São Paulo
Geschäftliches trifft auf Kunst
São Paulo ist der lebendige Beweis dafür, dass beides koexistieren kann: Geschäftliches und Kunst. Es ist eine lebendige Metropole mit Hochhäusern, die fast bis in den Himmel reichen, einem Geschäftszentrum und auch ein Ort für verschiedene Ausdrücke der Künstler-Szene.
Architektur in São Paulo
São Paulo war ursprünglich eine kleine Siedlung, die im Jahr 1554 gegründet wurde, um dort die Ureinwohner zum Christentum zu konvertieren. Ähnlich wie auch London wuchs die Siedlung allmählich zu Stadt heran und die umliegenden Dörfer wurden einverleibt. Die Hochhäuser erwecken zunächst den Eindruck einer nordamerikanischen Stadt und sie wird auch als das „tropische New York“ bezeichnet. Allerdings wurde sie nicht auf dem Reißbrett entworfen und die Straßen sind nicht parallel und senkrecht zueinander angeordnet. Noch etwas unterscheidet sie von New York: Es gibt keine Anzeigentafeln, denn Werbung ist per Gesetz verboten. Die Avenida Paulista mit dem Times Square zu vergleichen wäre also nicht ganz richtig.
Heute ist sie mit 12 Millionen Einwohnern (21 Millionen, wenn man die Außenbezirke einbezieht) eine der größten Städte der Welt und die Gebäude machen es zu einem Schlaraffenland für alle, die sich für Architektur interessieren. Über diese Mischung aus europäischen Einflüssen, Kolonialstil und praktischen Bauten aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts könnte sicher eine Doktorarbeit geschrieben werden. Einige der Fassaden erinnern an Paris oder Berlin, andere könnten direkt aus New York entnommen worden sein und wieder andere zeigen den Stil des Brutalismus der 50er- bis 70er-Jahre. Charlie dachte beim Anblick bestimmter Gebäude auch an die Architektur im Kolonial-Stil in Antigua in Guatemala.
In den neueren Gebieten im Geschäftsviertel rund um die Straße Faria Lima und um die Avenida Paulista sieht man auch moderne Gebäude mit schillernden Glasfassaden. Die Bibliothek im Zentrum wiederum repräsentiert den Art-Deco-Stil. Man findet wirklich von allem ein bisschen und das aus gutem Grund.
São Paulo im Wandel der Zeiten
São Paulo wurde im 16. Jahrhundert gegründet und war zunächst nur ein kleines Dorf. Erst im 19. Jahrhundert erlangte die Stadt durch den Kaffeeanbau Bedeutung und wirtschaftliche Stärke. Die ursprüngliche Innenstadt wurde bald zu eng und die Kaffee-Barone bauten ihre Villen auf einer naheliegenden Anhöhe. Einige dieser Villen sind noch heute entlang der Avenida Paulista zu sehen.
Kaffee wird heute nicht mehr in der Gegend produziert, war aber ein Meilenstein für São Paulo und machte sie zur reichsten Stadt in Lateinamerika. Die Infrastruktur, die für den Transport des Kaffees erschaffen wurde, zum Beispiel die Autobahn zur Küste und der Hafen in Santos spielten dabei eine wichtige Rolle. Heute ist dort ein umfangreiches und modernes Geschäftszentrum mit Niederlassungen der Firmen, die man auch im Silicon Valley findet. Das ist auch spürbar, denn in der Stadt dreht sich alles um geschäftiges Treiben und Produktivität. Es hat nichts von dem entspannten Lebensstil in Rio de Janeiro.
Kunst in São Paulo
Die Diktatur in Brasilien und die Studentenbewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts führten zu einer florierenden Kunst-Szene in São Paulo. Vor allem in den Vierteln Pinheiros und Vila Madalena, den damaligen Studentenvierteln, ist Streetart noch immer ein wichtiges Kulturelement. Auch außerhalb dieser Viertel sieht man überall Wandbilder. Da Anzeigetafeln und Werbung in São Paulo verboten sind, haben die Künstler viel Platz zur Verfügung. Die Hochhäuser bilden eine perfekte Leinwand für Sprühfarbe. Für jemanden, der Streetart so sehr liebt wie Charlie, war es ein Traum.
Entlang der Avenida Paulista findet man fast kein Gebäude, in dem sich kein Kulturzentrum oder Museum im Erdgeschoss befindet. Im ehemaligen Geschäftsviertel in der Innenstadt wurden ehemalige Banken zu Museen umgebaut. (Im Farol Santander ist auch ein Skatepark im 21. Stock!) Man könnte mehrere Jahre in São Paulo leben und es gäbe noch immer Ausstellungen, die man nicht kennt.
Zudem befinden sich in São Paulo bedeutende Kunstmuseen wie zum Beispiel das MASP an der Avenida Paulista oder das Museum für Zeitgenössische Kunst am Rand des Ibirapuera Parks. Von der Dachterrasse dieses Museums aus hat man den perfekten Blick über die Stadt und die Berge in der Ferne. Auch im Ibirapuera Park sind Museen und Kulturzentren. In der Innenstadt bietet das Teatro Municipal Veranstaltungen jeglicher Art, nicht nur Opern wie ursprünglich angedacht. Tickets sind für gewöhnlich günstig oder sogar kostenlos. So wird Kunst für jeden in der Gesellschaft zugänglich. In der Nähe des Hauptbahnhofs, Luz-Station, ist das Kunstmuseum Pinacoteca. Es nimmt wirklich kein Ende!
Embu das Artes
Wenn das Kunstangebot in São Paulo noch nicht genug ist, dann findet man auch nur 45 Minuten außerhalb der Stadt ein Künstlerdorf: Embu das Artes. Am besten fährt man dort am Wochenende hin, denn dann ist der Markt geöffnet und die Künstler sind in ihren Ateliers und kleinen Geschäften anwesend.
Das Dorf wurde ebenfalls im 16. Jahrhundert gegründet und entwickelt sich um ein Kloster herum. Auch hier ging es darum, Ureinwohner zum Christentum zu konvertieren. In den 1920ern zogen viele Künstler in die Gegend und 1969 wurde der Künstlermarkt gegründet.
Heutzutage ist im historischen Stadtkern noch immer ein Künstlermarkt an den Wochenenden und es gibt viele kleine Geschäfte in farbenfrohen Häusern sowie Restaurants jeglicher Art. Es ist das perfekte Reiseziel für einen Wochenendausflug zum Mittagessen und Souvenir-Shopping. Die meisten Geschäfte sind auf Möbel spezialisiert, sowohl antike Stücke als auch Kunstobjekte, und es gibt auch indigene Kunst der Guaraní. Von einer der größeren Straßen kommt man zu einer kleinen Gasse voller Wandgemälde und weiteren Geschäften. Charlie ging in einen der Antiquitätenläden, den der Guide empfohlen hatte. Als sie darin war, fiel ihr auf, dass das scheinbar kleine Häuschen ein Zusammenschluss mehrerer Gebäude war, die voller antiker Möbel und Kunst waren. Sie war zutiefst beeindruckt! Der Labyrinth-artige Aufbau des Hauses machte es unmöglich, die Anzahl der Räume oder Etagen zu zählen. Im obersten Stock kam sie in ein Badezimmer, das von Alice im Wunderland inspiriert war und es gab ein sonnenüberflutetes Zimmer mit Terrasse. Sollte sie jemals ein Haus kaufen, dann muss es ein solches Zimmer haben!
Auf dem Weg in Richtung Ausgang begannen Charlie und der Guide ein Gespräch mit einer der Frauen, die in dem Geschäft arbeiteten. Victoria erzählte ihnen von den großen Plänen, die sie und ihre Mutter hatten. Sie wollten Kunst unterrichten und Workshops anbieten, sowie auch ihre Kunst verkaufen. Charlie spürte sofort die warmherzige Kultur und Gastfreundschaft der Brasilianer. Sie wollten gerade gehen als Victorias Mutter, Claudia, ihnen einen Kaffee servierte und sie bat, sich zu setzen. Es entstand schnell eine Unterhaltung und Charlie konnte ihr Portugiesisch testen. Es war eine wunderbare Erfahrung, so warmherzig in dem kleinen Ort Embu das Artes empfangen zu werden.
Eine grüne Stadt
São Paulo war für eine Stadt mit vielen Hochhäusern auch überraschend grün. Es gibt mehrere Parks, sogar inmitten der engbebauten Avenida Paulista. Charlie fuhr mit dem Fahrrad durch den Ibirapuera Park, der nach dem Vorbild des Central Parks in New York erbaut wurde. Es gibt dort offizielle Radwege sowie auch Fahrradverleihstationen. In einem Abschnitt sind Gewächshäuser und man hat das Gefühl, in einem botanischen Garten zu sein.
Charlies Unterkunft war in dem Viertel Jardim Paulista, von wo aus man auch in andere Viertel kommt, die alle „Jardim“ im Namen haben. Die beiden Seiten der Avenida Paulista werden Downtown-Seite und Garten-Seite genannt. Das Word „Jardim“ im Portugiesischen bedeutet „Garten“ und es ist deutlich erkennbar, dass es eine Gartenstadt ist.
Auch die Innenstadt ist relativ grün. Die Stadtbibliothek zum Beispiel, die Biblioteca Mario de Andrade, ist von einem Garten mit Statuen von Dichtern und Autoren umgeben. Für Sauerstoff ist in dieser Metropole bestens gesorgt.
Zudem gibt es Initiativen, die Stadt umweltfreundlicher zu machen durch den Bau von Gebäuden mit einem Fokus auf Nachhaltigkeit.
Öffentlicher Nahverkehr in São Paulo
Die Stadt hat ein gut ausgebautes U-Bahn-Netzwerk. Dieses Transportmittel gilt auch als sicher für Touristen. Allerdings kann man nicht mit internationalen Bankkarten zahlen. Als Tourist ist Bargeld die einzige Zahlmethode. Es gibt zudem viele Busse, aber Charlie hat nie den Bus genommen. Auch Uber ist einfach und relativ günstig in Brasilien. Am besten bestellt man das Uber, wenn man noch im Gebäude ist, sodass man während der Wartezeit nicht mit dem Handy an der Straße steht. Denkt immer daran, dass Handys häufig gestohlen werden.
Man sollte auch im Hinterkopf behalten, dass auf den Straßen von São Paulo viel los ist. Je nachdem, wo man hin will und zu welcher Tageszeit, sollte man extra Zeit einplanen. Wenn ihr gerne lauft (das ist im Zentrum möglich), solltet ihr bedenken, dass São Paulo auf einem Hügel erbaut wurde. Es kann ganz schön steil werden.
São Paulo für digitale Nomaden
Es ist überraschend, dass São Paulo noch nicht zum Zentrum für digitale Nomaden geworden ist. Da es eine Geschäftsstadt ist, gibt es viele Coworking-Spaces und auch die Preise schienen vernünftig zu sein (allerdings nicht für das Einkommensniveau der Brasilianer). Zudem gibt es drei Flughäfen mit mehr Verbindungen als Rio de Janeiro. Es fiel Charlie auch nicht schwer, ein Café mit Steckdosen und W-Lan zu finden, wo man auch sicher den Laptop herausholen kann. Sie verbrachte nur eine Woche in der Stadt. Das war recht kurz, aber genug, um auch ein paar Einheimische kennenzulernen. Im Allgemeinen wird auch mehr Englisch gesprochen als in Rio, wenn man aber vom Angebot an Networking-Events Gebrauch machen will, sollte man Portugiesisch lernen.