicht einmal ein Motorrad könnte hier hereinkommen. Die Leute, die hier leben, sind voneinander abhängig und man spürt, dass es eine enge Gemeinschaft ist. Hier leben vor allem ältere Leute, die schon ihr ganzes Leben in Alfama waren. Sie alle kennen einander und sind die Seele dieses Stadtteils.
Vor einigen Jahren war eine englische Fotografin dort, die die Leute aufnehmen wollte, die Alfama zu dem machen, was es ist. Die Bilder von Camilla Watson kann man noch in den Straßen sehen, auch wenn einige der Leute inzwischen verstorben sind. Charlie blieb vor dem Bild von Natalia und Eduardo stehen. Rita kannte die beiden und erzählte Charlie, dass sie mehr als 60 Jahre verheiratet gewesen waren. Natalia lebte noch immer hier und war in ihrem Leben nie woanders gewesen. Rita erzählte auch die Geschichte einer Frau namens Angela, die in Ritas Touristen-Gruppen immer nach hübschen Männern Ausschau gehalten hatte und sie auf einen Ginjinha einlud. Am Balkon stehen, mit den Nachbarn quatschen und Leute auf der Straße beobachten ist in Alfama eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Sie sahen sogar einen Balkon mit einem Kissen auf dem Geländer. Wenn man schon den ganzen Tag dort steht, kann es wenigstens auch gemütlich sein!

An dem Tag, als Charlie dort war, waren nur sehr wenige Leute am Balkon, weil es einfach nicht aufhörte zu regnen. Die öffentlichen Bäder und Waschhäuser waren auch leer. In Alfama sind die notwendig, denn die Häuser sind zu klein und es gibt keinen Platz für Badezimmer oder Waschmaschinen. Einige Häuser sind so eng gebaut, dass man sich kaum vorstellen kann, dass dort überhaupt jemand wohnt. Trotzdem stehen 5 verschiedene Namen an der Türklingel des gleichen Hauses.
Sie hielten in einer kleinen Bäckerei, um dem Regen eine Weile zu entkommen. Charlie probierte einen Pastel de Alfama, einen kleinen Kuchen, der mit einer Mandel-Kokos-Creme gefüllt ist. Die anderen probierten einen Ginjinha.
Melancholy in the music
Alfama ist noch für etwas anderes bekannt und ein beliebter Ort für Abende außer Haus. Es ist der Geburtsort des Fado und alle Restaurants im Viertel bieten jeden Abend Live-Musik. Dort ist außerdem das Fado Museum. Diese Musik ist sehr melancholisch und klingt traurig. Die Lebensbedingungen in Alfama waren früher miserabel und zudem lag es außerhalb der Stadtmauern. Der Glanz und Glamour des Hofes zu einer Zeit als Portugal die reichsten Kolonien weltweit hatte und die Stadt mit Gold überzogen war, erreichten Alfama nicht. Es war der Ort der Armen. Fado fasst all diese Gefühle in der Musik zusammen.
Der Alfama-Rundgang endete vor der Kathedrale, wo Charlie noch eine Weile blieb, um das perfekte Lissabon-Foto einzufangen: Eine Straßenbahn vor einem historischen Bauwerk.