Seattle
Wolkenkratzer treffen auf Natur und Geschichte
Der Flug nach Seattle war fast schon unwirklich. Je weiter sich das Flugzeug der Stadt näherte, desto mehr Wälder, Buchten und Inseln entdeckte Charlie im Pazifik. Und genau dazwischen liegt die Stadt, in deren Zentrum Wolkenkratzer stehen und in den Außenbezirken sind Holzhäuser verschiedener Größe zwischen Bäumen und Seen. Und dann war da Mount Rainier. Man sieht diesen Vulkan, wenn man aussteigt, außer, wenn es bewölkt ist. Charlie hatte Glück und wurde mit blauem Himmel begrüßt.

Pioneer Square: Architektur als Zeuge der Zeit
Beginnen wir aber im Stadtzentrum, dem Ort, wo die Stadt entstand: Pioneer Square. Die sogenannten Pioniere und die Denny Party erreichten diesen Ort, den wir heute Seattle nennen, in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die ursprüngliche Siedlung am heutigen Pioneer Square lag auf einem Flachland, das den Gezeiten ausgesetzt war. Wahrscheinlich wusste man es damals einfach nicht besser. Die erste Siedlung wurde regelmäßig überflutet.
Eine Tragödie im Jahr 1889 wurde zu einer zweiten Chance. Ein Großbrand zerstörte die gesamte Siedlung. Zum Glück kam dabei niemand ums Leben. Die Einwohner hatten zu dem Zeitpunkt gelernt, dass sie zu nah am Wasser gebaut hatten. Anstelle weiter ins Landesinnere zu ziehen, bauten sie eine Mauer und hoben die Stadt an. Anstelle von Holz nutzen sie für die neuen Gebäude Backstein, was man noch heute sehen kann. Um die Stadt anzuheben, wurde Landmasse aus den Bergen in Richtung Stadt abgetragen. So wurde die Stadt angehoben und die Berge wurden zu Hügeln. (Die sind aber immer noch sehr steil! Wenn man vom Ufer in die Stadt läuft, fühlt es sich nach Wanderung an.)
Die Händler aber wollten ihre Aktivitäten nicht einstellen bis das Projekt vollendet war. Sie bauten die Häuser schnell auf und die erste Etage wurde zu Geschäften. Als dann später die Straße angehoben wurde, konnte man per Leiter zu den Geschäften, die nun im Keller waren. Der zweite Stock wurde zum ersten Stock. Anstelle von Gehwegen, führten Tunnel an der Straße entlang.
Pioneer Square besteht aus einem Tunnelsystem, die nicht in den Boden gegraben wurden, sondern der Boden um sie herum wurde angehoben. Die Tunnel existieren weiterhin und sind teilweise noch in Gebrauch. Allerdings sind sie nicht miteinander verbunden. Man geht über eine Treppe in einen der Tunnel und bleibt auf dieser Straßenseite. Wenn man die Tunnel auf der anderen Seite der Straße sehen will, muss man wieder hochgehen, die Straße überqueren und dann auf der anderen Seite hinabsteigen.
Charlie machte die Tour „Beneath the Streets“, bei der man die Tunnel, die nicht öffentlich zugänglich sind, sehen kann.
Die Gebäude rund um den Pioneer Square stehen unter Denkmalschutz und dürfen nicht verändert werden. Wenn ihr ein Hotelzimmer-Angebot für 75 Cent pro Nacht seht, werdet ihr leider enttäuscht sein. Das ist ein altes Zeichen, das nicht abgenommen oder durch eines mit dem aktuellen Preis ersetzt werden darf.
Die Tunnel gehören der Stadt und die Gebäudebesitzer dürfen sie nutzen. In den 1920ern wurden sie hauptsächlich zur Lagerung von Whiskey und für geheime Bars genutzt.
Seattle und die Ureinwohner
Als die Denny Party 1851 ankam, war das Land bereits bewohnt von den Stämmen der Suquamish und Duwamish. Seattle ist in der Geschichte der USA eine Ausnahme, denn der Name der Stadt stammt von einem Häuptling der Ureinwohner, Häuptling Seattle. Die Beziehung war zunächst gut, bis sie in den 1860ern vertrieben wurden. Die Stadt ist auch in dieser Hinsicht eine Ausnahme, denn sie erkennt diesen dunklen Teil der Geschichte offiziell an. Vor dem Pioneer Building ist eine Statue von Häuptling Seattle.
Direkt daneben ist ein Totem, was allerdings eher für Verwirrung sorgt. Die Stämme der Region nutzten keine Totems. Das Original war von einem Stamm aus Alaska gestohlen worden. Die Stadt erhält die Replika als Mahnmal an die komplizierte Geschichte und das schwierige Verhältnis zu den Ureinwohnern.
Seattle im Goldrausch
Ein weiteres Ereignis in der Geschichte hatte starken Einfluss auf Seattle und ereignete sich nur wenige Jahre nach dem Brand: Der Goldrausch führte dazu, dass sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts Tausende von Menschen in die Region am Yukon in Kanada aufmachten. Seattle spielte zu Beginn und bei Ende dieser Reise ein wichtige Rolle. Zu Beginn beluden die Goldsucher ihre Schiffe in Seattle bevor es in Richtung Yukon ging. (Eine Tonne an Ladung ist noch in einem der Tunnel zu sehen.) Am Ende der Reise landeten die Goldsucher wieder in Seattle und brauchten die Hilfe der lokalen Bevölkerung beim Entladen der Schiffe. Das brachte zum Einen Arbeit in die Stadt, zum Anderen auch Reichtum und es führte dazu, dass ein Unterhaltungsviertel (eins mit Rotlicht) entstand. All das spielte sich am Pioneer Square ab. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, könnt ihr an einer der Touren am Abend teilnehmen.
Es gibt noch zwei weitere Orte in Seattle, die dieser Zeit gewidmet sind: das Klondike Gold Rush Museum am Pioneer Square und die Miners Landing am Ufer. Das erste dient der Bildung, das zweite ist eher ein Spielplatz für Erwachsene.
Andere Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt von Seattle
Heute sind am Pioneer Square zahlreiche Galerien, Cafés und Weinverkostungen. Es ist ein Ort für Touristen und Einheimische zugleich. Nicht weit entfernt ist die Jackson Street, die für ihre Rolle in der Musikgeschichte bekannt ist. Blues und Jazz lebten auf, Hendrix spielte dort und es war die Band Nirvana, die Seattle zum Geburtsort des Grunge machte.
Eine weitere Sehenswürdigkeit in der Nähe des Pioneer Square ist der Wasserfall-Park, ein urbaner Wasserfall. Der Ort erinnert an die Entstehung von UPS.
Unweit von dort ist auch das Geschäftsviertel von Seattle, oder wie die Einheimischen es gern nennen, der Amazon-Campus: South Lake Union. Dort stehen die Wolkenkratzer und wer geschäftlich in Seattle ist, wird auf jeden Fall den Weg dorthin finden.
Der internationale Bezirk mit China Town, Japan Town und Little Saigon ist auch nicht weit entfernt und man sieht zwei Stadien, den T-Mobile Park und das Lumen Field.
Öffentliche Verkehrsmittel in Seattle
Auf dem Weg zu den Stadien und dem internationalen Bezirk kommt man auch an zwei Bahnhöfen vorbei, die direkt nebeneinander sind: King Street Station, der heutige Amtrak-Bahnhof, und Union Station. Letztere ist nicht länger als Bahnhof in Betrieb, aber die beeindruckende Architektur und die Schilder blieben erhalten, als es zum Bürogebäude umfunktioniert wurde. Die prunkvolle Haupthalle kann man noch besichtigen. (Es gibt dort auch öffentliche Toiletten, die wahrscheinlich die besten sind, die ihr in der Innenstadt finden könnt.)
Zwei Bahnhöfe direkt nebeneinander sind schon eine komische Sache und etwas, das Charlie in noch keiner Stadt gesehen hatte. Beide entstanden um die gleiche Zeit (1906 und 1910), bedienten aber verschiedene Bahnlinien. Als Charlie das hörte wurde ihr klar, dass das wohl schon immer so war in Seattle und auch heute noch so ist.
Der öffentliche Nahverkehr in Seattle ist gut in dem Sinne, dass alles funktioniert und man auf effiziente Weise von A nach B kommt. Allerdings ist jeder Teil in anderer Hand und man braucht separate Tickets. Es gibt Busse, die Bahn Link Light Railway, Straßenbahnen, die Bahn South Lake Union Train und den Monorail, um nur ein paar zu nennen. Für jede davon braucht man ein anderes Ticket.
Wenn ihr euch eine Orca-Karte holt, könnt ihr die überall einsetzen, aber die Preise sind unterschiedlich. Es gibt keine Tageskarte, die für alle Verkehrsmittel gültig wäre. Anstelle der Orca-Karte, könnt ihr euch auch die Transit Go App herunterladen. Da müsst ihr auswählen, welches Verkehrsmittel ihr nehmen wollt, wenn ihr über die App ein Ticket kauft. Dieses Ticket müsst ihr dann einfach nur beim Fahrer vorzeigen. In den Bussen kann man auch bar bezahlen, aber es wird nicht gewechselt. Wenn ihr die 2,75 Dollar nicht passend habt, zahlt ihr zu viel. Mit Karte kann man in den Bussen nicht zahlen. Abgesehen davon, kommt man in Seattle mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ganz gut herum.
Pike Place Market
Es gibt einen Ort in Seattle, den man sich auf jeden Fall ansehen sollte. Der Pike Place Market öffnete 1907 als Bauernmarkt die Türen. Heute ist es mehr als nur ein Bauernmarkt. Man findet kleine Geschäfte und kunsthandwerkliche Produkte jeglicher Art. Im Untergeschoss gibt es Geschäfte sowie Restaurants. Man kann auch geführte Touren machen, um mehr darüber zu erfahren und alles zu sehen, ohne sich zu verlaufen.
Am Eingang zum Pike Place Market, neben dem berühmten Fischmarkt, ist ein lebensgroßes Sparschwein. Es heißt, dass es Glück bringen soll, wenn man etwas spendet und dem Schwein dabei den Rücken streichelt. Diese Tradition geht auf eine Zeit zurück, in der der Markt geschlossen werden sollte und durch großzügige Spenden gerettet wurde.
Außerhalb des Marktes auf der anderen Seite der Straße Pike Place sind zwei gastronomische Einrichtungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte: Beechers ist für Makkaroni mit Käse bekannt, die französische Bäckerei Le Panier für ihre Croissants. Stellt euch auf eine lange Warteschlange ein! Das Croissant, das Charlie sich gönnte, war die 15-minütige Wartezeit wert!
Das Seattle Centre
Auch dieser Teil der Stadt wurde durch ein historisches Ereignis geformt: Das Seattle Centre wurde als Austragungsort der Weltausstellung von 1962 gebaut. Das berühmteste Überbleibsel ist die Space Needle. Sie steht für Seattle wie der Eiffelturm für Paris und bietet einen herrlichen Ausblick über die Stadt und die Umgebung. Man kommt mit einem Aufzug nach oben und hat Zugang zu zwei Aussichtsplattformen. Die obere ist im Freien und man kann ein Selfie machen, das aussieht, als würde man über der Stadt schweben. Es gibt auch ein Café und ein paar Sitzplätze, um den Ausblick zu genießen. Die untere Plattform hat einen Glasboden, der sich dreht, sodass man an einer Stelle stehen bleiben kann und trotzdem alles sieht, was sich unter der Space Needle befindet.
Die Gegend ist nicht weit von der Innenstadt entfernt und man könnte es laufen oder auch einen Bus nehmen. Wenn ihr die ganze Touristen-Erfahrung wollt, dann solltet ihr den Monorail nehmen. Er wurde für die Weltausstellung 1962 gebaut und folgt dem futuristischen Rahmenthema. Er verbindet Westlake mit dem Seattle Centre und eine Fahrt kostet 3,50 Dollar. Die Bahn legt sich in die Kurve bevor sie durch ein weiteres futuristisches Gebäude fährt, das Museum of Pop Culture. Im sogenannten MoPop sind verschiedene Ausstellungen zu Musik und Science Fiction. Der Teil zur Musik dreht sich um die Musiker, die Seattle bekannt machten: Jimi Hendrix und Nirvana. Als Charlie dort war, gab es auch eine temporäre Ausstellung zu Keith Haring. Charlie liebt Streetart und das war genau ihr Ding!
Im Seattle Centre gibt es noch viel mehr zu sehen und zu entdecken und Charlie empfiehlt die Chihuli Gardens, einen Garten und ein Museum, in dem Glasskunst ausgestellt wird, und eine Kaffeepause bei KEXP radio. Es gibt ein Kombiticket für die Space Needle und Chihuli Gardens.
Wenn euch der Ausblick von der Space Needle noch nicht gereicht hat, gibt es noch zwei weitere Möglichkeiten, Seattle von oben zu sehen: den Columbia Tower und den Smith Tower, beide in der Innenstadt.
Laptop-freundliche Plätzchen in Seattle
Wenn ihr wie Charlie als digitaler Nomade in Seattle seid, dann müsst ihr sicher auch etwas Arbeit erledigen. Laptop-freundliche Cafés findet man Leicht. Hier sind ein paar, von denen aus Charlie während ihres kurzen Aufenthaltes gearbeitet hat:
- Zeitgeist: nicht weit vom Pioneer Square, gegenüber des Klondike Gold Rush Museum
- Caffe D’Arte: am Pioneer Square
- Argento: in Capitol Hill (wo Charlie auch ihre Unterkunft hatte)
- Caffe Ladro: in Capitol Hill an der 15th Avenue – ein Favorit!
- Ada’s Technical Books: in Capitol Hill an der 15th Avenue, coffee shop und Buchladen – die beste Atmosphäre!
- KEXP radio station: am Seattle Centre
- Chocolati: in der Nähe von Green Lake Park
- Pike Street Coffee: Unterhalb des Pike Place Market auf dem Weg zum Ufer
Wenn ihr für einen ganzen Tag lang einen Arbeitsplatz sucht und nicht in einem Café sitzen wollt, dann solltet ihr in die Stadtbibliothek gehen. Nehmt den Aufzug in den 10. Stock und lauft dann zur Nordseite des Gebäudes. Dort ist eine weitläufige Zone mit Schreibtischen und auch gemütlicheren Sitzgelegenheiten, um produktiv zu sein. Man braucht keinen Bibliotheksausweis, um dort hinzukommen.