Surffilm: Undercurrents (2019)
Leidenschaft, Bewusstsein und die Liebe zum Surfen
Wenn ihr selbst surft und das hier lest, dann wisst ihr wahrscheinlich schon, dass das Wasser alles andere in den Hintergrund stellt. Im Wasser zu sein, auf ein Set zu warten, von den Wellen getragen oder auch herumgewirbelt zu werden, lässt einen alles um sich herum vergessen. Man lebt den Moment und nichts anderes zählt mehr. Der gesamte Körper wird mit Glücksgefühlen überströmt. Das ist es, was die Produzenten von Undercurrents aufgegriffen und in einen herausragenden Film und eine Hommage ans Surfen verwandelt haben. Neben der meditativen Seite des Surfens liegt in Undercurrents auch ein Fokus auf weibliche Surfer und der Film erzählt die Geschichten von inspirierenden Persönlichkeiten in einer atemberaubenden Landschaft auf der Insel Jersey.
Online trailer of Undercurrents by https://www.siroko.com/tv
Die Wellen verstehen und sich selbst finden
Der Surffilm Undercurrents berührt verschiedene Aspekte des Surfens und jeder erkennt darin etwas anderes. Für Charlie geht es vorrangig um die meditativen Effekte des Surfens, die im Film auf wunderbare Weise dargelegt werden. Als die Idee zu dem Film 2012 entstand war das bewusste Erleben noch kein so viel verwendetes Konzept wie heute, es war aber schon immer ein Hauptbestandteil des Surfens. In Undercurrents geht es auch viel um den sogenannten Flow – dieses für den Moment leben.
Um den Zuschauer mit Wissen zum psychologischen Hintergrund zu versorgen und um uns verständlich zu machen, warum Surfen solch positive Auswirkungen auf Geist und Seele hat, kommen im Film Blue Health Coach Lizzi Larbalestier und Dr. Tamara Russell zu Wort. Zu Beginn wird klargestellt, dass jegliche Beschäftigung dazu zwingt, sich darauf zu konzentrieren und den Moment wahrzunehmen. Beim Surfen tritt dies noch stärker zu Tage, denn es ist nicht nur eine Aktivität, sondern findet im Meer statt. Wenn unsere Gedanken abschweifen, holt das Wasser uns zurück und das nicht unbedingt auf sanfte Weise. Außerdem wird uns dadurch bewusst, dass wir die Situation nicht kontrollieren und weist uns zurecht.
Auch wenn man nicht surft, hat das Meer an sich heilende Wirkung. Es wird im Film erwähnt und auch Bronwyn Harvey, ein der Regisseurinnen, weist in einem Interview daraufhin, dass noch so viel mehr dazu gehört, als was man in einem Film zeigen könnte. Die Farbe Blau, die beruhigenden Linien zwischen Strand, Meer und Himmel sowie Ionen im Wasser – das alles hat positive Auswirkungen auf die Gehirnaktivität und macht und einfach glücklich. Wahrscheinlich habt ihr euch schon selbst dabei erwischt, beim Anblick des Meeres einen Seufzer abzugeben.
Es geht nicht nur darum, den Moment zu erleben, sondern ihn auch zu genießen. An dieser Stelle rückt die Bedeutung von Spielerei in Undercurrents in den Vordergrund. Man sieht einen kleinen Jungen, der lernt zu surfen. Als Zuschauer sieht man seine Fortschritte, die er erlangt, indem er im Wasser spielt. Am Ende ist es das Gewicht eines Surfbretts auf dem Weg nach Hause, das ihn in die Knie zwingt oder besser gesagt: auf den Hosenboden, im Sand.
Wer hinter Undercurrents steckt
Surfen führte Bronwyn Harvey und Christina Baldwin im Jahr 2012 zusammen. Sie lernten sich bei einem Grillabend der Londoner Surfgemeinschaft kennen und verstanden sich auf Anhieb gut. Ihr eigener Weg führte sie schließlich an dieses wunderschöne Ziel, Undercurrents.
Christina war von Hause aus Fotografin, Bronwyn schnitt professionell Videos. Christina waren die positiven Auswirkungen des Surfens erstmal bewusst geworden während eines Wochenendausflugs. Sie verließen London um Mitternacht, um bei Sonnenaufgang im Wasser sein zu können. Ihr war eigentlich gar nicht danach und sie kränkelte ein bisschen. Als sie aber im Wasser war, änderte das plötzlich alles. Es war fast, als ob jemand alles neugestartet hatte und die Zeit stand still. Da war er, dieser Moment reiner Freude.
Filmprojekt mit Persönlichkeit
Die Regisseurinnen Bronwyn Harvey und Christina Baldwin weisen Charlie ebenfalls daraufhin, dass es ungewöhnlich ist, zwei Regisseure zu haben. Dadurch wird der Film zu einem femininen Projekt, das für Zusammenarbeit und Gemeinschaft steht – all die Leute, die es ermöglicht haben.
Der Aspekt der Gemeinschaft ist Christina besonders wichtig. Sie begründete die Bewegung Making Waves Global mit dem Ziel, mehr Frauen zum Surfen zu bringen und eine Gemeinschaft zu bilden. Das Bild hat sich in den vergangenen Jahren etwas verändert und es scheint nun gar nicht mehr so unwahrscheinlich, 1 Million Frauen im Surfen zu sehen. Bronwyn und Christina sind sehr froh darüber, dass Surfen immer mehr zum Frauensport wird.
Es ist im Surfen nicht ungewöhnlich, dass die Regisseure selbst Surfer sind, aber in diesem Fall scheint da noch so viel mehr dahinterzustecken: Gemeinschaft, Frauen im Surfen, Mitgefühl und auch die Musik. Das Lied am Ende von Undercurrents mit dem Titel „One More Wave“ wurde von Christina geschrieben und eingespielt. Bronwyn, die lange Zeit die Filme anderer Leute geschnitten hat, konnte nun ihr eigenes Projekt mit Herz und Seele umsetzen und wir können uns schon auf weitere Filme freuen:
“Because I’ve been an editor for so long and sort of stuck in that edit cave – I absolutely love it, I adore editing. But it’s difficult because it’s not often your love, your idea, that goes into that film. You’re often editing other people’s programmes or ideas – with a love for it because you really get into creating the magic of it. When it’s something that’s come from your heart it’s actually quite special to edit that as well. There’ll definitely be more movies.” (Bronwyn Harvey in an interview on 14/05/2020)
(deutsch: “Weil ich so lange schon Filme schneide und irgendwie nicht aus dieser Höhle herauskam – ich liebe es über alles, ich liebe Videoschnitt. Aber es ist nicht leicht, denn oft ist es nicht deine Liebe, deine Idee, die in den Film einfließt. Man schneidet oft, was andere sich ausgedacht haben – mit Liebe natürlich, denn man kann wirklich Magie kreieren. Wenn es etwas ist, das vom Herzen kommt, dann ist es etwas Besonderes, das zu schneiden. Es wird definitiv weitere Filme geben.“)
Personen, Ort, Zeit
Neben den Experten in Psychologie und “Mindfulness” geht es in Undercurrents vor allem um zwei Surferinnen: Arlene Maltman und Natalie Fox.
Arlene war die erste Frau an der Spitze des Surfens in Vereinten Königreich; Natalie engagiert sich für den Schutz der Meere und arbeitet als Surf- und Yoga-Lehrerin in Jersey. Durch Zufall hat jemand namens Danny von der Idee für den Film gehört und stellte Bronwyn und Christina Arlene vor.

Arlene Maltman am Strand in Jersey
Die Hauptperson: Arlene Maltman
Arlene Maltman erinnert sich im Film daran, wie sie mit 12 Jahren mit dem Surfen angefangen hat und wie sie zum ersten Mal dieses Gefühl der Freiheit hatte. Der Film nimmt fast biographische Züge an, als sie darüber spricht, dass der Jersey Surfboard Club damals keine Wettbewerbe für Frauen veranstaltete. Das sollte sich ändern als Arlene ihre Karriere begann und 1984 die Meisterschaft gewann. Man sieht Zeichnungen von Kindern, die zu Arlene und ihr Surf-Können aufschauten, aber sie spricht auch übers Altern, das kalte Wasser und wie sich die Dinge im Laufe der Zeit ändern. Als die Jahre des Wettbewerbs vorbei waren, wurde Surfen wieder zum Spielplatz, auf dem sie sich austoben kann, ohne darüber nachzudenken, was andere denken und es einfach nur zu genießen.
Für Christina und Bronwyn, die Regisseurinnen von Undercurrents, war es eine der Schwierigkeiten in der Produktion des Films, dass sie die persönliche Geschichte der Akteure zeigen und mit dem Gesamtthema in Einklang bringen wollten.
Die Insel Jersey
Zu Beginn sollte der Film an verschiedenen Surf-Orten gedreht werden. Als aber die Produzentinnen sich der Schönheit Jerseys bewusst geworden waren und den starken Gemeinschaftssinn auf dieser kleinen Insel erlebt hatten, wurde der Plan geändert. Das Zuhause von Arlene und Natalie wurde das Zuhause für Undercurrents.
Dies bedeutete nicht nur, dass die Szenen sich in einer atemberaubenden Landschaft abspielen würden, sondern brachte auch einige zusätzliche Schwierigkeiten mit sich. Die Bedingungen im Wasser und das Wetter sind sehr unberechenbar in Jersey, was es für das Team schwer machte, gute Surfaufnahmen zu machen. Nachdem Charlie den Film Undercurrents gesehen hat, kann sie sagen, dass es ihnen trotzdem sehr gut gelungen ist!

Leuchtturm in Jersey bei Sonnenuntergang
Der Film ist voll von der Schönheit Jerseys; man sieht wie die Wellen gegen die Küste schlagen, aber auch wie die Ebbe weite Flächen freilegt. Jersey hat mit 12 Metern Unterschied eine der größten Reichweite der Gezeiten in der Welt.
Die Produzenten beschreiben auch magische Momente, als zum Beispiel ein Sturm die Landschaft über Nacht in tiefes Rot getaucht hatte, Segelboote, die sich sanft im Wind anstupsen und die Geräusche der Möwen. Das alles zusammen sorgt für die Magie in Undercurrents und was im Film wie ein Spezialeffekt erscheint war, in Wirklichkeit die Natur.

Landschaft in Jersey nach einem Sturm
Undercurrents genoss die Unterstützung vieler Einwohner Jerseys sowie Visit Jersey & Seymour Hotels of Jersey. Die Frauen im Film waren ebenfalls eine große Unterstützung und verbreiteten den Film auf ihren eigenen Kanälen und in sozialen Medien. Hier könnt ihr mehr über sie und ihre Projekte erfahren: Arlene Maltman @arlsmalt, Natalie Fox, Yogarama und Drift Retreats in Jersey, Dr. Tamara Russell von Psyched Global & Lizzi Larbalestier von Going Coastal.
Was seht ihr darin?
Undercurrents wurde erstmal im Oktober 2019 auf dem ShExtreme Filmfestival gezeigt. Die Produzentinnen sind stolz auf die positiven Kritiken, die sie erhalten haben, und bemerkten, dass jeder etwas anderes in Undercurrents sah. Für einige geht es um menschliche Verbindungen, für andere um Leidenschaft und Mitgefühl, etwas zu tun, was man liebt. Für Charlie geht es vor allem um die meditativen Effekte des Surfens. Außerdem geht es um Frauen im Surfsport und so vieles mehr. All diese verschiedenen Facetten des Surfens verschmelzen auf wunderbare Art und Weise in Undercurrents. Ihr müsst für euch selbst herausfinden, was für euch dahintersteckt.
Der Film sollte 2020 auf weiteren Surffilmfestivsals gezeigt werden, aber die COVID-19-Pandemie machte einen Strich durch die Rechnung. Undercurrents (in Englisch) kann derzeit für 5,61€ auf Amazon Prime Video ausgeliehen werden. Lasst euch von den Wellen davontragen!
Fotos: Christina Baldwin & Bronwyn Harvey