Urbane Kunst in Köln
Streetart, Murals und Handwerksarbeiten
Köln ist für historische Architektur und eine Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, bekannt. Die Stadt ist normalerweise nicht unter den Städten, die für Streetart bekannt sind. Das ist sehr schade, denn es gibt viel urbane Kunst in Köln, die verschiedene Formen annimmt von den traditionellen Murals bis hin zu Handarbeiten in 3D. Wer hätte je gedacht, dass das Wort „traditionell” einmal im Zusammenhang mit Streetart erwähnt wird? Wird diese Kunstform zum festen Bestandteil eines Stadtbildes?
Streetart mit dem Fahrrad entdecken
Charlie macht für gewöhnlich Stadtrundgänge zu Fuß, um Streetart zu entdecken, denn so lässt es sich besser fotografieren. An den Tagen, an denen sie in Köln war, gab es allerdings keine geführten Touren zu Fuß, nur eine mit dem Fahrrad. Das war eine neue Erfahrung und sie würde trotzdem gute Einblicke in die Streetart-Szene der Stadt bekommen. Die Tour wurde von Colonia Aktiv angeboten und Guide an diesem Tag war Sarah, die die Tour seit 7 Jahren anbot. Wie Streetart es so an sich hat, ist die Tour aber nie die gleiche.

Route der Straßenkunst in Köln
Die Tour begann am Eigelsteintor, eines der Stadttore ins mittelalterliche Köln. Zuerst radelten sie in Richtung Altstadt bevor es in die Teile der Stadt ging, die mit der Industrialisierung entstanden. Die Tour führte ins Gerling Quartier und von dort aus ins Belgische Viertel und nach Ehrenfeld. Es waren insgesamt rund 13 Kilometer und sie dauerte ungefähr 3 Stunden. Wie lang die Tour ist, hängt auch ein bisschen davon ab, wofür sich die Teilnehmer interessieren. Es war eine kleine Gruppe und sie hielten regelmäßig an, um die Kunst zu bestaunen und legten sogar ein paar zusätzliche Pausen ein.
Bananenkunst in Köln
Der erste Stopp war an einem riesigen Wandgemälde, von wo aus man die Türme des Doms im Hintergrund sehen konnte. Es befindet sich am Eingang zur Altstadt und zeigt, wie es um die Künstlerszene in Köln steht, die durch Finanz- und Mediengesellschaften aus der Stadt vertrieben wurde und wieder hinein möchte. Zu diesem Kunstwerk haben unter anderem Künstler der Gruppe Captain Borderline beigetragen. Im Zentrum des Bildes steht eine Banane, die vom sogenannten Banana Sprayer inspirierte wurde.
Die Banane gilt in Köln als Qualitätssiegel und ist das inoffizielle Logo der Künstlerszene. Thomas Baumgärtel, die Person hinter dem Pseudonym Bananensprayer, platziert die Banane neben der Tür zu Kunstgalerien, die er für gut befindet. Falls ihr in Köln auf Kunst aus seid, lasst euch einfach von der Banane leiten.
Im Gemälde sind noch viele weitere Elemente, die sich auf gesellschaftliche Missstände beziehen und politisch Stellung beziehen.

Eine Frage der Auslegung
Mitten im Belgischen Viertel, gegenüber Kirche St. Michael am Brüsseler Platz ist eine Skulptur von Mark Jenkins. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass ein Person auf dem Balkon im ersten Stock säße. Dass die Person kein Gesicht hat, macht es aber deutlich. Die Statue bezieht sich auf die Frage, wem die Stadt denn gehöre. Sie könnte für die Leute stehen, die um den Platz herum leben und skeptisch auf die Partys, die am Abend passieren, herabschauen. Ebenso könnte sie für die Partygäste stehen, die auf dem Platz sitzen bleiben, obwohl sie mehrfach gebeten wurden, zu gehen.

Ein farbenfrohes Belgisches Viertel
Wenn man sich umschaut, sieht man nach und nach immer mehr Kunstwerke. Am offensichtlichsten sind die Dschungel-Wände, die der Künstler auf Anfrage der Hausbesitzer erschafft. Ein weiterer außergewöhnlicher Ort ist ein Frisör, der Künstlern erlaubt, die Fassade zu dekorieren. Es ist eine Mischung aus kleinen Paste-Ups, Gemälden und Handarbeiten von kleinen Manga-Figuren, die illegale Substanzen rauchen bis hin zu gestrickten Oktopussen und Bildern. Auf dem Weg dorthin fallen auch die vielen bemalten Tore und Rollläden auf, die das Viertel farbenfroh gestalten.
Streetart in Ehrenfeld
Wenn man in Köln einen Ort für Streetart auf jeden Fall besuchen sollte, dann ist das Ehrenfeld. Es gibt drei Stellen, zwei davon sind Bahnhöfe. Der Bahnhof Köln-West ist mit einem riesigen Mural bedeckt, das vom Eingang bis zum Gleis reicht und mehrere Tiere zeigt, die man für gewöhnlich im Wald findet.
Der Bahnhof Ehrenfeld bietet eine noch viel größere Leinwand für Murals und Mosaiken. Ein riesiges Bild im Tunnel, das an ein surrealistisches Gemälde erinnert, inspirierte Charlie am meisten.
Der dritte Ort in Ehrenfeld ist die Körnerstraße, die eine echte Streetart-Galerie ist und Kunst verschiedener Größen und Techniken zeigt. Das Viertel und insbesondere diese Straße wurden in den vergangenen Jahren gentrifiziert und lassen trotzdem genug Platz für Kunst.
Streetart von industriellem Charakter: Ein buntes Fabrikgebäude
Dieser Teil Kölns wird sich in den nächsten Jahren sehr verändern, das Heliosgelände. Wenn man sich dem Gebäude nähert, sieht man entweder den Heliosturm, ein modernes Fitnessstudio oder eine Baustelle. Genau dazwischen ist ein altes Fabrikgebäude, das die perfekte Leinwand für ein Mural bietet.
Streetart in Köln
Für Charlie war es eine Überraschung, dass Köln eine so lebhafte Kunstszene hat. Die riesigen Gemälde sind oft eine kulturelle Ausdrucksweise, die kleineren können als „niedliche Kunst“ beschrieben werden und politische Aussagen sind oft durch Wortspiele untergebracht. Man sieht auch viele Murals, die Gebäude zeigen, für die Köln bekannt ist, oder die Silhouette der Stadt. Wenn ihr die Chance bekommt, solltet ihr es euch anschauen.