Charlie in Stratford-Upon-Avon
Auf den Spuren Shakespeares
Wem sonst würde man wohl in Stratford-Upon-Avon einen Besuch abstatten? Natürlich ist es der berühmteste Sohn der Stadt: An diesem Ort erblickte William Shakespeare das Licht der Welt, wuchs auf und verließ diese Welt. Beinahe wäre Charlie hier aber vom Weg abgekommen und den Spuren eines anderen Schauspielers gefolgt, den die moderne Zeit nach England brachte: James Bond. Das kommt euch vielleicht etwas komisch vor, aber 007 war die erste Berühmtheit, die Charlie gegenüber erwähnt wurde, als sie im Hostel ankam. An der Rezeption erklärte man ihr, wie sie ins Zentrum käme. Die Dame erwähnte eine lange Straße, die Charlie würde entlanglaufen müssen. Als ob es die Strecke verkürzen würde, fügte sie hinzu: „Es ist eine berühmte Straße. Daniel Craig, der aus 007, hat dort ein Haus.“ Es erinnerte Charlie ein wenig an die Zeit in Los Angeles, wo man in den Hollywood Hills nach den Stars Ausschau halten konnte.
Bevor Charlie sich auf Entdeckungstour machte, ging sie zu einem Networking-Frühstück in Stratford und jeder Teilnehmer wurde gebeten, einen interessanten Fakt über sich selbst zu erzählen. Einer vor ihnen berichtete, wie er herausfand, dass sein Vater, der in den 60er-Jahren in einer Martini-Werbung zu sehen war, es 1969 abgelehnt hatte, für die Rolle des James Bond vorzusprechen. Charlie konnte nicht herausfinden, wie er hieß, aber es war eine weitere 007-Erwähnung bevor Shakespeare die Bühne betrat.
Wie man nach Stratford-Upon-Avon kommt
Gehen wir einen Schritt zurück und lassen Charlie erstmal ankommen. Sie war am Abend zuvor im Blenheim Palace und wollte von dort aus eigentlich direkt mit dem Bus nach Stratford-Upon-Avon, aber die Veranstaltung im Palast endete so spät, dass kein Bus mehr fahren würde. Deshalb musste sie nach Oxford zurück, einen Zug nach Banbury nehmen und noch einmal umsteigen. Von Oxford aus waren es 1,5 Stunden. Mit dem Auto wäre das alles so viel einfacher gewesen, aber Charlie versucht immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln voranzukommen, wenn sie reist – das ist umweltfreundlicher.
Sie kam um 23 Uhr in Stratford-Upon-Avon an und ein kurzer Blick auf Google Maps verriet ihr, dass es ein Spaziergang von 50 Minuten sei, um zum Hostel zu gelangen. Kurzer Hand beschloss sie, ein Taxi zu nehmen. Es stand bereits eines vor dem Bahnhof, sodass Charlie nicht einmal auf dem Handy nach einem Uber würde suchen müssen. Der Fahrer sagte, dass es um die 12£ kosten würde, letzten Endes zahlte Charlie aber nur 9£.
Wie sich später herausstellte, war es eine gute Entscheidung, keine Zeit zu verlieren, denn die Rezeption würde zeitnah schließen. Check-in ist für gewöhnlich bis 23 Uhr möglich. Zum Glück war die Rezeptionistin so nett, auf Charlie zu warten. Sie hatte sogar versucht, Charlie anzurufen und eine E-Mail geschrieben. Charlie kam gerade noch rechtzeitig an. Zum Glück! Die Rezeptionistin nahm sich sogar noch die Zeit, Charlie zu erklären, wie sie in die Stadt kommen würde. Bei dieser Gelegenheit erwähnte sie 007.
Spaziergang in die Stadt
Charlie würde am nächsten morgen früh bei der Networking-Veranstaltung, die sie gebucht hatte, sein müssen. Da die Buszeiten etwas ungünstig waren und sie sowieso etwas von der Gegend sehen wollte, beschloss sie zu laufen. Es waren fast 3 km, aber es war ein schöner Morgen und sie lief an sehenswerten Landschaften und Häusern vorbei. Sie konnte nichts entdecken, was darauf hindeuten würde, dass Daniel Craig dort lebte, aber man sah den Häusern an, dass es am Geld wohl nicht mangelte. Gerade als Charlie sich dachte, dass es sehr nach einer Gegend aussah, in der man auch einen Golfplatz finden würde, sah sie das Schild auf dem „Golfplatz“ stand.

Es war ein schöner Morgen-Spaziergang und es gab einen Fußweg an der Straße entlang (im Gegenteil zu Charlies Aufenthalt in Palm Springs im Jahr zuvor, wo es weder öffentliche Verkehrsmittel noch Fußwege gab). Nur der Weg nahe dem Stadtzentrum, wo Charlie über eine Brücke musste, war gesperrt. Zum Glück sah sie direkt eine weitere Fußgängerbrücke und wurde wieder einmal daran erinnert, nicht allein darauf zu vertrauen, was Google Maps anzeigte. Charlie war sehr überrascht als ein Herr, der aus der gegenüberliegenden Richtung an ihr vorbeilief, sie mit einem freundlichen „Guten Morgen“ grüßte. Es sollte eigentlich keine Überraschung sein, wenn Leute nett und respektvoll sind, aber wenn man eine Weile in London lebt, werden diese Dinge doch zur Seltenheit.
Durch die Gassen schlendern
Nach dem Networking-Frühstück wollte Charlie am Stadtrundgang teilnehmen. Um 11 würde es am Schwan-Brunnen losgehen. Charlie war früh dran und ging noch einen Kaffee trinken. Ein Stück weiter die Sheep Street hoch sah sie ein gemütliches Café mit dem Namen The Garden Café.
Erneut fiel ihr auf, wie viel freundlicher die Leute hier waren, als im geschäftigen London und so begann eine Unterhaltung mit dem Barista. Er empfahl Charlie, auf den Turm am Swan Theater zu gehen, weil man von dort den besten Ausblick über ganz Stratford-Upon-Avon hätte.

Als sie ihn nach dem Namen der Straße fragte, begann er sofort andere Gäste mit einzubeziehen. Sie wussten nicht nur den Namen der Straße (Sheep Street) sondern auch, dass der Viehmarkt (Rother market) im Mittelalter ganz in der Nähe gewesen war und das Schlachthaus für die Schafe befand sich in dieser Straße. Charlie war fasziniert, wie schnell man ein ganzes Café in die Unterhaltung einbeziehen konnte und dabei noch Informationen bekam, die man über eine Stadt niederschreiben kann. Sie empfiehlt sowieso: Fragt die Leute vor Ort!
Stadtrundgang in Stratford-Upon-Avon
Der Stadtrundgang begann um 11 Uhr vor dem Swan Theater und kostete 6£. Mit dem Ticket gibt es auch 6 Gutscheine, die für verschiedene Sehenswürdigkeiten in der Stadt genutzt werden können, darunter die Shakespeare Orte und Cafés, wo man Mittag essen oder einen Afternoon Tea genießen kann. Was für ein super Angebot!
Erster Stopp: Swan Theater und RSC
Der Guide an diesem Tag war Joan und sie begann die Tour mit einigen Hintergrundinformationen zum Swan Theater und der Royal Shakespeare Company (RSC), die sich direkt vor der Gruppe befanden. Sie erzählte, wie Stratford-Upon-Avon im 12. Jahrhundert unter Richard Löwenherz zur Marktstadt wurde und wie die Brücke im Jahr 1490 erbaut wurde. Sie liefen die breiteste Straße im Ort entlang, vorbei an dem Gebäude, das einst Gefängnis war und an dem Ort, wo die Peitsche in vergangener Zeit zum Einsatz kam. Es ist heute ein Kreisverkehr, an dem man auf dem Weg in die Stadt auf jeden Fall vorbeikommt.

Direkt neben dem Kreisverkehr sind zwei Häuser, die beide scheinbar aus der Zeit der Tudors sind, aber nur eines davon ist es wirklich. Joan fragte die Gruppe, welches es ihrer Meinung nach sei und alle lagen falsch, auch Charlie. Es wird hier nicht verraten, welches davon wirklich aus der Tudor-Zeit ist, aber wenn ihr an dem Rundgang teilnehmt und gefragt werdet, dann achtet einfach auf die kleinen Details und darauf, wie gut die Backsteine und das Holz geformt sind. War man zu Zeiten der Tudors in der Lage, exakt symmetrische Formen zu schaffen? Da habt ihr die Antwort auf die Frage, welches der Häuser echt ist und welches nur vorgibt es zu sein.
Die Familie Shakespeare

In einer Stadt wie Stratford-Upon-Avon, deren berühmtester Sohn William Shakespeare heißt, ist der Dramatiker während des gesamten Rundgangs anwesend. Verschiedene Orte erinnern an ihn. Während der Tour hört ihr von:
- Shakespeares ältester Tochter Susanna und dem zwielichtigen Mann, den sie heiratete,
- seiner Liebe zu Anne Hathaway, die 8 Jahre älter war als er und die er heiratete als er noch minderjährig war,
- den schweren Zeiten als Schauspieler während der Pest,
- Shakespeares ersten Gedichten, die ihn berühmt machten und rasend schnell bekannt wurden,,
- dem Haus, das er später im Leben kaufte, das heute als The New Place bekannt ist, und wie es abgerissen wurde, weil der spätere Inhaber keine Steuern zahlen wollte,
- der Schule, auf die Shakespeare ging,
- wie John Shakespeare (Williams Vater) während der Reformation religiöse Gemälde rettete, indem er sie übermalen ließ, anstatt sie zu zerstören,
- der zweiten Ehe seiner Tochter Susanna mit einem Arzt und warum wir heute den Ausdruck “einen Frosch im Hals haben” verwenden.
Die Heilige Dreifaltigkeitskirche
Einer der letzten Punkte des Rundgangs ist die Heilige Dreifaltigkeitskirche, in der Shakespeare getauft und auch begraben wurde. Sein Grab befindet sich im Altarraum neben seiner Frau und seinen Kindern. Die Kirche kann kostenlos besichtigt werden, für den Altarraum aber, wird man um eine Spende gebeten.
Charlie machte ein Bild des Grabsteins, obwohl sie für gewöhnlich nicht in Kirchen fotografiert aus Respekt vor denjenigen, die dort einen ruhigen Ort für ihre Gebete suchen. Das Grab selbst ist nicht besonders beeindruckend, hinter dem Gedicht, was darauf geschrieben steht und das Shakespeare angeblich selbst geschrieben hat, verbirgt sich eine interessante Geschichte. Es ist ein Fluch für all diejenigen, die es wagen sollten, seine Knochen von dort zu entfernen. Zu vergangener Zeit wurden die Knochen aus Gräbern entfernt, um Platz für neue zu schaffen und verbrannt. Daher stammt der englische Begriff „bonfire” (von bone=Knochen und fire=Feuer).

Charlie weiß nicht so recht, was sie davon halten soll, dass eine Kirche durch das Grab eines Dichters zur Touristenattraktion wird, aber was kann man schon machen? Sie ist ja selbst nicht ganz unschuldig.
Neben dem Grab ist eine Kopie des Eintrags im Register bei seiner Taufe und seinem Tod. Joan weist daraufhin, dass zu der Zeit, als er getauft wurde, offizielle Dokumente in Latein geschrieben wurden und so ist auch sein Name auf diesem Stück Papier. Als er starb, hatte sich dies zum Englischen verändert und auch sein Vorname wurde abgekürzt. Es steht geschrieben: „Will Shakespeare gent”. Dass er als Gentleman bezeichnet wurde und nicht als Dichter oder Dramatiker zeigt den Status, den er in der Stadt hatte, was sicher auch einen finanziellen Hintergrund hatte. Als er The New Place kaufte, war er der reichste Mann im Ort.
Andere Sehenswürdigkeiten beim Stadtrundgang
Natürlich führt die Tour noch zu vielen anderen Sehenswürdigkeiten in Stratford-Upon-Avon, aber es soll ja noch etwas für euch zum Entdecken übrigbleiben, wenn ihr die Stadt besichtigt, in der William Shakespeare 1564 das Licht der Welt erblickte und 1616 verstarb.
Charlie kann euch den Stadtrundgang in Stratford wärmstens empfehlen, da ihr auf diese Weise an all den wichtigen Orten vorbeikommt und auch noch zusätzliche Informationen bekommt, die dem ganzen einen Sinn geben. So müsst ihr euch auch keine Gedanken machen, falls ihr die Fakten zur englischen Geschichte und Literatur nicht mehr parat habt.
Der Rundgang endete am RSC, wo er auch begonnen hatte und Charlie beschloss, den Turm zu erklimmen. Immerhin war ihr das ja empfohlen worden. Sobald man oben ist, bekommt man einen Stadtplan, der genau zeigt, was sich in welcher Richtung befindet. Der Ausblick ist unglaublich, sogar an verregneten Tagen. Wieder war der Guide sehr nett und Charlie hatte eine nette Unterhaltung im Aufzug nach oben und unten.

Besuch bei Familie Shakespeare
Einen Ort sollte man in Stratford-Upon-Avon auf jeden Fall besuchen: Shakespeares Geburtshaus. Es ist ein freistehendes Haus mitten in der Henley Street. Es ist von Geschäften umgeben, man kann es aber kaum übersehen, da die Architektur wirklich hervorsticht.
Am Morgen noch vor dem Stadtrundgang hatte Charlie dort eine Schulklasse gesehen, die auf der Straße saß und versuchte, das Haus zu zeichnen. So lehrt man Kinder hier scheinbar die eigene Geschichte im Kunstunterricht. Charlie fragt sich, wie viele Male im Jahr man hier wohl Schüler in der Fußgängerzone sitzen sieht, die versuchen das Haus abzumalen.

Nach dem Stadtrundgang ging es für Charlie direkt dorthin. Eintrittskarten gibt es für 17.50£, oder 22.50£ für alle Shakespeare-Sehenswürdigkeiten zusammen. Es ist ein Jahr gültig. Wenn man mindestens zwei davon sehen will, ist es ein sehr gutes Angebot:
- Shakespeares Geburtshaus, wo er zur Welt kam und lebte, bis er 21 war
- Mary Ardens Tudor Farm, wo seine Mutter lebte und arbeitete (sie befindet sich in Wilmcote, 15 Minuten mit dem Auto vom Stadtzentrum entfernt, geöffnet von März bis November)
- Anne Hathaways Cottage, wo seine Frau aufwuchs (25 Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum)
- Shakespeares New Place, wo er und seine Familie bis zu seinem Tod lebten (5 Minuten zu Fuß vom Geburtshaus)
- Halls Croft, wo Shakespeares Tochter Susanna mit ihrem Ehemann John Hall lebte (10 Minuten zu Fuß vom Geburtshaus)
Dies sind die Eintrittspreise (zur Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels):
| Attraktion | Erwachsene | Kinder | Familienticket | Ermäßigt |
|---|---|---|---|---|
| Alle 5 Sehenswürdigkeiten | 22.50 £ | 14.50 £ | 59.50 £ | 21.00 £ |
| Shakespeares Geburtshaus | 17.50 £ | 11.50 £ | 46.50 £ | 16.50 £ |
| Mary Ardens Tudor Farm | 15.00 £ | 10.00 £ | 40.00 £ | 14.00 £ |
| Anna Hathaways Cottage | 12.50 £ | 8.00 £ | 33.00 £ | 11.50 £ |
| Shakespeares New Place | 12.50 £ | 8.00 £ | 33.00 £ | 11.50 £ |
| Halls Croft | 8.50 £ | 5.50 £ | 22.50 £ | 8.00 £ |
Shakespeares Geburtshaus
Zu Beginn des Rundgangs kann man einen Kurzfilm sehen, der zeigt, wie Shakespeares Stücke und Gedichte bis zum heutigen Tag ganze Generationen inspirieren. Es beginnt mit klassischen Theaterinszenierungen, bis hin zum Ballett „Romeo und Julia“ und der modernen Interpretation in dem Filmklassiker mit Leonardo Di Caprio. Sogar Homer Simpson in Tudor-Kleidung schafft es hier auf den Bildschirm.
Der Besucher kommt dann in den Garten, vorbei am Shakespeare Centre. Als Charlie dort war, waren gerade zwei Schauspieler direkt neben einer riesigen Statue des Meisters. Auf Anfrage hin spielten sie Szenen aus Shakespeares Stücken nach. Für Charlie präsentierten sie eine Szene aus „Romeo und Julia“. Charlie war beeindruckt. Die beiden müssen so viele Texte im Kopf haben, wenn sie auf Anhieb jegliche Szene aus jeglichem Stück rezitierten können.
Nachdem man den Garten durchquert hat, kann man das Geburtshaus Shakespeares betreten. Die Möbel wurden dort wieder erschaffen und der Besucher wird durch die verschiedenen Zeiten des Hauses geführt. Es wird gezeigt, in welchem Raum Shakespeare zur Welt kam, wo er als Junge schlief und wie das Haus nach seinem Tod zur Kneipe und zur Pension wurde. In jedem Raum gibt es Guides, die Fragen beantworten. Eine von ihnen sprach mit anderen Besuchern sogar Französisch. Durch ihre eigenen Sprachkenntnisse konnte Charlie ein bisschen lauschen. Auf diese Weise fand sie heraus, dass die heutigen Fenster im Haus aus Viktorianischer Zeit stammen. Die originalen aus der Tudor-Zeit waren sehr viel kleiner, um im Winter keine Wärme aus dem Haus zu lassen.
Da die Linie der Shakespeares mit seiner Enkelin endete, stand das Haus im 19. Jahrhundert zur Auktion. Ein US-Amerikaner wollte es in Einzelteile zerlegen, in die USA bringen, um es dort als Sehenswürdigkeit wiederaufzubauen. Ein weiterer englischer Autor durchkreuzte diese Pläne aber: Charles Dickens unterstützte eine Kampagne zur Rettung des Geburtshauses Shakespeares für die Nation. Dank seiner Hilfe steht es noch heute, wo es hingehört und kann besichtigt werden.
Afternoon Tea bei Hobson’s
Dann war es an der Zeit für eine Pause und was sonst würde man in einem Tudor-Städtchen mit viel Geschichte machen, als einen traditionellen Afternoon Tea zu genießen? Charlie hatte Joan zuvor gefragt, welchen der vielen Tea-Rooms in Stratford-Upon-Avon sie empfehlen würde und die Wahl fiel auf Hobson’s in der Henley Street. Es war nur 2 Gehminuten von Shakespeares Geburtshaus entfernt und sah sehr traditionell aus. Charlie genoss ihren Afternoon Tea mit 2 großen Scones. Sie bestellte nicht einmal den Riesen-Scone, aber es war dennoch der größte Scone, den sie jemals gegessen hatte. Es war sehr schmackhaft und Hobson’s war zurecht empfohlen worden.
Das Guild Hall Museum und Schule: Wo Shakespeare lernte
Jetzt war es schon fast 16 Uhr und Charlie musste sich entscheiden, ob sie lieber zur Tudor World oder zum Guild Hall Museum and School gehen würde. Tudor World war während der Networking-Veranstaltung empfohlen worden, auf das Guild Hall Museum wurde während des Stadtrundgangs aufmerksam gemacht.
Charlie entschied sich für einen Besuch im Museum.
Vor der Reformation wurde die Stadt von der Gilde regiert und das Gebäude, in dem sich heute das Museum befindet, war das Haus der Gilde – das Äquivalent des heutigen Rathauses. Charlie hatte sich die Kapelle nebenan während des Stadtrundgangs angesehen.
Im Museum nimmt man an einer interaktiven Tour teil, die mit einem Film und einer Präsentation über einige der Wandgemälde beginnt. Diese waren zu großen Teilen zerstört, einzelne Abschnitte aber noch sichtbar. Die Leiterin weist auf einige interessante Details hin und was diese im Mittelalter bedeuteten.
Der Besucher wird dann in die Räume im oberen Stockwerk geführt, in denen einst der Lateinunterricht für William Shakespeare stattfand. Es war ein Gymnasium und was dort gelehrt wurde, hing vorrangig von der Ausbildung des Lehrmeisters ab. Da dieser Priester war, war es vor allem Latein.
Als Charlie und die anderen Besucher das Klassenzimmer betraten, wartete Meister Thomas Jenkins bereits auf sie. Sie wurden angewiesen, ihren Sitzplatz mit Bedacht zu wählen, wobei er ihre Namen im Buch notierte, da sie zu spät zum Unterricht erschienen waren. Sie standen nun auf der Liste für die freitäglichen Peitschenhiebe. Schule muss zu Tudor-Zeiten großen Spaß gemacht haben. Ein Schultag dauerte 11 Stunden, 6 Tage die Woche. Bei Schulabschluss hatten die Schüler, die ausschließlich Jungen waren, 14000 Stunden Lateinunterricht gehabt. Dazu gab es pro Tag auch ein paar große Bier, denn Bier war zu jener Zeit gesünder als Wasser. Dem Meister standen täglich 8 Bier zu. Daher kommt der englische Ausdruck “one over the 8”, was so viel heißt, wie einen zu viel getrunken zu haben.
Charlie, die für die Dauer der Unterrichtsstunde zum Jungen geworden war, und die anderen, wurden dann zum Latein-Test gebeten. Es stellte sich heraus, dass sie ihre Sitzplätze nicht gut gewählt hatten, denn sie saßen dort, wo die älteren Schüler saßen. Diese hatten bereits ein paar Jahre Latein gehabt und brachten es für gewöhnlich den jüngeren Schülern bei. Zum Glück erinnerte sich eine der anderen Besucherinnen an die Konjugation des Verbs „amare“, die sie nun alle lernen würden. So schafften sie es auch wieder von der Strafliste. Da waren sie alle noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen.
Nun konnten die Besucher Fragen zu Shakespeares Leben und zum Schulunterricht zu jener Zeit stellen. Charlie war vom Wissen des Guides beeindruckt.
Der Rundgang endete im Raum nebenan, dem georgianischen Klassenraum. Hier kann der Besucher erleben, wie es ist, mit Feder und Tinte zu schreiben. Es ist gar nicht so leicht, wie man vielleicht denkt, da man nicht beeinflussen kann, wie viel Tinte herausfließt. Charlie aber war mit ihrem Ergebnis zufrieden und konnte die Schule an diesem Tag mit guten Noten verlassen.
Wenn man nur einen Ort in Stratford-Upon-Avon besichtigt, dann empfiehlt Charlie das Guild Hall Museum, da es unterhaltsam und zugleich informativ war. Die Zeit verging wie im Flug und es war bereits dunkel, als Charlie es verließ.
Was es noch in Stratford-Upon-Avon zu sehen gibt
Charlie hatte nur einen Tag in Stratford-Upon-Avon und dachte, dass es ausreichend sei. Wie sich herausstellte, war es das nicht. Sie hat jetzt ein Ticket für alle 5 der Shakespeare-Sehenswürdigkeiten und ein Jahr Zeit, noch einmal wiederzukommen, um sich die anderen 4 anzusehen.
Weitere Orte in Stratford wurden ihr für den nächsten Besuch empfohlen:
- Tudor World
- Warwick Castle
- Die 4 anderen Shakespeare-Orte: Mary Ardens Tudor Farm, Anne Hathaways Cottage, Shakespeares New Place und Halls Croft
Häufig gestellte Fragen
Wie kommt man nach Stratford-Upon-Avon?
Charlie hat den Zug von Oxford genommen, aber es gibt auch Verbindungen von London.
Wo kann man in Stratford-Upon-Avon übernachten?
Charlie übernachtete im YHA hostel und ihr Networking-Frühstück war im Double Tree by Hilton. Es gibt aber auch viele andere Hotels im Ort.
Was kann man in Stratford-Upon-Avon machen?
Charlie empfiehlt zunächst mit einem geführten Stadtrundgang anzufangen, um einen Überblick zu bekommen. Sie empfiehlt das Guild Hall Museum und Schule sowie die Häuser der Familie Shakespeare.
Wie viel kostet der Eintritt zu Shakespeares Geburtshaus?
Ein Erwachsenen-Ticket kostet 17.50 £, für 22.50 £ bekommt man schon ein Kombiticket für alle 5 Shakespeare-Häuser. Es ist ein Jahr gültig.
Wo kann man Stratford-Upon-Avon von oben sehen?
Für 3.00 £ kann man auf den Turm der Royal Shakespeare Company, auch bekannt als Swan Theater. Von dort oben hat man einen großartigen Ausblick über die Stadt.