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Der 2. Tag zu See: Morgenstunde in einer Bucht

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View from Kimolos towards the sea

Der 2. Tag zu See: Morgenstunde in einer Bucht

Die Insel des Kalks: Kimolos

Nacht dem nächtlichen Segeln und Schwimmen bei Vollmond hatte Charlie ihre erste Nacht auf einem Segelboot verbracht. Die leichten Bewegungen des Bootes (und der Schlafmangel der vorherigen Nächte) ließen sie schlafen wie ein Stein. Der Wecker ging um 7 Uhr, denn sie wollten früh in den Hafen einlaufen, um einen Anlegeplatz zu bekommen. Charlie sprang kurz ins Wasser, um ihren Körper aufzuwecken. Das Wasser war herrlich. Es fühlte sich viel wärmer an als in der Nacht und man konnte so viele Fische sehen…

Durch die Bewegungen des Wassers hatte sich das Boot über Nacht um 180° gedreht. Nun konnte Charlie vom Heck den Blick auf die Insel Kimolos genießen und vom Bug schaute man aufs Meer. Der Name der Insel kommt vom griechischen Wort für Kalk. Die Steinbrüche sind noch heute in Betrieb und vom Meer sichtbar, sogar in der Nacht.

Frühstück mit Geschichte

Als Charlie aus dem Wasser kam, hatten die anderen bereits Kaffee vorbereitet und sie frühstückten alle zusammen auf dem Boot. Charlie hatte das Glück, zwei Griechen mit an Bord zu haben, die sich beide für Geschichte und Kultur interessierten. Auf diese Weise lernte Charlie von den bedeutendsten Momenten in der griechischen Geschichte, ohne ein Buch aufschlagen zu müssen. Dimitris sprach über die 4 Jahreszahlen, an die sich jeder Grieche erinnert:

  • 1204: der 4. Kreuzzug und die erste Besetzung
  • 1453: der Fall Konstantinopels und die darauffolgende Besetzung durch die Osmanen
  • 1821: der Beginn des griechischen Aufstandes gegen die Osmanen
  • 1940: Die Besetzung im 2. Weltkrieg

Vangelis, der Lehrer während des Segelkurses in Griechenland, fügte noch einige Daten und Anekdoten aus der Geschichte der Insel Kimolos hinzu, um die Geschichtsstunde abzurunden.

 

Segeln mit Sicherheit

Nach dem Kaffee waren sie bereit zu segeln. Es war nicht weit. Sie segelten nur ein paar Buchten weiter, um den Hafen von Kimolos zu erreichen, wo sie den Anker anlegen, an Land gehen und vor allem, alle elektronischen Geräte aufladen konnten. Es dauerte nur eine halbe Stunde, bis sie den Hafen erreichten und sie hatten Glück, einen Platz zu finden, denn es war ganz schön viel los. Charlie lernte von Vangelis, dass außer auf Mykonos alle Häfen der griechischen Inseln angefahren werden können, ohne das anzumelden. Wer zuerst kommt, malt zuerst.

Direkt an der Marina war ein Café und sie erlaubten sich ein zweites Frühstück, dieses Mal mit Café Freddo – einem kalten Espresso. Charlie verstand nur Bahnhof, da die anderen alle (sogar Daria und Pablo) auf Griechisch bestellten. Charlie hatte keine Ahnung, was sie bestellt hatten oder was sie serviert bekommen würde. So stellte sich heraus, dass einige Worte wie “Kalimera” und “Efaristo” nicht genug waren. Sie hätte etwas mehr Griechisch lernen sollen!

Nach der Kaffeepause war es Zeit für Charlies ersten Theoriekurs: An erster Stelle stand die Sicherheitsausrüstung, da es mehr zu wissen gab als nur, wo die Schwimmwesten waren. Charlie lernte, wie man einen Notruf absetzte und wie Fallschirmfackeln funktionierten. Charlie aber kannte das englisch Wort „flare“ (Fackel) nicht und fragte, wofür sie auf dem Meer einen Fallschirm brauchen würde. Zumindest brachte sie so die anderen zum Lachen.

Arbeiten und Reisen

Neben all dem Spaß in der Sonne mussten Charlie und Pablo auch etwas Arbeit erledigen. So machten sie aus dem Boot einen Co-Working-Space. Zum Glück waren ihre Laptops gerade voll geladen, als der Strom ausfiel. Die Internetverbindung auf Kimolos war auch nicht die beste, aber Charlie konnte die Arbeit erledigen, die an diesem Tag erledigt werden musste. Sie kam jedoch zu dem Schluss, dass ein Segelausflug nicht für digitale Nomaden geeignet ist.

Später am Nachmittag gingen Charlie und Pablo im Meer schwimmen und gönnten sich ein kühles Bier in einer der Bars direkt am Strand. Tische und Stühle waren direkt im Sand aufgestellt und Charlie erlebte die griechische Gastfreundlichkeit. Das Kartenlesegerät funktionierte nicht (die Internetverbindung dort war wie gesagt nicht besonders gut) und weder Charlie noch Pablo hatten Bargeld an sich. Der Kellner, der sie bevor sie ins Wasser gingen vor den Seeigeln gewarnt hatte, war sehr freundlich und sagte, dass sie einfach später wiederkommen können, um für das Bier zu bezahlen.

Sie schlenderten ein wenig durch den Ort, hörten jemanden in der Dusche “Barbie Girl” singen, entdeckten beeindruckende Olivengärten und kauften auf dem Weg zurück zum Boot ein paar Lebensmittel. Sie verabredeten sich mit den anderen um 8 zum Abendessen, was Charlie und Pablo eine weitere Stunde gab, um die Gegend aus der Luft zu fotografieren. Charlie hatte nie zuvor mit einer Drohne fotografiert und es war ein bisschen wie ein Computerspiel.

Das Dorf am höchstgelegenen Punkt

Vangelis, der Kapitän und Segellehrer, kannte den Ort recht gut und empfahl, zum Abendessen hoch ins Dort The Chora (das ist das griechische Wort für “Dorf”) zu gehen. Es war auf jeden Fall den Aufstieg wert: enge Gassen, historische Gebäude, kleine Geschäfte, kreative Mini-Bibliotheken an jeder Ecke, gute Stimmung und atemberaubende Ausblicke. Bevor sie zum Essen gingen, gab es einen Aperitif in einer kleinen Bar direkt neben einer historischen Burgruine. In der Zwischenzeit wurde es im Ort geschäftiger und als sie ihren Weg zum Restaurant fortsetzten, waren viele Kinder zum Spielen auf der Straße und die älteren Damen hatten ihre Stühle herausgeholt um vor dem Haus ein Schwätzchen mit Nachbarn zu halten.

Vangelis bereute es, keine Reservierung in dem Restaurant seiner Wahl gemacht zu haben, obwohl er der einzige in der Gruppe war, der darüber verärgert war. Alle anderen waren mit der Alternative an griechischem Fastfood zufrieden: Souvlaki. Die Kellner waren ein wenig verwundert, dass die Gruppe Bier bereits vor dem Essen serviert haben wollte. Es ist scheinbar ungewöhnlich in Griechenland ohne Essen Bier zu trinken. Noch viel ungewöhnlicher war Pablos Frage nach Mayonnaise… Zum Souvlaki gab es nichts anderes als Tzatziki!

Sie gönnten sich einen Absacker in einer der Bars am Hafen, bevor sie alle in dieser Nacht schlafen gingen. Charlie hatte so die Gelegenheit, ein weiteres traditionelles, griechisches Getränk zu probieren: Masticha – ein Schnaps von der Insel Chios. Wieder einmal war sie froh, Dimitris und Vangelis in der Gruppe zu haben, die erklären konnte, was sie da tranken.

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