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Lincoln castle

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Charlies Weihnachtsausflug in den Midlands

Charlie kam an einem Donnerstagabend in Lincoln an. An diesem Wochenende war Weihnachtsmarkt. Charlie war dieses Ausflugsziel mehrfach empfohlen worden. Sie kam mit dem Zug aus York und ging direkt zum AirBnB. Es waren ungefähr 20 Minuten zu Fuß bis zum Haus von Gill im westlichen Teil von Lincoln. Als Charlie ankam, war sie sofort begeistert. Sie wurde nicht nur freundlich von Gill empfangen und durchs Haus geführt, es wartete auch ein liebevoll geschmückter Weihnachtsbaum im Wohnzimmer.

Das Haus war mit viel Liebe eingerichtet und Charlie war in einem Zimmer mit einem gemütlichen Bett, einem Sessel und einer Küchenecke, untergebracht. Gill war sehr zuvorkommend und bot Charlie sogar einen Bademantel und eine Wärmflasche an, falls ihr in der Nacht kalt werden sollte. Es war eine sehr schöne Geste, aber nicht nötig, da das Haus auch so schön warm war.
Window with Christmas tree at Gill's House in Lincoln

Ein Schloss umgeben von Festlichkeit

Charlie musste am Freitag ein bisschen arbeiten und das machte sie von einem gemütlichen Chaiselongue in Gills Wohnzimmer. Ein Blick auf den Weihnachtsbaum war natürlich inbegriffen. Als sie ihre Arbeit erledigt hatte, machte sie sich auf zum Schloss in Lincoln. Im Internet hatte sie kein Ticket mehr bekommen und hoffte am Eingang mehr Glück zu haben. Der Plan ging auf! Sie kam um 14.30 Uhr an und konnte direkt hineingehen, um sich das Gefängnis aus Viktorianischer Zeit anzusehen. Sie wollte auch den Rundgang entlang der Schlossmauern machen, allerdings lieber erst am Abend, wenn alles schön beleuchtet wäre. Auch dafür gab es im Internet keine Tickets, direkt am Ticketschalter im Schloss aber schon. Die Verkäuferin war sehr freundlich und ermöglichte es Charlie sogar, beides in einem Ticket zu bekommen, auch in anderer Reihenfolge als vorgesehen.

Ist das der Eingang zum Gefängnis?

Was für eine verrückte Frage, in diesem Fall aber sinnvoll. Im Schloss von Lincoln befindet sich ein Gefängnis aus Viktorianischer Zeit, das man besichtigen kann. Man kann sehen und hören, wie der Alltag im Gefängnis aussah und sogar einige der Freizeitaktivitäten von damals selbst ausprobieren. Man hört Geschichten der Gefangenen, für welche Vergehen sie einsaßen und was mit Babys geschah, die im Gefängnis zur Welt kamen. Die Kapelle war für Charlie eine Überraschung. Es sah gar nicht wie eine übliche Kapelle aus, sondern eher wie ein Gerichtssaal und alle Teilnehmer saßen in separaten Boxen. Auf diese Weise sollte verhindert werden, dass die Gefangenen im Gottesdienst miteinander sprachen. Als Besucher konnte man zur Kanzel hinaufgehen und sich alles von oben ansehen. Charlie erschreckte sich als sie bemerkte, dass in den Boxen Leute saßen. Man konnte sie nur von oben sehen. Es waren keine echten Menschen, sondern Puppen, aber es reichte, um Charlie zu überraschen.

View from inside Lincoln Castle

Der Weihnachtsmarkt in Lincoln

Nach dem Besuch im Gefängnis-Museum hatte Charlie noch zwei Stunden Zeit. Ihr Ticket für den Rundgang auf der Schlossmauer war für 17.15 Uhr und sie nutzte die Zeit bis dahin, um den Weihnachtsmarkt zu erkunden. Zu der Zeit war auch noch nicht zu viel los. Charlie bemerkte sofort den vertrauten Geruch von gebrannten Mandeln. In der Heimat war sie auf Weihnachtsmärkten nie auf gebrannte Mandeln aus, aber jetzt fühlte es sich an wie Zuhause. Sie holte sich eine Tüte.

Charlie schlenderte an den Ständen um das Schloss vorbei, verließ das Schloss durch das Tor auf der gegenüberliegenden Seite und sah, dass dort noch viel mehr Stände waren. Einige davon hatten Nummern und Charlie sah die 250 und 251. Das bedeutete, dass dort mindestens 250 Stände waren. Man fand dort alles, was man sich vorstellen konnte, und noch viel mehr. Charlie war nicht zum Shoppen da, aber sie wollte einen Glühwein. An einem kleinen Stand, an dem es Glühwein und Glühcider aus Eigenproduktion gab, blieb Charlie stehen. Das war eine gute Entscheidung. Dieser Glühwein war wirklich lecker!

Mulled Cider at Lincoln market

Charlie musste zwei Jahre an Weihnachtsmärkten nachholen (im Jahr zuvor war sie im Dezember in Andalusien surfen), warum also nicht noch einen Crêpe gönnen?

Charlie ging weiter an der Nordseite des Schlosses entlang, kam an weiteren Ständen vorbei, einem Riesenrad und einigen anderen Karussells. Sie kam zum Schlossplatz am oberen Ende des Steep Hill und lief dann in Richtung Kathedrale. Es war mittlerweile dunkel und auch deutlich mehr los. Charlie lief einmal komplett um die LKathedrale von Lincoln herum, um ein paar Fotos zu machen. Sie holte sich noch einen Glühwein, bevor es Zeit war für den Rundgang auf der Schlossmauer. Von dort oben konnte man das Schlossgelände komplett umrunden. Über eine Treppe kam man einfach dort hoch und zur Weihnachtszeit war der Weg schön beleuchtet. Von oben hatte man einen herrlichen Ausblick zur Kathedrale und über die Stadt Lincoln. Einen besseren Ausblick findet man wahrscheinlich nicht.

Als Charlie die Mauer entlang lief, hörte sie eine Ansage über Lautsprecher, dass in der Kathedrale gleich ein Gottesdienst mit Weihnachtsliedern stattfinden würde. Charlie geht eigentlich eher selten in die Kirche (nur an Heiligabend in ihrer Heimat), aber Weihnachtslieder klangen interessant. Sie ging zur Kathedrale zurück, um zu sehen, ob sie noch hineingehen könnte. Der Gottesdienst hatte schon angefangen. Sie durfte noch hinein und bekam sogar noch eine Kerze. Es war ein schöner Gottesdienst in einer schönen Kathedrale. Die Weihnachtsgeschichte wurde verlesen und viele Lieder gesungen. Der Gottesdienst ging noch ungefähr 30 Minuten.

Westend Lights: Die Lichter der Weststadt

Auf dem Weg zurück ins AirBnB machte Charlie an diesem Abend einen Umweg. Gill hatte ihr erzählt, dass zwischen 18 und 21 Uhr die Westend Lights stattfinden würden. Es war ein jährliches Ereignis, zu dem die Bewohner dieses Stadtteils ihre Fenster mit besonderer Beleuchtung dekorieren. Gill hatte Charlie einen Link zu einer Karte geschickt, die alle Häuser mit Dekoration zeigte. Einige von ihnen waren sehr kreativ und Charlie war beeindruckt, wie viel Mühe sich manche gegeben hatten.

Auf Entdeckungstour in Lincoln, jenseits des Weihnachtsmarktes

Wenn Charlie eine Stadt besucht, versucht sie immer, einen Stadtrundgang mitzumachen. Auch in Lincoln gab es einen! Es sollte um 10 Uhr am Samstagmorgen losgehen. Treffpunkt war vor der Kathedrale. Bevor sie den Berg hinauf lief, brachte Charlie zunächst ihren Koffer ins Premier Inn. Sie hätte ihn bei Gill lassen können, aber das Premier Inn war näher am Bahnhof und es war einfacher, ihn später wieder abzuholen. Charlie hatte das auf Stasher gebucht. Die Webseite bot Charlie verschiedene Optionen zur Gepäckeinlagerung und die Buchung war ganz einfach.

Lincolns kostenloser Stadtrundgang

Der Stadtrundgang in Lincolnging um 10 Uhr vor der Kathedrale los. Geleitet wurde der Rundgang von Matt und Brant, zwei Freunde, die die Tour in ihrer Freizeit aus purer Liebe zu ihrer Stadt anboten. Außer Charlie kam an diesem Tag nur eine andere Teilnehmerin. Es war schon fast eine private Tour. Charlie war überrascht, dass es auch bei so wenigen Teilnehmern stattfinden würde.

Durch den Weihnachtsmarkt würden sie an diesem Tag die Route ändern müssen. Dementsprechend wurde der Rundgang eingeleitet: Seit 1982 fand der Weihnachtsmarkt jährlich an einem Wochenende statt. Alles begann damals mit 11 Ständen. Die Idee war aus Deutschland, aus Neustadt, gekommen. Jetzt wusste Charlie auch, warum sie am Abend zuvor einen Stand gesehen hatte, auf dem „Neustädter Verein“ stand.

Lincoln on a winter morning

Die Kathedrale von Lincoln

Sie standen direkt vor der Kathedrale von Lincoln und es war eine gute Gelegenheit, über die Geschichte zu sprechen. Matt und Brant sprachen über historische Details, bevor die Gruppe zur Südseite der Kathedrale weiterging, wo es ein paar besondere architektonische Elemente gab. Brant wollte ihnen einige beeindruckende Grotesken zeigen. Eine davon war sehr speziell und auf Kopfhöhe angebracht, nicht am Dach. Sie war seit der Restaurierung im Jahr 2011 dort und zeigte einen Schädel, eine Schlange und eine Hand mit Münzen. Die Groteske steht symbolisch für die Gier der Banker und wurde gebaut, um an die Finanzkrise von 2008 zu erinnern.

Am östlichen Ende der Kathedrale erfuhren sie die Geschichte des Kobolds von Lincoln. Die Ursprünge sind im Inneren der Kathedrale zu finden und es ist auch etwas ungewöhnlich, denn es gibt eine Groteske im Inneren. Natürlich handelt es ich dabei um einen Kobold.

Ursprünge in Römischer Zeit

Die Ursprünge der Stadt Lincoln (und auch ihr Name, der von Lindum Colonia kommt) gehen auf Römische Zeit zurück. Spuren davon sind noch am Ort des ehemaligen Römischen Forum, wo heute das Schloss steht, erkennbar. Matt und Brant führten die Gruppe zum Osttor, zum Bail Gate und den ehemaligen Römischen Bädern. Sie zeigten Bilder, wie es zu Römischer Zeit ausgesehen hatte. Leider ist nicht mehr viel davon übrig, denn die mittelalterlichen Bauten wurden über die Römischen erbaut und nur wenig wurde bis heute ausgegraben.

Matt und Brant führten die Gruppe dann in eine Sackgasse unterhalb des Schlosses. Von dort aus hatte man einen guten Ausblick über die gesamte Stadt und die Umgebung. In genau diesem Moment schien die Sonne durch die Wolken, sodass Charlie ein schönes Foto machen konnte, während Brant über Lincoln im 2. Weltkrieg sprach.
View over Lincoln

Auf ihrem Weg in Richtung Steep Hill und zur High Street, hörten sie die Geschichte der Schlacht von Lincoln im Jahre 1217. Sie sahen das Kulturviertel mit Theatern, Museen und Kunstgalerien. Bis zu diesem Punkt hatten sie viel über Römer und Normannen gehört, aber noch nichts über das Viktorianische Zeitalter. Um diesen Teil der Geschichte sollte es gehen, wenn sie den unteren Teil der Stadt erreichen würden. Es scheint sich fast um zwei separate Städte zu handeln, einer historischen Stadt oben auf dem Hügel und einer modernen, kommerzielleren Stadt am Fluss. Am Hauptmarkt und beim ehemaligen Getreidelager hörten sie die Geschichte von Snips dem Hund, der in den 60ern in Lincoln berühmt geworden war und damals half, viel Geld für gemeinnützige Zwecke zu sammeln. Sie beendeten die Tour am Brayford Pool mit einem Blick auf die Universität von Lincoln.

Stoke's Cafe in Lincoln
Nach dem Rundgang ging Charlie Mittag essen im Stoke’s High Bridge Cafe. Sie waren während der Tour an dem Café vorbeigekommen. Es war in einem Haus in Tudor-Stil auf einer Brücke. Es war eines der letzten dieser Art in England. Charlies Ausflug ging nun zu Ende. Später am Nachmittag fuhr sie mit dem Zug wieder nach London zurück.

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