Rye – Einer der schönsten Orte an Englands Küste
Charlie auf historischer Entdeckungstour in Rye
Charlie war nicht zum ersten Mal in der historischen Kleinestadt Rye in East Sussex, aber es war einer dieser Orte, an den man gerne zurückkehrte, wenn man einen Ort besuchen wollte, der zugleich hübsch und historisch ist, seinen eigenen Charme hat und wo die Uhren ein wenig langsamer ticken als im aufregenden London.
Im Jahr 2013 war Charlie zum ersten Mal in Rye als sie während ihres Praktikums in Kent lebte. Auf der Arbeit fanden damals regelmäßig Workshops statt, wo neben Arbeit auch englische Kultur und Traditionen diskutiert wurden. Anfang November ging es da natürlich um die Guy Fawkes Nacht und die Abteilungsleiterin hatte empfohlen, bei dieser Gelegenheit der Stadt Rye einen Besuch abzustatten. Scheinbar war dies einer der besten Orte für Feuerwerk und Lagerfeuer im Süden Englands.
Charlie muss zugeben, dass ihre Chefin beim Praktikum nicht übertrieben hatte, als sie Rye als Ausflugsziel empfahl. Charlie was damals noch nicht so talentiert, was das Fotografieren angeht und hat somit beschlossen, Rye nun erneut zu besuchen und es hier mit euch zu teilen.
Traumhafte Kleinstadt, wo Geschichte lebendig wird
Rye war einst von Wasser umgeben und sieht noch immer wie eine Insel aus, die auf einem Hügel gelegen die Landschaft überragt und daher traumhafte Aussichten bietet. Aber es ist nicht nur die Aussicht, die diesen Ort besonders macht, sondern auch die lebendige Geschichte, die man bei einem Spaziergang durch den Ort nachempfinden kann. Schließt euch Charlie doch einfach auf ihrem Spaziergang durch diese Kleinstadt an und reist mit ihr durch die Zeit.
Um sich einen Überblick zu verschaffen beginnt man den Rundgang am besten am “Rye Heritage Centre”. Dort kann man die gesamte Stadt in Miniatur sehen. Nehmt einfach Platz und erfahrt ein paar interessante Fakten aus der Geschichte Ryes. Vereinzelt leuchten die Stellen in Miniatur-Rye auf, an denen sich das Erzählte ereignete.
Das mittelalterliche Rye
Bevor die Normannen sich in England niederließen, war Rye lediglich eine kleine Fischergemeinde, die vom Meer umgeben war. Aber der Ort war zu Höherem bestimmt und erlebte seine besten Zeiten im 13. Jahrhundert als wichtiger Handelshafen. als solcher war es ständigen Angriffen aus Frankreich ausgesetzt. Aus diesem Grund wurde im 14. Jahrhundert eine Stadtmauer mit 4 Toren errichtet, von denen heute nur noch das Landgate und der Ypres Turm bestehen. Diese Befestigungsanlagen sollten die Stadt vor den verheerenden Angriffen schützen. Außerdem sollten auch die Glocken der St. Marien Kirche kein zweites Mal gestohlen werden, nachdem sie nach dem ersten Raub wieder zurückgeholt worden waren.
Ein Paradies für Schmuggler
Im 18. Jahrhundert war Rye ein Umschlagpunkt für Luxusgüter wie Tabak und Rum aus Übersee. Finanziell ging es der Stadt zu jener Zeit gut, aber es hatte auch eine negative Seite, denn letzten Endes wurden mehr Waren illegal gehandelt als legal. Rye wurde zur Heimat verschiedener Schmuggler-Banden. Einige der Tunnel und Gänge existieren bis heute. Nicht nur diese können besichtigt werden. Wenn man durch die Gassen schlendert sieht man viele Häuser aus dem 14. Jahrhundert. Es ist wie eine historische Schatztruhe, und das kommt nicht von irgendwo: Die gesamte Stadt steht unter Denkmalschutz und hat sich seit Jahrhunderten nicht verändert. Sie wird es wohl auch in Zukunft nicht.
Vor dem Rundgang legte Charlie erstmal eine Kaffeepause ein in einem der vielen Cafés, die es in Rye gibt. Eines davon liegt direkt neben dem Heritage Centre am unteren Ende der Mermaid Street.

Rundgang durch historische Gassen
Nach der Kaffeepause und einer netten Unterhaltung mit einem älteren Herrn ist es für Charlie an der Zeit, auf Entdeckungstour zu gehen und sich selbst anzuschauen, was Denkmalschutz in Rye bedeutet. Wenn man die Mermaid Street hinauf geht, kommt man zum höchstgelegenen Punkt der Stadt, der St. Marien Kirche. Freunde von Charlie sagten beim Anblick der Fotos der Mermaid Street: “Deshalb möchte ich in England leben“ oder „das sieht aus wie im Märchen.“
Das jüngste Haus in der Straße ist das Mermaid Inn, das im Jahr 1420 neu erbaut wurde. Diese Jahreszahl macht es zu einem der modernsten Gebäude in Rye. Heute befindet sich dort ein Restaurant und ein Gästehaus.

Andere Häuser in der Straße haben sehr kreative Namen. Gegenüber dem Mermaid Inn befindet sich “Das Haus gegenüber” und das Haus mit zwei Türen heißt „Das Haus mit zwei Türen“.
Nutzt die Gelegenheit und entflieht dem modernen Leben. Reist mit Charlie zurück zu der Zeit, als Königin Elisabeth I. im Jahr 1573 die Stadt besuchte oder als König Georg I. durch Zufall im Jahr 1726 einige Zeit in Rye verbrachte. Nach dem Besuch der Mermaid Street kann man durch den Garten der St. Marien Kirche schlendern bevor man sie sich von innen ansieht.
Was man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, ist der Kirchturm. Die Aussicht von dort oben macht den Aufstieg über steile Treppen und enge Gänge lohnend.

Charlies nächster Halt ist der Ypres Turm, der einen Teil der Ausstellung des Rye Castle Museums zeigt und noch weiter in die Geschichte eintauchen lässt. Dort lernt man noch mehr über die konstante Abwehr gegen die Franzosen, über die Schmuggler und die wechselnde Rolle des Turms im Laufe der Geschichte. Es gibt auch einen Balkon, von dem man eine gute Aussicht über die Landschaft hat, aber die Aussicht vom Kirchturm übertrifft es nicht.
Außerdem kann man Fotos von Kanonen machen und Helme probieren, die Ritter trugen, als sie den Turm in vergangener Zeit verteidigten. Für Charlies kleinen Kopf waren die Helme zu groß, aber euch passen sie vielleicht.
Weiter geht die Tour durch das Stadtzentrum. Charlie läuft erneut an der Kirche vorbei und schaut in den wohl kleinsten Buchladen, den sie je gesehen hat. Wenn ihr davor kurz Halt macht, könnt ihr vielleicht auch den Lavendel riechen. Sie läuft die Lion Street hinunter, an der Touristinfo vorbei und zur Hauptstraße, wo sich in den historischen Gebäuden viele kleine Geschäfte befinden, die alle eine Geschichte zu erzählen haben.

Das “moderne” Rye
Mit der Zeit hat sich das Meer zurückgezogen und liegt nun ungefähr 3 km von der Stadt entfernt. Die Landschaft hat sich somit verändert. Es gibt auch keine Schmuggler oder französische Angreifer mehr. Alles was bleibt, ist ein historisches, märchenhaftes Ambiente, das ein jeder spüren kann, der die schönen Dinge im Leben zu schätzen weiß.
5. November – ein denkwürdiger Tag
Nach dem Stadtrundgang fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, wie die Geschichte in einer historischen Stadt wie Rye wieder zum Leben erweckt werden kann und genau das passiert in jedem Jahr um den 5. November herum. Es ist die Guy Fawkes Night, auch als Nacht der Freudenfeuer bekannt.
Die wahre Geschichte hinter der Tradition
Es geht alles auf das Jahr 1605 zurück, als eine Gruppe englischer Katholiken versuchte das Parlament und die Regierung unter König James I. in die Luft zu sprengen. Er sollte durch einen katholischen Herrscher ersetzt werden.
Der Anschlag schlug fehl und Guy Fawkes wurde auf einem Pulverfass im Keller des Parlaments vorgefunden. Obwohl er nicht der einzige im Komplott war, wurde er zum Gesicht des Ereignisses, das heute als Gunpowder Plot bekannt ist und wurde öffentlich hingerichtet. Der Tag wurde zum offiziellen Feiertag der Englischen Krone und stand lange Zeit für Anti-Katholizismus. Es ging über die Jahre nicht ganz ohne Gewalt einher, ist aber heute eine friedliche Feier überall im Vereinigten Königreich. Lokale Vereine organisieren Prozessionen, bei denen ihr Guy Fawkes – für gewöhnlich ein Abbild einer bekannten Persönlichkeit (zumeist Politiker) – zur Feuerstelle getragen und angezündet wird. Dem Ritual folgt ein Feuerwerk.
Guy Fawkes Nacht in Rye
Zur Guy Fawkes Nacht in Rye kommen andere Vereine aus der Gegend, z.B. ausLewes, in die historische Kleinstadt, um am Umzug teilzunehmen. Sie laufen durch die Gassen und tragen Fackeln zur Feuerstelle am unteren Ende des Hanges. Sie entzünden das Feuer in einem traditionellen Ritual.

In dieser Nacht kommen viele Besucher nach Rye und es ist ganz schön viel los. Wenn man in einem der Restaurants oder Pubs essen möchte, muss man früh da sein. Wenn nicht, dann geht es euch wie Charlie und ihren Freunden in dieser Nacht. Sie mussten sich mit einem nicht so schmackhaften Burger von einem der Markstände zufrieden geben. Sie genossen zudem den ersten Glühwein der Saison, der im Gegensatz zum Burger sehr genossen wurde. Leider ist auch der historischste Ort nicht vor Kommerzialisierung sicher.

Besuch in Rye
Charlie kann es nur wärmstens empfehlen, Rye einen Besuch abzustatten – egal zu welcher Zeit im Jahr. Wenn man im Frühjahr oder Sommer kommt, kann man auch eine Vogel-Beobachtungstour machen und ein bisschen mehr von der Landschaft sehen.
Rye kann mit dem Zug von Hastings aus in 15 Minuten erreicht werden oder von Ashford in 20 Minuten. Beide Orte sind weniger als 2 Stunden von London entfernt und eine jede für sich einen Besuch wert. Charlie empfiehlt jedoch Hastings anstelle von Ashford, da es direkt am Meer liegt mit einer alten Burg und einer umfangreichen Geschichte.