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Meo Pro Portugal 2022 in Peniche

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John John Florence at Supertubos in Peniche

Meo Pro Portugal 2022 in Peniche

Surfen auf höchstem Niveau in der Hauptstadt der Wellen

Nachdem sie zweimal bei der Quiksilver Pro in Frankreich war, war es für Charlie an der Zeit, sich einen anderen Wettbewerb der Weltmeisterschaft in Europa anzusehen: Die Meo Pro Portugal fand zwischen dem 3. und 13. März 2022 in Peniche statt. Charlie war vom ersten Tag an dort und hatte ein Zimmer im Supertubos Beach Hostel in der Nähe des Strandes, wo der Wettbewerb stattfand.

Erster Tag der Meo Pro Portugal

Der erste Wettbewerbstag in Peniche sah nicht vielversprechend aus: Es regnete und hagelte am frühen Morgen und der starke Wind machte es unwahrscheinlich, dass der Wettbewerb an diesem Tag stattfinden würde. Eine Entscheidung sollte um 7.50 Uhr gefällt werden. Charlie schaute aus dem Fenster und war fast sicher, dass es nicht stattfinden würde. Ein bisschen hoffte sie auch auf eine Verschiebung, denn bei dem Wetter wollte sie nicht unbedingt das Haus verlassen.

Sie lag richtig. Der Wettbewerb fand an diesem Morgen nicht statt. Die nächste Ankündigung war für 10.50 Uhr geplant und wurde dann noch einmal auf 11.50 Uhr verschoben. Bis Mittag hat sich das Wetter gebessert und der erste Heat war für 12.00 Uhr angesetzt. Charlie hatte ihren Rucksack schon fertig und lief zum Strand. Als sie ankam, war der erste Heat der Frauen fast beendet. Die Sonne war herausgekommen, aber es war noch immer sehr windig. Es war eine Herausforderung für Charlie, die Kamera aufzubauen.

Die erste Runde der Frauen und Elimination Round

Der erste Tag in Peniche begann mit dem Wettbewerb der Frauen. Die Bedingungen waren nicht perfekt, aber ausreichend zum Surfen. Im Laufe des Tages wurde es besser. Am Nachmittag konnte das Publikum richtige Tubes bestaunen. Allerdings waren an diesem Tag nicht allzu viele Leute am Strand. Charlie war etwas überrascht. Sie war an größere Menschenmengen bei Surfwettbewerben gewöhnt.

Brisa Hennessy at the Meo Pro Portugal 2022 at Supertubos in Peniche

Charlie erkannte die meisten der Surferinnen, doch die Namen auf ihren Shirts stimmten nicht überein. Sie fand später heraus, dass anlässlich des Internationalen Frauentages alle Surfer im Wettbewerb den Namen einer Sportlerin auf dem Rücken trugen, die sie inspirierte.

Es war den ganzen Nachmittag über windig und regnete sogar zwischendurch. Es war kalt und Charlie was sehr froh, dass sie ihre Winterjacke, Handschuhe und Wollmütze dabei hatte. Sie sah wie ein anderer Zuschauer am Strand entlang lief und versuchte, seine vom Winde verwehte Maske einzufangen. Es war noch immer Covid-Pandemie. Es gab nicht mehr viele Einschränkungen, aber Masken musste man in Innenräumen noch immer tragen. Er erreichte seine Maske kurz bevor das Meer sie hinfort trug. Dafür erhielt er sogar einen Applaus.

Hin und wieder kamen die Surfer aus dem Wasser, um am Strand wieder zurückzulaufen. Ihren Gesichtern sah man an, wie schwer es fiel, gegen den Wind zu laufen.

Für Supertubos waren die Wellen an diesem Tag nicht sehr groß, hatten aber viel Kraft. Vom Strand aus konnte man sehen, wie schwer sie zu handhaben waren.

Carissa Moore at the Meo Pro Portugal 2022 at Supertubos in Peniche

Die erste Runde der Männer bei der Meo Pro Portugal 2022

Der Wind und die Wolken machten diesen Tag am Strand nicht sehr angenehm und Charlie war kalt. Sie verließ den Strand nach der ersten Runde der Frauen. Sie erwartete nicht, dass es nach der Elimination Round der Frauen weitergehen würde. Sie lag völlig falsch!

Gerade als sie im Hostel zurück war hörte sie, dass auch die ersten Heats der Männer an diesem Nachmittag noch ausgetragen werden würden. Bis zum Austragungsort war sie 30 Minuten gelaufen und Charlie hatte keine Lust, an diesem kalten Nachmittag ein weiteres Mal hin und zurückzulaufen. Das hat sie später bereut. Italo Ferreira zeigte im vierten Heat eine erstaunliche Show an Aerials. Selbst, wenn nur die Wellen mit den wenigsten Punkten zählen würden, hätte er diesen Heat gewonnen. Charlie war enttäuscht, dass sie das verpasst hatte.

Am Freitagmorgen um 7.20 Uhr würde es weitergehen. Charlie würde sicher schon wach sein, um rechtzeitig am Strand zu sein.

Tag 2 der Meo Pro Portugal

Die Entscheidung fiel bereits um 7.10 Uhr am nächsten Morgen. Um 7.30 Uhr sollte die Übertragung vom Supertubos-Strand in Peniche losgehen. Die WSL hatte nicht bekannt gegeben, wann genau der Wettbewerb anfangen sollte. Charlie ging davon aus, dass um 7.30 Uhr Interviews und Vorberichterstattung losgingen. Sie lag erneut falsch!

Die Bäckerei neben dem Hostel öffnete um 7.30 Uhr und Charlie musste noch etwas zu essen für den Tag besorgen. Sie ging ein paar Minuten vor Öffnungszeit los, kaufte frisches Brot und ging dann zum Strand. Es war Ebbe und sie konnte am Strand zum Wettbewerb laufen. Das war leichter gesagt als getan, denn der Wind war noch stärker als am Tag zuvor. Charlie schaffte es in weniger als 30 Minuten, aber sie war völlig durchgeschwitzt und hatte noch nicht einmal gefrühstückt.

Der erste Heat des Tages war gerade vorbei als Charlie ankam und die Surfer für Heat Nummer 6 der ersten Runde der Meo Pro Portugal waren auf dem Weg ins Wasser. Kanoa Igarashi und Callum Robson würden in diesem Heat gegeneinander antreten.

Charlie brauchte ein paar Minuten, um Kamera und Stativ aufzubauen. Plötzlich hörte sie einen Countdown und das Horn. War der Heat etwa schon vorbei? Wie war das möglich? Er war nicht vorbei, würde aber wieder von vorn beginnen, da keiner der Surfer in den ersten 10 Minuten eine Welle hatte. Wenigstens hatte Charlie dieses Mal nichts verpasst!

Es dauerte noch ein bisschen, bis Callum Robson die erste Welle in Angriff nahm. Die Welle brach über ihm ein, aber er bekam trotzdem großen Applaus für den Mut, eine Welle zu nehmen, während die anderen Surfer noch zögerten. Die Wellen an diesem Morgen war groß, schlossen sich aber auch wieder schnell. Der Heat kam nur langsam ins Laufen. Kanoa Igarashi und Callum Robson nahmen beide ein paar Wellen und Tube-Rides, während der Portugiese Afonso Antunes keine einzige Welle surfte.

Die Surfer für den nächsten Heat waren schon auf dem Weg ins Wasser als sie über Lautsprecher zurückgerufen wurden. Charlie hatte schon geahnt, dass es eine Unterbrechung geben würde. Es war kurz vor 9 Uhr und die nächste Entscheidung sollte um 11.50 Uhr getroffen werden.

Charlie lief zum Hostel zurück. Wenigstens hatte sie jetzt Zeit für ein richtiges Frühstück. Dieses Mal hatte sie den Wind im Rücken und es war wesentlich einfacher, am Strand zurückzulaufen.

Opening Round und Elimination Round der Männer bei der Meo Pro Portugal 2022

Wie angekündigt ging der Wettbewerb später weiter. Um 11.50 Uhr entschied die WSL, dass es um 12.30 Uhr weitergehen würde. Dieses Mal hatte Charlie mehr als 30 Minuten Zeit, um zum Strand zu gehen. Luis, der Inhaber des Supertubos Beach Hostel hatte ihr ein Fahrrad zum Verleih angeboten. Das machte die Sache etwas einfacher, jedoch war der Wind noch stärker geworden.

Charlie war bereits am Strand als der nächste Heat begann. In der ersten Minute schnappte Caio Ibelli sich eine Welle und die erste Tube. Kurz darauf zeigte auch John John Florence mit einem 9-Punkte-Ritt in Supertubos sein Können.

Auch Ethan Ewing zeigte hervorragende Leistungen und kam direkt vor Charlies Kamera aus dem Wasser. Witzigerweise entschuldigte er sich dafür ins Bild gelaufen zu sein. Moment Mal! Charlie stand doch am Strand, um Fotos von Surfern zu machen, zu denen auch er gehörte. Es gab also keinen Grund, sich zu entschuldigen.

Charlie unterhielt sich kurz mit Ethans Vater, der sie gebeten hatte, ein Bild zu machen, dass den Namen auf seinem Rücken deutlich zeigte. Der Name auf seinem Shirt war „Helen“, der Name seiner Mutter. Der stolze Papa wollte ein Bild davon.

Mit zunehmender Flut wurden die Wellen an diesem Nachmittag noch grösser und besser. Der Wind ließ etwas nach und die Sonne kam heraus. Es war ein schöner Nachmittag, obwohl es kalt war. Es war perfekt für die verbleibenden Heats der Opening Round und alle vier Heats der Elimination Round. Um 18 Uhr war Schluss und Charlie war froh, wieder ins Hostel zurückzukehren. Sie hatte die letzte Stunde vergeblich versucht, sich aufzuwärmen.

Von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang: Tag 3 der Meo Pro Portugal 2022

Die nächste Entscheidung würde am Samstag um 7.20 Uhr fallen. Ein Blick auf die Vorhersage und Charlie war überzeugt, dass der Wettbewerb stattfinden würde und sie stand extra früh auf. Um 7 Uhr war sie bereit, sich zum Strand zu machen, als angekündigt wurde, dass es um 7.30 Uhr losginge. Charlie radelte zum Strand und sah die Sonne zwischen den Häusern aufgehen. Das Licht war magisch.

Johanne Defay at the Meo Pro Portugal 2022 at Supertubos in Peniche

Die Meo Pro Portugal 2022 ging mit der Runde der 16 der Frauen weiter. Charlie war ein paar Minuten vorm ersten Heat da. Der Sonnenaufgang an diesem Morgen war irreführend. Kurze Zeit später zogen dunkle Wolken am Strand von Supertubos in Peniche auf. Zum Glück hatte Charlie immer die Regenausrüstung im Rucksack. Es war an der Zeit, es auf die Probe zu stellen. Die Kamera war unter einer Regenhusse sicher und Charlie verschwand in einem riesigen Regencape. Alles lief gut.

Der Wettbewerb wurde jedoch am tiefsten Punkt der Ebbe unterbrochen und es regnete noch immer. Was Charlie noch nicht geübt hatte, war, wie man es alles wieder einpackte, ohne dass die Kamera nass werden würde. Unter ihrem Regencape trug sie alles zum Fahrrad zurück, setzte sich in den Sand und nutze ihr Regencape als Zelt, unter dem sie alles wieder einpackte.

Als Charlie im Hostel zurück war, hatte es aufgehört zu regnen und sie hing alles zum Trocknen auf. Nadia, die im Hostel arbeitete, hatte bemerkt, dass Charlie das Frühstück verpasst hatte und lud sie ein, im Frühstückraum Platz zu nehmen. Charlie war positive überrascht. Eigentlich war die Frühstückszeit vorbei, aber im Supertubos Beach Hostel war man flexibel. Charlie wusste das zu schätzen und Frühstück war genau was sie nach dem Regen brauchte. Wenigstens waren auch ihre Füße wieder warm.

Runde der 32 der Männer bei der Meo Pro Portugal 2022

Charlie war um 14 Uhr wieder am Strand zurück, um die Runde der 32 der Männer zu sehen. Im ersten Heat trat Italo Ferreira an. Schon bevor er ins Wasser ging, war er von Fans umrundet, die ein Foto mit ihm wollten. Das war bei der Quiksilver Pro in Frankreich nie passiert. Die Zuschauer dort waren immer respektvoll und ließen die Sportler vorm Heat in Ruhe. Erst nach dem Heat würden sie hinlaufen. In Peniche war das anders. Sogar die Sicherheitsleute mussten in diesem Fall einschreiten, um die Zuschauer von Italo fernzuhalten.

Italo Ferreira at the Meo Pro Portugal 2022 at Supertubos in Peniche

Eine weitere Aerial-Show wie in der Opening Round gelang ihm nicht noch einmal, aber es war trotzdem eine exzellente Surf-Leistung, die man gern sah. Er gewann den Heat gegen Imaikalani de Vault deutlich. Im nächsten Heat standen sich zwei Brüder gegenüber: Miguel und Samuel Pupo. Am Ende des Heats flog Miguel in großartigen Aerials hoch in die Lüfte. Samuel wollte es seinem Bruder nachmachen, landete seine Luftsprünge aber nicht so gut wie Miguel.

Im Heat zwischen Filipe Toledo und Owen Wright kam Owens Ersatzboard zum Einsatz, denn seins war in zwei Hälften zerbrochen. Wie immer rannten ein paar Kinder am Ufer entlang, um die Teile einzusammeln. Eine Hälfte war noch mit Owens Bein verbunden als er aus dem Wasser kam, um es auszutauschen. Einer der Jungen lief im Wasser auf Owen zu. Zuerst dachte Charlie, dass er helfen wollte, aber sie lag falsch. Er wollte einfach nur als erster die Hälfte des Surfboards erreichen. Erneut mussten die Sicherheitsleute einschreiten.

Boy carrying the broken board of Owen Writght at the Meo Pro Portugal 2022 at Supertubos in Peniche

Nachdem Leonardo Fioravanti seinen Heat gegen Jake Marshall verloren hatte, ging er zum Freesurfen ins Wasser. Zunächst aber musste er es durch die Menschenmenge schaffen, die viele Selfies mit dem Profisurfer wollte. Charlie freute es immer, wenn die Profis freesurfen gingen, da sie immer schöne Bilder machen konnte, auf denen sie keine Wettbewerbsshirts tragen. Caio Ibelli schloss sich Leo kurze Zeit darauf an und mehr als einmal wurden sie über Lautsprecher ausgerufen, da sie zu nah an der Wettbewerbszone waren.

Caio Ibelli going for a freesurf during the Meo Pro Portugal 2022 at Supertubos in Peniche

Der Tag ging mit dem Heat zwischen Kanoa Igarashi und Justin Becret vor der untergehenden Sonne zu Ende. Das war Charlies Belohnung dafür, dass sie im Regen durchgehalten hatte.

Kanoa Igarashi at the Meo Pro Portugal 2022 at Supertubos in Peniche

Tag 4 der Meo Pro Portugal 2022

Es war ein Sonntagmorgen und der vierte Tag in Folge. Andere Wettbewerbe, die Charlie besucht hatte, hatten immer ein paar Tag Pause zwischendurch, an denen Charlie sich etwas ausruhen konnte. Seit sie in Peniche angekommen war, war sie noch nicht einmal im Ort gewesen. Sie hatte auch keinen richtigen Einkauf getätigt. Sie hatte lediglich Brot und Butter im Tante-Emma-Laden gekauft. Auch das Wetter machte diesen Wettbewerb anstrengend: zuerst der starke Wind, dann der Regen. Charlie spürte das deutlich. Am Sonntagmorgen blieb sie etwas länger liegen, hatte Frühstück im Hostel und würde am Nachmittag zum Strand fahren. Sie erwartete, dass es zur Ebbe wieder eine Pause geben würde.

Sie sortierte ein paar Fotos und ging um 8.30 Uhr zum Frühstück. Auch dort wurde der Wettbewerb auf dem Laptop verfolgt. Die Freiwilligen im Hostel waren mit Herz und Seele dabei. Charlie genoss die Gesellschaft und die Gespräche über Surfwettbewerbe während Caio Ibelli es mit Kelly Slater aufnahm.

Während dieses Heats wurde auch deutlich, dass es an diesem Tag keine Pause geben würde. Die Runde der 16 folgte direkt im Anschluss. Es liefen zwei Heats zeitgleich, sodass es alles etwas schneller ging. Jetzt musste Charlie sich beeilen, um es zum ersten Heat der Runde der 16 an den Strand zu schaffen. Miguel Pupo trat gegen Italo Ferreira an. Die Heats waren an diesem Morgen 40 Minuten lang und Charlie hatte noch eine realistische Chance, es vor Ende des ersten Heats zu schaffen. Sie schaffte es! Sie sah die letzten fünf Minuten des Heats vom Strand. Der zweite Heat begann mit einem 9-Punkte-Ritt von Jordy Smith und das war an diesem Tag erst der Anfang: perfekte Tubes, perfekte Surf-Leistungen. Supertubos hielt an diesem Tag, was der Name versprach: super Tubes.

Auf ins Viertelfinale

Es war ein sonniger Tag, aber der Wind war noch immer sehr kalt. Charlie war froh, an diesem Morgen Schal und Mütze dabeizuhaben. Nach der Runde der 16 der Männer ging der Wettbewerb mit dem Viertelfinale der Frauen weiter. Einer der aufregendsten Heats an diesem Tag war das Aufeinandertreffen der Weltmeisterinnen Carissa Moore und Tyler Wright. Carissa zog ins Halbfinale ein.

Nach einem langsamen Start gegen Jordy Smith zeigte auch Italo Ferreira erneut eine Air-Show und flog wortwörtlich ins Halbfinale. Ein weiterer aufregender Heat wurde von Kanoa Igarashi und John John Florence geliefert. Beide hatte gute Chancen auf den Titel in Peniche. Kanoa war gerade erst an die Spitze der Weltrangliste gelangt. Jedoch zeigte John John an diesem Nachmittag beständigere Leistungen im Surfen. Im letzten Heat des Tages gelang Griffin Colapinto der erste 10-Punkte-Ritt der Saison. In der Runde der 32 hatte er den Veteranen Kelly Slater aus dem Wettbewerb geworfen, und zog nun mit einem Sieg über Kolohe Andino ins Halbfinale ein.

Italo Ferreira at the Meo Pro Portugal 2022 at Supertubos in Peniche

Charlie war an diesem Morgen überstürzt aufgebrochen und sie hatte kein Sandwich dabei. Es war 17.30 Uhr, ihr war kalt, sie hatte Hunger und sie musste auf die Toilette. Sie war froh, dass der Wettbewerb für diesen Tag vorbei war. Halbfinale und Finale würden an einem anderen Tag stattfinden. Am Montagmorgen um 6.50 Uhr würde die nächste Entscheidung fallen.

Tag der Entscheidung bei der Meo Pro Portugal 2022

Nach einem aufregenden Sonntag bei Supertubos in Peniche, würden die Wellen am Montag nachlassen. Die WSL hoffte, dass noch genügend Welle bleiben würde, um die Halbfinale und Finale auszutragen. Um 6.50 Uhr am Morgen bei Morgendämmerung sollte eine Entscheidung fallen. Charlie war sich nicht sicher, ob es stattfinden würde, denn die Vorhersage sah nicht gut aus. Sie war früh auf und beobachtete neugierig die Ankündigungen. Um 6.45 Uhr hörte sie die Stimme des Moderators über Lautsprecher aus der Ferne. Das war ein sicheres Zeichen. Sie schwang sich aufs Rad und fuhr zu Supertubos. Auf dem Weg hörte sie das Horn. Der Wettbewerb ging weiter!

Sie kam an, als der erste Heat des Halbfinales der Frauen bereits 10 Minuten am Laufen war. Stephanie Gilmore stand Lakey Peterson gegenüber. Für die meiste Zeit lag Gilmore in Führung. Erst Lakeys letzte Welle trug sie auf den ersten Platz und ins Finale. Als nächstes ging Carissa Moore gegen Tatiana Weston-Webb ins Rennen. Tati wurde am Ufer vom Moderator aufgehalten. Ihm war aufgefallen, dass beide Wettbewerberinnen ein rotes Shirt trugen. Tati sollte schwarz tragen. Einige Minuten später tauchte sie im weißen Shirt wieder am Ufer auf. Charlie fragte sich, was wohl mit dem schwarzen Shirt passiert war. So wichtig war es auch nicht, welche Farbe sie trug, solange nicht beide Surferinnen die gleiche Farbe trugen. Carissa begann mit einer starken Leistung, aber Tati holte schnell auf und gewann den Heat und ihren Platz im Finale.

Mittlerweile war die Sonne am Strand von Supertubos in Peniche aufgegangen und die Zuschauer machten sich für ein Feuerwerk bereit, wenn Filipe Toledo und Italo Ferreira um den Einzug ins Finale kämpfen würden. Die Brasilianer sind für Aerials bekannt und sie enttäuschten an diesem Tag nicht. Italo begann mit einem guten ersten Ritt, der ihm mehr als acht Punkte einbrachte. Filipe zog mit weiteren Aerials nach. Scheinbar war der Druck dann aber zu groß als Italo weitere Male in die Luft abhob, aber nicht sicher landete. Filipe konnte der Druck nichts anhaben und er gewann den Heat.

Griffin Colapintos 10-Punkte-Ritt am Tag zuvor brachte ihm großes Selbstvertrauen ein, das im Halbfinale gegen John John Florence deutlich wurde. Colapinto und Toledo würden sich in Peniche im Finale gegenüberstehen. Zuerst aber waren wieder die Frauen dran!

Finale der Meo Pro Portugal 2022

Im ersten Finale standen sich Tatiana Weston-Webb und Lakey Peterson gegenüber. Die Bedingungen im Wasser waren an diesem Tag nicht die besten. Umso wichtiger war es, die Wellen gut auszuwählen. Beiden Surferinnen gelang es sehr gut, die Wellen zu lesen und mit den Bedingungen zu arbeiten. Es war ein aufregender Heat, in dem Tati und Lakey abwechselnd in Führung gingen. Tati trug an diesem Tag in Peniche den Sieg fort.

Filipe Toledo war bereit, ins Wasser zu gehen, als der Moderator ihn über eine fünf-minütige Unterbrechung nach dem Finale der Frauen informierte. Er blieb am Ufer stehen, hatte sein Board unter dem Arm und applaudierte für Tatiana Weston-Webb. Wahrscheinlich war auch ein wenig Patriotismus dabei, aber Charlie war beeindruckt. Er jubelte ihr zu und begrüßte sie mit einer innigen Umarmung am Strand zurück. Was für ein herzerwärmender Moment nur wenige Minuten, bevor er selbst im Finale antreten würde.

Das Finale der Männer lief nur langsam an, denn das Meer zeigte sich nicht von seiner besten Seite. Als sie erst einmal anfingen aber, lieferten sie eine weitere beeindruckende Aerial-Show. Colapinto und Toledo hoben einer nach dem anderen in Luft ab und wechselten sich ebenfalls in der Führung ab. 20 Sekunden vor Ende des Heats war deutlich, dass keine weitere Welle anrollen würde und Toledo wusste, dass er das Finale gegen Colapinto verloren hatte. Er paddelte zu ihm hinüber, reichte ihm die Hand und nahm ihn in den Arm, bevor beide zum Strand zurückkehrten. Charlie war von so viel Sportsgeist zutiefst beeindruckt. Was für ein großartiger Sportler!

Der erste, der Colapinto am Strand gratulierte, war ein weiterer Wettbewerber: Kolohe Andino. Die meisten Profi-Surfer sind nicht nur Wettbewerber, sondern Freunde und dies sind die Momente, wo deutlich wird, dass es beim Surfen um Gemeinschaft und Lebensfreude geht.

Charlie wollte seit einigen Jahren den Wettbewerb in Peniche sehen und bekam im Jahr 2022 endlich die Gelegenheit. Es waren ein paar stressige Tage, die sie den Strand hoch und runter radelte und lange Stunden in Wind, Regen und Sonnenschein verbrachte. Sie war erschöpft, aber auch froh, die besten Surfer der Welt bei großartigen Leistungen in Portugal gesehen zu haben.

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