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Heimweh: Eine neue Erfahrung

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Sun setting behind the waves

Heimweh: Eine neue Erfahrung

Alles hat einmal ein Ende

Auf jeder Rückreise kämpft Charlie für gewöhnlich mit den Tränen. Schon da vermisst sie all die neuen Bekanntschaften und die Orte, die sie gesehen hat. Dieses Mal jedoch war etwas anders. Sie vermisst die anderen, aber die meisten von ihnen waren bereits Wochen zuvor abgereist und die, die noch da waren, würden auch bald nach Hause reisen. Es war ein komisches Gefühl, das Charlie gar nicht richtig beschreiben kann. Sie war nicht traurig, aber froh war sie auch nicht. Sie würde einige Leute sehr vermissen, aber sie freute sich auch auf Zuhause – mehr als je zuvor.

Heimweh

Was ursprünglich ein Monat Arbeiten und Surfen in Andalusien sein sollte, waren am Ende fast drei Monate. Im Oktober gefiel es Charlie so gut, dass sie entschied, ein wenig länger zu bleiben. November jedoch war ein wenig anders und als Ende des Monats durch COVID-19 ihr Flug gestrichen wurde, bereute Charlie es zum ersten Mal in ihrem Leben, einen Aufenthalt verlängert zu haben.

IIm November hatte die Regierung in Andalusien ein Verbot verhängt, den Bezirk, in dem man wohnt, zu verlassen. Charlie und die anderen durften weiterhin vom Hostel in Conil de la Frontera zur Surfschule in El Palmar und surfen, aber es kamen keine neuen Gäste mehr an. Bars und Restaurants mussten um 18 Uhr schließen und nach 22 Uhr galt eine Ausgangssperre. Der Ort war auf einmal sehr ruhig geworden.

Da die Surfschule offiziell geschlossen war, gab es auch keine Transfers mehr nach El Palmar und sie mussten selbst organisieren, wie sie hin und zurück kamen, um surfen zu gehen. Ohne Auto und ohne öffentliche Verkehrsmittel (durch die Corona-Einschränkungen) war das schwierig.

Zur Gleichen Zeit hatte sich auch das Wetter verändert und es regnete fast den ganzen Monat. Im Hostel gab es nicht viel, was man machen konnte, und Charlie vergrub sich unter einem Berg an Arbeit – sie hatte ja auch nichts Besseres zu tun.

Das Hostel hatte zudem die Surfskates verkauft und wartete auf die Lieferung der neuen. Diese Lieferung aber verzögerte sich immer mehr. Dadurch war auch an sonnigen Tagen nichts, womit Charlie sich beschäftigen konnte, außer Arbeit.

Im Hostel in Conil waren noch 5 Leute, die hier plötzlich zu Hause waren. Diese merkwürdige Art der Wohngemeinschaft führte von Zeit zu Zeit zu Konflikten. Das ist normal, aber Charlie fühlte sich einfach nicht mehr wohl. Zum ersten Mal in ihrem Leben konnte sie die Heimreise kaum erwarten. Heimweh war ein Gefühl, das ihr fremd war. Sie hatte das noch nie zuvor erlebt.

Die Heimreise

Es gab keine Flüge nach London bis kurz vor Weihnachten. Charlie musste sich gedulden. Auch das war eine neue Erfahrung. Auf früheren Reisen fand sie immer Alternativen, wie sie von A nach B kommen würde. Dieses Mal war das durch die Pandemie und die Reisebeschränkungen anders.

Als Charlie dann endlich die Heimreise antrat, war auch dies ein Erlebnis, das sie lange Zeit nicht hatte: Sie reiste gemeinsam mit Freunden anstatt allein. Frankie und Sabina waren auch auf dem Weg nach London, um Weihnachten zu Hause zu sein und sie alle hatten den gleichen Flug gebucht. Der Transfer zum Flughafen war dadurch wesentlich einfacher zu organisieren. Öffentliche Verkehrsmittel waren weiterhin beschränkt und Marta war so nett, die drei zum Flughafen in Sevilla zu fahren.

Es war der letzte Mädelsausflug im Jahr 2020 und Charlie war froh, dass sie diesen Moment mit zwei anderen Surferinnen teilen konnte, die in Conil de la Frontera zu Freunden geworden waren.

PS: Sabina, Frankie und Charlie gönnten sich am Flughafen Stansted noch einen letzten Kaffee zusammen. Wieder einmal gab es für Sabina Kaffee mit Eiswürfeln anstelle des sehnlichst gewünschten Frappés. Als sie sich voneinander verabschiedeten, fühlte Charlie endlich die so vertraute Melancholie und die Tränen kullerten ihr über die Wangen. Abschiede werden nie einfacher.

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