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Postcards of the NHM wildlife exhibition

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54. Austellung „Wildlife Photographer of the Year” im Naturhistorischen Museum in London

UPDATE Oktober 2019: Der 55. „Wildlife Photographer of the Year“ wurde ermittelt. Die neue Austellung kann vom 18.Oktober 2019 bis 31.Mai 2020 besucht werden. Tickets können für £13.95 auf der Website des Naturhistorischen Museums erworben werden.

Charlie hatte diesen Ausflug schon eine Zeit lang vorgehabt. Zum Glück war diese Ausstellung für einen längeren Zeitraum vorgesehen, sodass sie ausreichend Zeit hatte, sie sich anzuschauen.

Wie man das Museum (nicht) findet

Der Weg zur Ausstellung verlief nicht ohne Komplikationen. Die App „Citymapper“ führte Charlie zum Museum, zeigte aber auf eine Stelle in der Mitte des riesigen Gebäudes – nicht etwa auf den Eingang. Sie folgte dem Weg, den die App ihr aufzeigte, entlang des Zaunes, der das Museum umgibt. Das einzige Ziel aber, was sie auf diese Weise erreichte war der Eingang für das Sicherheitspersonal, der nicht für Besucher gedacht war. Zumindest war dort jemand, den sie nach dem Weg zum offiziellen Eingang fragen konnte. Sie hatte schon fast geahnt, dass sie den ganzen Weg am Zaun entlang wieder zurücklaufen müsste zur gegenüberliegenden Seite des Gebäudes, noch einmal vorbei an Touristengruppen und Reisebussen.

Das alles wäre ja überhaupt kein Problem gewesen, wenn ihr Ticket für die Ausstellung nicht für einen bestimmte Uhrzeit vorgesehen gewesen wäre. Diese Uhrzeit lag zu diesem Zeitpunkt bereits 10 Minuten in der Vergangenheit.

Charlie lief also sehr schnell; man könnte schon fast sagen, dass sie rannte. Sie war bereits am Ausgangspunkt zurück angelangt, konnte aber noch immer keinen Eingang sehen, der sie auf die andere Seite des Zaunes bringen würde. Sie fragte ein Pärchen, das ebenfalls dort entlang lief, doch auch diese beiden suchten den Eingang. Vielleicht wäre es eine gute Idee, auf die Plakate, die das Museum umgeben und für die derzeitige Ausstellung werben einen Pfeil aufzudrucken, der anzeigt, in welche Richtung man um das Gebäude laufen müsse, um besagte Ausstellung zu finden. Das würde die Sache für verwirrte Touristen wesentlich einfacher machen.

Finde nun die Ausstellung im Museum

Mit Hilfe eines Mitarbeiters des Sicherheitsdienstes fand Charlie schließlich den Eingang. Jetzt musste sie nur noch die Ausstellung finden. Das wäre wohl wesentlich einfacher gewesen, wenn es nicht ein Samstag gewesen wäre, an dem das Naturhistorische Museum eine beliebte Anlaufstelle für Familien war. Charlie folgte den Hinweisen eines weiteren Mitarbeiters des Museums und nahm die Rolltreppe auf der linken Seite, aber alles was sie dort fand waren Vulkanausbrüche und zahlreichen herumrennende Kinder, die die interaktiven Modelle dieser Ausstellung testeten. Das war nicht der Ort, nach dem Charlie gesucht hatte.

Sie nahm die Treppen auf der anderen Seite ins untere Stockwerk, wo ein Lageplan mit Wegweisern auf die Wand gezeichnet war. Das war zumindest schonmal ein Fortschritt. Jetzt musste sie nur noch den Wegweisern folgen. Es war ein langer, umständlicher Weg durch das Museum, doch es sollte sich lohnen.

Banner for the exhibition Wildlife Photographer of the Year at the Natural History Museum

Die Ausstellung “Wildlife Photographer of the Year”

Ziel dieses alljährlichen Wettbewerbs mit anschließender Ausstellung ist es, mehr Aufmerksamkeit für die Natur und deren Schönheit zu wecken. Die Fotos in der Ausstellung sollen nicht nur das Schöne, sondern auch die Bedrohungen für die Natur zeigen. Damit passt alles perfekt zu der Idee, die sich hinter dem Naturhistorischen Museum versteckt: Besucher sollen die Art und Weise, wie wir die Natur betrachten, in Frage stellen.

Mal ganz abgesehen von beeindruckenden Bildern aus verschiedenen Teilen der Welt mochte Charlie es besonders an dieser Ausstellung, dass es zu jedem Foto detaillierte Informationen gab: die Situation, in der die Aufnahme entstanden ist, technische Angaben zur Kamera, dem Objektiv und den jeweiligen Einstellungen. Außerdem gaben einige der Fotografen an, wie viel Zeit sie wartend verbracht hatten, bis die perfekte Aufnahme gelang. Das ist etwas, was vor allem Anfänger leicht unterschätzen und es spielt dabei keine Rolle, ob man Straßenszenen oder Natur fotografiert: Sobald man ein bestimmtes Motiv einfangen möchte, das mit Menschen oder Tieren zu tun hat, muss man warten. Wenn man Glück hat, sind es nur fünf Minuten, aber es kann auch passieren, dass man Jahre lang zum gleichen Ort zurückkehren muss, bis sich der Moment ergibt. Dann muss man zudem auch die Kamera mit den richtigen Einstellungen bereithalten, denn der passende Moment könnte schnell vorbei gehen.

Vielfältige Umwelt

Die Ausstellung beginnt mit der Kategorie „Vielfalt“. Von Wüsten bis hin zu Gletschern kann man hier Landschaftsaufnahmen bestaunen (inklusive der jeweiligen Bewohner). Die Bilder zeigen zudem, wie sich die Landschaften im Laufe der Zeit verändern wobei sowohl natürliche Ursachen als auch Eingriffe durch den Menschen eine Rolle spielen.

Mitternachts-Spaziergang

Ein Foto in diesem Teil der Ausstellung hat Charlie ganz besonders fasziniert. Es trägt den Titel „The Midnight Passage“ (dt. Mitternachts-Spaziergang). Es zeigt den im Valldal-Tal heimischen Hirsch am Ufer eines Flusses. Im Hintergrund sieht man Berge. In der Bildbeschreibung erklärt der Fotograf Vegard Lødøen , wie stolz er auf diese Aufnahme ist. Es hatte Jahre gedauert, den Hirsch in geeigneter Pose vor die Kamera zu bekommen. Was Charlie an dieser Aufnahme besonders faszinierte, abgesehen vom Motiv, ist die Idee, die Kamera so zu positionieren, dass sie zur Hälfte über und zur Hälfte unter Wasser ist. Das ergibt eine aufregende Bildkomposition, die Charlie in der Art noch nie zuvor gesehen hatte.

Tiere in der Wildnis

Zwei weitere Bilder, die Charlie in Erinnerung geblieben sind, sind das eines Tigers, der an einem Baum herauf klettert und dabei direkt in die Kamera schaut und das eines Bären im Hochgebirge. In beiden Aufnahmen hat der Fotograf die Kameras fest installiert. Ausgelöst wurden beide Bilder per Bewegungssensor. Die Kameras waren an jenem Ort für mehr als ein Jahr installiert, bis sich die Tiere in geeigneter Weise in Pose setzten. Charlie würde diese Bilder hier gerne mit euch teilen, aber sie möchte einen Teil eurer Fantasie überlassen und zudem auch keine Bildrechte anderer Fotografen verletzen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 30. Juni 2019 im Naturhistorischen Museum in London, falls ihr es euch selbst anschauen möchtet.

Postcards of the NHM wildlife exhibition

Tierisches Verhalten

Der nächste Teil der Ausstellung ist die Kategorie „Verhalten“. Hier kann man Aufnahmen von Säugetieren, Wirbellosen, Vögeln und Reptilien in Bewegung, beim Essen, spielen oder im Kampf bestaunen.

Im Flug

Zwei Bilder sind dabei besonders aufgefallen. Eines zeigt einen fliegenden Fisch, der gerade an die Wasseroberfläche gekommen ist und von einem Tölpel (einem Vogel) gejagt wird. Charlie mochte diese Aufnahme von Sue Forbes besonders, da sie aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig es ist, ein Bild von einem fliegenden Vogel zu machen, auf welchem dieser scharf und in korrekter Belichtung zu sehen ist, in Kombination mit einem leicht verschwommenen Hintergrund. In der Aufnahme sieht man den Vogel in ganzer Schönheit sowie auch den fliegenden Fisch, der durch seine Bewegungen eine Spur auf der Wasseroberfläche hinterlassen hat. Von beiden Tieren ist zudem auch eine Spiegelung auf dem Wasser sichtbar.

Bitte nicht stören

Ein weiteres beeindruckendes Bild in diesem Teil war das von zwei Schlangen beim Paartanz. Auf den ersten Blick ist für den Betrachter nicht erkennbar, ob es sich um zwei Schlangen handelt oder lediglich eine wobei der Fotograf (Lorenzo Shoubridge) einen verschwimmenden Effekt gekonnt einsetzt, um das Auge zu täuschen. In der Beschreibung geht er darauf ein, wie vorsichtig er sich bewegen musste, um die Schlangen nicht abzulenken, da sie dann ihre Pose ändern würden. Für Charlie ist es ein weiteres Beispiel für einen Fotografen, der die Einstellungen der Kamera gut vorbereitet hatte, als sich die Chance für ein Foto ergab.

Kompositionen

In der Kategorie „Kompositionen“ war ein Bild, an das Charlie sich sehr gut erinnert mit dem Titel “The Upside-Down Flamingos” von Paul Mckenzie. Er machte die Beine der Flamingos und deren Spiegelung im Schlamm, in den er sich legen musste, zum Motiv der Aufnahme. Er hat dann in der Nachbearbeitung das Bild gedreht, was einen beeindruckenden Effekt auslöst. Charlie gefällt dieses Bild, weil es die künstlerische Seite der Fotografie zum Ausdruck bringt und zeigt, was mit ein wenig Fantasie und Nachbearbeitung möglich ist.

Charlie’s Lieblingsteil: Dokumentar-Fotografie

Der Teil der Ausstellung, der Charlie am meisten interessiert hat, war die Dokumentar-Fotografie, die vor allem zeigt, welchen Einfluss der Mensch auf die Tierwelt hat. Diese Art der Fotografie fasziniert Charlie, weil in jedem Bild eine Geschichte erzählt wird, die durch Bilder besser zum Ausdrucke gebracht werden kann als durch Worte.
Diese Bilder sollen beim Betrachter eine bestimmte Emotion auslösen. Wenn man einen Tiger auf einem Autopsie-Tisch sieht, der sich vor seinem Tod eine Pfote abgebissen hat, weil diese in der Falle eines Jägers steckte oder einen als Dompteur verkleideten Bären, der in einem Zirkus Tricks aufführt, dann ist man vom Leid dieser Tiere berührt.

Der traurige Clown

Ein Bild in dieser Ausstellung war dabei ganz besonders emotional, was nicht nur Charlie betraf. Auch die anderen Besucher um sie herum brachten dies zum Ausdruck. Das Bild wurde von Joan de la Malla in Indonesien aufgenommen und zeigt einen Makakken – einen kleinen Affen – mit dem Namen Timbul. Er trägt eine übergroße Clowns-Maske, die schwer auf seinem Kopf sitzt. Im Hintergrund sieht man seinen Besitzer, der ihn an einer Kette hält. Timbul hält seine linke Hand an der Maske, sein Kopf ist leicht nach vorn gebeugt, als ob er unter dem Gewicht der Maske nachgeben würde. Mit der Hand versucht Timbul seine Situation zu erleichtern. Beim Anbetracht des Bildes kann der Betrachter durch die Geste des Affen, sein Leid nachvollziehen.

Neben leidenden Tieren aber sieht man in diesem Teil der Ausstellung auch, wie der Mensch Tieren hilft anhand der Geschichte eines Flamingos, der nach einem Flug-Unfall schwer verletzt war. Eines dieser Bilder ist Charlie einige Tage zuvor bereits begegnet, als sie die Ausstellung Sony World Photography Awards im Somerset House besuchte.

Tiere in ihrer (un-) natürlichen Umgebung

Der Flamingo lebt mittlerweile mit einer Familie in deren Haushalt, da er nach dem Unfall und medizinischer Behandlung nicht mehr in seiner natürlichen Umgebung leben konnte. In der folgenden Kategorie „Lebensräume“ haben zwei weitere Bilder einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Eines davon zeigt einen Bären in der Stadt. Der Fotograf Marco Colombo gab dem Bild den Titel „Crossing Paths“ (dt. sich kreuzende Wege). Komposition und Belichtung waren an diesem Bild beeindruckend und es ist ein weiteres Beispiel für ein Bild, das nur entstehen konnte durch sofortiges Handeln des Fotografen und den auf Anhieb richtigen Kameraeinstellungen.

Ein weiteres Bild, vor dem Charlie eine Weile stehen blieb ist das eines Fuchses in einem offensichtlich heruntergekommenen Klassenzimmer. Der Boden ist bedeckt mit Gasmasken. Der Raum befindet sich in einem verlassenen Gebäude in Tschernobyl, wo sich 1986 eine Nuklearkatastrophe ereignete. Auch 30 Jahre später noch ist die radioaktive Strahlung so hoch, dass kein Mensch diese Region betritt. Es scheint jedoch, als ob die Natur ihren Weg in diese verlassene Gegend zurückgefunden hat. Der Fotograf Adrian Bliss bringt in seiner Bildbeschreibung deutlich Hoffnung zum Ausdruck.

Finde deine Berufung

In einem separaten Teil der Ausstellung und nicht nach einer bestimmten Kategorie sortiert, kann man die Arbeit junger Fotografen betrachten. Einige von ihnen waren gerade einmal 8 Jahre alt, als das Bild entstand, was die Qualität der Aufnahmen nicht vermuten lässt. Charlie würde diese Bilder als professionell und inspirierend beschreiben. Während sie eines der Bilder betrachtete stand ein Pärchen direkt hinter ihr. Sie fragte ihn: „Was hast du gemacht, als du 8 warst?“ „Nicht fotografiert“, war seine kurze Antwort. Beide waren sichtlich beeindruckt von den Bildern.

Charlie erinnerte sich in diesem Moment an ein Zitat, was sie mal irgendwo gelesen hatte. Es war in etwa so: „Was würde dein 8-jähriges Selbst sagen, wenn es sehen würde, womit du deinen Tag verbringst?“ Charlie hofft inständig, dass diese 8-jährigen Fotografen ihre Berufung nicht aufgeben, wenn sie das Alter erreichen, zu dem gesellschaftlicher Druck versucht ihnen einzureden, dass man einen Hochschulabschluss braucht und sie doch besser einen „richtigen Job“ erlernen.

Charlie hat als Kind gerne fotografiert und hatte den Fotoapparat bei jedem Schulausflug dabei. Allerdings hat sie das ganze bis vor kurzem nicht ernsthaft betrieben. Sie wünscht sich jetzt manchmal, dass sie früher über den technischen Aspekt und Komposition gewusst hätte. Aber es ist nie zu spät, einer Leidenschaft zu folgen und genau das macht Charlie jetzt. Während sie weiter ein bisschen übt und versucht, besser an der Kamera zu werden, wird sie sich weiterhin Inspiration von solch außergewöhnlichen Ausstellungen wie der Wildlife Photographer of the Year im Naturhistorischen Museum in London holen.

Stairs, wall and decorations at the Natural History Museum

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