Ein Wochenende in Paraty
Wo koloniales Erbe und Natur aufeinandertreffen
Als Charlie nach Tagesausflügen von Rio de Janeiro suchte, fand sie eine Jeep-Tour zu ein paar Wasserfällen. Auf den ersten Blick sah es so aus, als wäre Paraty nah an der Stadt. Auf den zweiten Blick erkannte Charlie, dass sie mindestens eine Übernachtung in Paraty brauchen würde. Das passte gut für das Wochenende in der Mitte ihres zweiwöchigen Aufenthaltes in Rio.
Anreise nach Paraty
Die Stadt Paraty liegt ungefähr 250 km südlich von Rio de Janeiro und ist ein beliebtes Reiseziel. Die Fahrt dauert 4 bis 5 Stunden und es gibt Shuttles, die am Hotel abholen und auch am Hotel absetzen. Das ist zudem die sicherste Art zu reisen.

Charlie hatte noch ihren Portugiesischkurs in Rio und konnte erst am Freitagnachmittag los. Wenn möglich, solltet ihr nicht zu dieser Zeit fahren, da Stau garantiert ist. Es dauerte ewig, um überhaupt aus Rio herauszukommen. Die Rückfahrt am Sonntag war wesentlich einfacher und schneller.
Es gibt auch Shuttles von und nach São Paulo. Wenn Charlie von Paraty gewusst hätte, als sie ihre Reise plante, wäre sie wahrscheinlich von Rio aus hingefahren und dann nach São Paulo weitergereist. Paraty liegt genau auf halber Strecke.
Charlie kam spät am Freitagabend in Paraty an und reiste am Sonntag um die Mittagszeit wieder ab. Das war ausreichend, um das Wichtigste in Paraty zu sehen. Wenn ihr Zeit habt, würde Charlie aber empfehlen, zwei ganze Tage oder sogar drei zu bleiben, um alles dort zu erleben.
Cachaça-Verkostung und Schwimmen unter einem Wasserfall
Der Samstag war für die Tour vorbehalten, durch die Charlie auf Paraty aufmerksam geworden war: Eine Jeep-Safari in den Regenwald. Während der sechsstündigen Tour hielten sie an zwei Stellen mit Wasserfällen und zwei Cachaça-Destillerien.
Wasserfälle rund um Paraty
Der erste Halt an einem Wasserfall war am Cachoeira Pedra Branca, wo jeder 10 BRL Eintritt bezahlen musste. Vom Parkplatz war es noch ein kurzer Spaziergang inmitten von Bambus, was Charlie sehr an die Gegend um Uvita in Costa Rica erinnerte. Dort ist auch ein verlassenes Gebäude, von wo aus man einen guten Ausblick auf den unteren Teil des Pedra-Branca-Wasserfalls hat.
Ein Stück weiter oben kann man schwimmen und ein Foto vom Wasserfall machen. An diesem Morgen fanden mehrere Jeep-Safaris statt und sie alle schienen als erstes an diesem Wasserfall zu halten. Es war viel los. Charlie genoss das kühle Wasser an diesem heißen Tag.
Der zweite Wasserfall-Stopp war nach dem Mittagessen am Poço de Tarzan. Das Restaurant, wo sie zu Mittag aßen, trug den gleichen Namen. Unter diesem Wasserfall kann man nicht nur schwimmen, sondern auch eine natürliche Wasserrutsche ausprobieren. Man muss sich nur setzen, Schwung holen und rutscht direkt ins untere Becken. Außen den Tourguides sind dort auch Helfer, die gerne auch mal einen Schubs geben, wenn man das möchte.
Weiter oben ist noch ein kleinerer Wasserfall, den man von einer Hängebrücke über dem Fluss aus sehen kann. Charlie beobachtete auch ein paar Abenteurer, die von weiter oben ins Becken des Wasserfalls sprangen.
Vom Zuckerrohr zum Caipirinha
Es heißt, dass das traditionelle brasilianische Getränk, der Caipirinha, in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Heilmittel gegen Cholera in Paraty erfunden wurde. Bis heute ist die Cachaça-Tradition in der Gegend stark vertreten und man sollte sich eine Verkostung nicht entgehen lassen. Zum Jeep-Ausflug gehörten auch zwei Stopps in Destillerien, den sogenannten Alambiques. Sie besuchten die Alambique Pedra Branca und die Alambique Paratiana. Charlie lernte dort, wie Cachaça hergestllt wird und probierte verschiedene Sorten. Einer davon erinnerte sie an den Honigrum der Kanarischen Inseln.
Der regionale Cachaça, auf den die Einheimischen besonders stolz sind, ist der sogenannte Gabriela, der mit Nelken und Zimt versetzt ist. Charlie schmeckte beides sofort. Es erinnerte sie an Weihnachten und schmeckte wie flüssige Lebkuchen. Der Gabriela Cachaça geht auf den Roman “Gabriela wie Zimt und Nelken“ von Jorge Amado zurück. Der Film von 1983 wurde in Paraty gedreht und das Haus ist noch heute dort. Neben dem Cachaça sieht man in Paraty viele weitere Bezüge auf Jorge Amado. Charlie gönnte sich zum Beispiel ein Maracuja-Törtchen mit Gabriela Cachaça.
Die Stadt Paraty
Charlie kam in der Nacht in Paraty an und sah in der Dunkelheit nicht viel. Als sie am nächsten Morgen zum Treffpunkt für die Jeep-Safari lief, lief sie am Fluss entlang, überquerte ihn und stand auf einmal inmitten historischer Gebäude aus der Kolonialzeit, sowie unebenem Kopfsteinpflaster. Es erinnerte auf gewisse Weise an Antigua, war aber dennoch anders. Die Häuser in Paraty sind vorrangig weiß mit farbigen Mustern. Der Stadtkern ist Fußgängerzone und das Kopfsteinpflaster ist auch anders als in Antigua.
Vom Fischerdorf zur Stadt
Der Name des Ortes stammt von der Bezeichnung der Ureinwohner für einen Fisch in der Bucht: paratii. Zu Kolonialzeiten wurde das Fischerdorf zu einem der wichtigsten Häfen. Die Stadt wurde unter Berücksichtigung von zwei Faktoren gebaut: Überflutungen durch Gezeiten und das Risiko von Piratenangriffen. Letzteres führte zu einer Bauweise, durch die der Ort vom Meer aus wie eine Festung aussieht und auch im Ort ist die Sicht begrenzt. Die Straßen wurden so angelegt, dass man nicht sehen kann, wo sie enden und alles erscheint wie ein Labyrinth. Die Gezeiten wurden genutzt, um die Straßen regelmäßig überfluten zu lassen, um sie zu reinigen. Die Gebäude liegen zudem etwas höher als die Straße, damit das Wasser keine Schäden hinterlässt und zum Meer zurückfließen kann.
Kirchen in Paraty
Der historische Stadtkern ist klein, hat aber trotzdem vier Kirchen, eine für jede ethnische Gruppe und soziale Schicht zur Kolonialzeit. Die Kirche Santa Rita de Cássia ist die älteste und wurde 1722 erbaut. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Kunstmuseum. Direkt nebenan ist die malerischste Straße in Paraty, Rua do Fogo. Dort solltet ihr auf jeden Fall einen Foto-Stopp einlegen. Die Kirche Igreja Nossa Senhora das Dores wurde im Jahr 1800 erbaut und zählt zum Kulturerbe. Die Gemeindekirche sieht man sofort, wenn man über die Brücke in die Altstadt kommt. Die weist eine Besonderheit auf: Sie hat keine Türme. Das ist auch gut so, denn der Boden würde das Gewicht nicht aushalten und die Kirche würde sinken. Sehr versteckt in der historischen Architektur ist eine weitere Kirche, die Igreja do Rosario, die 1725 für Sklaven erbaut wurde. Wenn ihr davor steht, solltet ihr nach einer historischen Straßenlaterne Ausschau halten. Neben und vor der Kirche sieht man auch Angehörige indigener Gruppen, die Kunst und Handwerksstücke verkaufen.
Eine Stadt, verschiedene Epochen
Die Straßen in Paraty werden am Abend geschäftig, wenn die Restaurants Tische und Stühle aufstellen und alle Touristen, nach Souvenirs stöbern. Die meisten Geschäfte haben lange Öffnungszeiten und auf dem Platz neben der Gemeindekirche finden oft Konzerte oder andere Veranstaltungen statt.
Paraty gehört zum UNESCO Weltkulturerbe als eine Stätte, an der prähistorische archäologische Funde auf historische Gebäude treffen und es weiterhin Gemeinden gibt, die auf traditionelle Weise das Land bewirtschaften.
Bei einem Spaziergang durch die Gassen sieht man auch Elemente der Freimaurer. Die Symbole sind an bestimmten Häuserecken gut erkennbar. Diese folgen meistens dem gleichen Stil und der Farbgebung der Architektur.
Paraty wurde zu Kolonialzeiten als Endpunkt der Goldroute bekannt. Das Gold wurde von Minas Gerais gebracht und in Paraty auf die Schiffe nach Portugal geladen. Die Goldroute wurde zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert geschaffen und ist noch heute als Wanderweg vorhanden. Ein Schild mit einer Karte am Praça do Chafariz in Paraty dient noch heute als Meilenstein.

Andere Aktivitäten in Paraty
Charlies Unterkunft war ein Stück außerhalb der Altstadt in einer Pension am Praia do Pontal. Von dort aus waren es zu Fuß 10 Minuten bis ins Zentrum und es lag direkt am Strand. Es gibt dort ein paar Bars und Restaurants, ist aber generell sehr ruhig. Es ist auf jeden Fall eine Abwechslung zu den überlaufenen Stränden in Rio. Paraty liegt in einer Bucht und das Wasser ist sehr ruhig. Durch die Inseln vor der Küste wirkt es fast wie ein See.
Man sieht von dort aus auch den Fluss und den Hafen, wo eine große Anzahl kleiner Boote Touristen für Tagesausflüge durch die Bucht fahren. In der Gegend sind mehr als 300 Strände und 65 Inseln. Man könnte dort auf jeden Fall mehr als ein Wochenende füllen und hätte immer noch Orte zu entdecken.