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Die soziale Seite eines Surf-Wettbewerbs

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Surf board on the beach in Capbreton

Die soziale Seite eines Surf-Wettbewerbs

Charlies Aufenthalt in Seignosse/Hossegor im Oktober 2019

Charlie war zuvor bereits einmal in Carwyn’s Surfhaus an der französischen Atlantikküste. Als sie über die Osterwoche dort war hatte Jane, die alles im Haus koordiniert, empfohlen, dass Oktober ein guter Zeitpunkt wäre um zurückzukehren. Die Quiksilver Pro würde dann stattfinden. Charlie hat diese Empfehlung in die Tat umgesetzt. Dieses Mal war sie fast zwei Wochen dort, weil der Surf-Wettbewerb für diesen Zeitraum angesetzt war. Es würde an jedem Tag je nach Bedingungen entschieden, ob es weiterginge.

Wie so oft hatte Charlie einen Flug am frühen Morgen und war bereits um 9 am Flughafen in Biarritz. Carwyn und Jane holten sie mit dem Auto ab und sie fuhren direkt zum Surfhaus. Naja, nicht direkt, denn es gab noch einen Stopp: Eine kleine Bäckerei in Hossegor, wo es die besten Quiches gab. Es würde Charlies tägliches Ritual werden, auf ihrem Weg zum Strand mit dem Fahrrad an der Bäckerei anzuhalten.

Wen Charlie im Surfhaus kennen lernte

Als sie am Haus ankamen, traf Charlie zwei der anderen Gäste, die im Wohnzimmer gerade eine Partie Schach spielten. Sie hatte den Eindruck, dass sie zusammen reisten, aber es stellte sich heraus, dass sie sich auch kaum kannten. Maria und Moses waren beide am Tag zuvor im gleichen BlaBlaCar angekommen. Was für ein witziger Zufall. Und weil das so zufällig war, gab Carwyn ihr den Spitznamen Random. Alle nannten sie für den Rest der Woche so. Carwyn gibt Leuten gerne Spitznamen, was gut ist, um sich an sie zu erinnern.

Zufällige Ingenieurs-Arbeiten

Maria und Moses, die Schach spielten, als Charlie ankam, waren die ersten, die sie an diesem Tag traf. Neben Brettspielen hatte Moses noch eine andere Leidenschaft: Dinge zusammenbauen. Er war Ingenieur und lebte seine Leidenschaft. Sein Projekt für den Rest der Woche würde es sein, ein Gestell fürs Fahrrad zu bauen, mit dem man ein Surfbrett transportieren könnte. Auf diese Weise würden sie nicht auf jemanden mit Auto angewiesen sein. Carwyn fuhr mit ihm zum Baumarkt und sie kamen mit ein paar Rohren, Klammern, Schaumstoff und Kleber zurück. Als Moses sein Ingenieur-Talent auf die Probe stellte, packte Charlie mit an, sah zu und lernte. Es kam tatsächlich ein Gestell für ein Surfbrett dabei heraus. Sie planten zudem, es in einer witzigen Farbe anzumalen und zu signieren, aber ihnen lief am Ende die Zeit davon, da der erste Prototyp nicht lange durchhielt. Moses war in starken Regen gekommen und verlor das Gestell. Als er durch den Wald fuhr, blieb er an einem Busch hängen und es brach ab. Der zweite Versuch war erfolgreich und Carwyn besitzt nun ein Fahrrad mit Board-Gestell.

Charlies Foto-Assistentin

Die nächste Person, die Charlie traf, war Sarah. Beide bemerkten sofort, dass sie viel gemeinsam hatten, fast schon zu viel. Sie waren beide Deutsche und hatten für einige Zeit in Toulouse und London gelebt. Zudem wollten beide ursprünglich Diplomatinnen beim Auswärtigen Amt werden. Oh, und ihre Geburtstage waren nur 2 Wochen voneinander entfernt. Beinahe wären sie ein und dieselbe Person gewesen. An Charlies erstem Tag wollten die anderen surfen, aber das Wetter war nicht so super. Charlie schloss sich an, aber nicht um zu surfen, sondern um die Kamera zu testen. Auch Sarah hatte keine Lust auf Wasser und begleitete Charlie auf ihrer Mission. So wurde sie schnell zu einer großartigen Assistentin, die Charlie die kommenden Tage sehr viel helfen würde, wenn sie ihre Foto-Station am Strand aufbaute. Charlie war sehr dankbar, insbesondere als es anfing zu regnen und alles schnell weggepackt werden musste. Sie gingen auf ein Käffchen in die Bar „Rocksalt“ und es sollte der Beginn einer Freundschaft sein. Das ist es, was Charlie an Surf-Orten so mag. Sie trifft immer auf Gleichgesinnte!

Im Van abgeholt

Es war ein großartiges Ambiente im Rocksalt an diesem Nachmittag, da unzählige Surfer dort waren und auf den Beginn der Quickie Pro warteten. Das fiel sofort auf, als sie die Bar betraten. Etwas später wurden sie alle von Carwyn und Jane im Van abgeholt. Es war ein besonderer Van, der für längere Reisen ausgestattet und sehr gemütlich war. Es gab ein Bett, einen Ofen und Camping-Ausrüstung. Der Van war ein alter Krankenwagen, was Moses Stoff für seinen Witz der Woche gab: „Wir wurden mit dem Krankenwagen vom Strand abgeholt.“ Über seinen Humor kann man streiten.

Am nächsten Tag ging es am Morgen zum Strand, um den Wettbewerb zu sehen und am Nachmittag gingen sie surfen. Auf dem Rückweg hielten sie an, da Carwyn mit jemandem am Straßenrand ein kurzes Schwätzchen hielt. Es stellt sich heraus, dass diese Person Martin Potter, ehemaliger Surf-Champion und jetzt Surf-Moderator, war. Es war leider keine Zeit für Charlie, sich mit ihm zu unterhalten, sonst hätte sie euch längst davon erzählt.

An diesem Tag nahmen sie einen kleinen Umweg, da sie vom Bahnhof in St. Vincent de Tyrosse noch Leute abholen würden. Aidan und Jeremy waren beide überrascht, als sie von einer lustigen Truppe im Van, mit Bier in der Hand, begrüßt wurden. Sie waren beide aus London und würden nur übers Wochenende bleiben.

Die Fahrer

p>Charlie nennt diese beiden “die Fahrer”, da sie mit dem Auto angereist waren und nicht von Carwyn herumkutschiert werden mussten. Es waren Julien aus Toulouse (noch jemand, dem Charlie zuvor schon hätte begegnet sein können), der für ein paar Tage zum Surfen da war und Tomek, der von Polen gefahren war und auf seinem Weg nach Spanien einen Stopp einlegte. Er war auf dem Weg zu einem Paragliding-Kurs und nur auf der Durchreise. Er blieb aber ein bisschen länger bei Carwyn, weil es dort so schön war. Er bot den anderen öfters an, sie zum Strand oder in einem Club in der Stadt zu fahren. Als Charlie ihn fragte, wie sie sich dafür bedanken können, sagte er spontan: „Kokoskuchen“. Nichts leichter als das! Alle liebten Charlies Kuchen.

Besucher aus Down Under

Eigentlich war nur einer der anderen aus Australien, Troy, aber Charlie erwähnt Richard hier ebenfalls. Er war aus England, aber sein Vater ist Australier und er verstand sich sehr gut mit Troy, was es für Charlie rechtfertigt, sie beide im gleichen Atemzug zu erwähnen. Einen Aussie im Haus zu haben, brachte auch in Carwyn Erinnerungen an seine Zeit in Australien in den 80ern wieder hoch. Charlie machte mit dem besten 80er-Aussie-Rock Bekanntschaft.

Troy war für einige Wochen durch Europa gereist. Frankreich und Portugal waren die letzten Stopps auf seiner Reise, bevor es für ihn wieder nach Hause ging. Richard hatte den Sommer über in einem Surfcamp in Spanien gearbeitet und legte bei Carwyn noch ein paar Tage Urlaub ein, bevor er ins reale Leben in England würde zurückkehren müssen.

Beide blieben genauso lange wie Charlie in Carwyn’s Surfhaus und es waren ein paar Tage dazwischen, wo es nur die drei im Haus gab. Das führt automatisch zu großartigen Erinnerungen. Aber mehr dazu später.

Charlie, Richard and Troy putting their feet on the table on the balcony at night

Französische Gäste

Charlie hat in den zwei Wochen viele weitere Leute kommen und gehen sehen, wobei die meisten nur für ein oder zwei Tage und eher unter sich blieben. Da waren z.B. zwei Franzosen aus der Bretagne. Einer der beiden, Mika, arbeitete für ein Weingut in Bordeaux. Wer hätte gedacht, dass man in einem Surfhaus mal eine Weinverkostung erleben könnte? Charlie sagte direkt, dass sie nicht zum Kundenkreis gehöre, aber der Wein floss nur so weiter. Sie lernten, dass die meisten Weine aus Bordeaux Cuvées aus verschiedenen Rebsorten seien. Die Weine, die er vorstellte, waren Ausnahmen, da sie 100% Malbec und 100% Cabernet waren. Wenn ihr auch mal probieren möchtet, könnt ihr die Weine bei Chȃteau Fleur Haut Gaussens finden.

Wines by Chȃteau Fleur Haut Gaussens

Außerdem waren da eine französische Familie mit zwei Kindern, ein Pärchen und ein paar Französinnen. So fand sich Charlie eines Morgens beim Frühstück von ausschließlich Franzosen umringt. Es war die perfekte Gelegenheit ihr Französisch mal wieder aufzubessern! Es war ein bisschen eingerostet, aber sie konnte noch immer eine Unterhaltung führen und sich dem Gelächter anschließen, als der kleine Junge nach der Uhrzeit gefragt wurde und sehr akkurat 9.36 Uhr verkündete. Seine Mutti war von den Bildern, die Charlie am Strand gemacht hatte angetan und sie hatten eine nette Unterhaltung über Surfen und Fotografie – auf Französisch selbstverständlich!

Surfen oder nicht surfen?

Dieses Mal war Charlie hauptsächlich wegen der Quiksilver Pro in Hossegor. Sie war darauf vorbereitet, nicht viel zu surfen und sie wusste, dass die Bedingungen für ihre Kenntnisse nicht geeignet waren. Damit lag sie richtig. Sie ging mit den anderen ein paar Mal ins Wasser, aber das, was sie da machte, kann kaum als Surfen bezeichnet werden. Naja, sie wurde nass und ein bisschen herumgewirbelt.

Einen Nachmittag wurden sie von Tomek alle zum Strand gefahren aber nicht einmal Troy, der Australier und erfahrenste Surfer der Gruppe, konnte mit diesen Bedingungen etwas anfangen. Sie versuchten trotzdem, ein paar Wellen zu bekommen, aber Charlie blieb am Strand und machte lieber ein paar Fotos.

An einem anderen Tag, als der Wettbewerb unterbrochen war (wegen schlechter Bedingungen) versuchten es Charlie, Richard und Troy noch einmal. Sie wurden von Carwyn in Capbreton abgesetzt und machten sich ins Wasser.

Sie hielten es nicht lange aus und gingen lieber in einem Café gegenüber etwas trinken. Nicht weit entfernt war ein anderes Surfhaus, in dem Richard zuvor mal übernachtet hatte und er wollte mal „Hallo“ sagen. Die drei blieben dort eine Weile und trafen ein paar weitere Leute. Charlie hatte eine sehr nette Unterhaltung mit einem Kalifornier. Sie redeten eine Weile über ihren US-Road-Trip im vergangenen Jahr und sie erhielt noch weitere Empfehlungen für Reiseziele. (Ihre Liste ist ja noch nicht lang genug!)

Sonnenauf- und Untergang

Die ganze Woche über wurden von Roxy und Quiksilver verschiedene Veranstaltungen angeboten. Das führte dazu, dass Charlie eine Yoga-Stunde bei Sonnenaufgang am See in Hossegor besuchte. Es kostete nur 5€ und hat sich gelohnt. Charlie bekam sogar ein neues Handtuch und ihr Französisch kam wieder sehr gelegen, da die Stunde in dieser Sprache abgehalten wurde.

Am letzten Tag des Wettbewerbs wollte Charlie am Abend eigentlich nur schnell zum Haus zurück, als Richard und Troy ihr schrieben, dass sie noch in einer Bar am Strand La Gravière waren. Sie schloss sich für ein Bierchen an. Es stellte sich als gute Entscheidung heraus, da ihr gar nicht bewusst war, wie schön der Sonnenuntergang dort war.

Verregnete Tage

p>Während der zwei Wochen, die Charlie in Frankreich verbrachte, hat sie so gut wie alle Jahreszeiten gesehen. Es gab richtig sonnige Tage mit mehr als 30 Grad, aber auch verregnete und stürmische Tage. Charlie war froh, dass der kleine Balkon an ihrem Zimmer ein Dach hatte, sodass sie trotz des Regens in der Hängematte Platz nehmen und ein bisschen Arbeit erledigen konnte – nur eben mit Wolldecke.

Der erste verregnete Tag war ein Sonntag und alle entschieden sich, das Fernsehprogramm mal zu testen. Es fühlte sich fast wie eine Zeitreise an, als sie Free Willy und Jurassic Park sahen. Julien nutzte die Gelegenheit ein paar traditionelle französische Crêpes zuzubereiten. (Lecker!)

Mittagessen zum Abschied

An Charlies letztem Tag, bevor es zum Flughafen ging, fuhr sie mit Carwyn und Richard zum Mittagessen. Das war fast schon Tradition. Beim letzten Mal war sie mit Carwyn in einem Restaurant in Capbreton, dieses Mal ging es nach Saint-Geours-de-Maremme. Zum Mittag gab es ein Drei-Gänge-Menu mit unbegrenztem Wein für 13.50€. Das war ein Spaß. Richard schien dem Kellner zu gefallen, was ihm aber offensichtlich unangenehm war. Carwyn machte sich daraus ein Späßchen.

Nach dem Essen wollte Carwyn Charlie noch einen Ort zeigen. Sie fuhren zum Fluss und Charlie machte ein paar weitere Bilder der Landschaft. Naja, die Bilder lassen den Wein, den es zum Mittag gab, deutlich erkennen.

Abende mit Surfern in Hossegor

Als Charlie das letzte Mal in Carwyn’s Surfhaus war, blieben sie alle abends immer im Haus, da niemandem nach Ausgehen war. Dieses Mal war das anders, da ein paar interessierte in der Gruppe waren und während der Quiksilver Pro auch immer viel los sein würde.

Die Abende begannen für gewöhnlich mit der Zubereitung des Essens. Jeden Abend würde eine Person für alle, die natürlich mithalfen, kochen. Allerdings sind zu viele Köche nicht immer hilfreich, vor allem wenn man sich nicht auf die Mengen bei Knoblauch und Chillies einigen kann.

Letzen Endes hatten sie jeden Abend ein köstliches Mahl, das von Bier und ein paar Runden Billiard vervollständigt wurde. In der Vollmondnacht gingen sie nach dem Essen für einen kleinen Spaziergang in den angrenzenden Wald und Charlie war froh, dass sie ein Stativ dabei hatte.

Moon in the Forest

Jo&Joe Hossegor

Den ersten Freitag war eine Party im Jo&Joe in Hossegor, die von Quiksilver gesponsert wurde. In jener Nacht fanden sie auch heraus, dass man anstelle von der Suche nach einem Taxi auch Lotto spielen kann. Die Chancen sind die gleichen. Tomek bot schließlich an, sie alle zur Party und am Ende auch wieder zurück zum Haus zu fahren. Dafür würde er sogar zweimal fahren.

Es war ein super Veranstaltungsort zwischen Pinien und auf sandigem Boden. Was jedoch eine Überraschung war, war der Preis für ein Bier: 8€. Ja, ihr liegt richtig, wenn ihr jetzt denkt, dass das ja teurer ist, als in London. Worauf Charlie ebenfalls nicht vorbereitet war, war, dass in der Bar nur Kartenzahlungen akzeptiert würden, kein Bargeld. Jeremy kam ihr bei dieser Gelegenheit zur Hilfe.

Das Coolin in Hossegor

Nach ein paar ruhigen Abenden im Surfhaus, Tomek entschied sich spontan am Dienstagabend zum Sonnenuntergang Surfen zu gehen. Troy, Richard und Charlie nutzten die Gelegenheit und schlossen sich an, allerdings nicht zum Surfen, sondern um in eine Bar zu gehen. Das Coolin ist tagsüber eher ein Restaurant und verwandelt sich am Abend in einen Club. Es liegt direkt an der Strandpromenade am La Gravière. Sie kamen gerade rechtzeitig zur Happy Hour. Als Tomek im Wasser planschte, ließen Charlie, Troy und Richard es sich mit ein paar Mojitos gutgehen.

Nach einer Weile fiel Troy ein vertrauter Akzent auf und so kam es, dass sie noch ein paar weitere Australier kennen lernten – einer von ihnen kam aus der gleichen Gegend wie Troy. Was für ein Zufall! Für Charlie war es die erste Party mit Australiern. Es war eine interessante Nacht, aber sie ist sich nicht sicher, ob sie Australien als Reiseziel besonders attraktiv gemacht haben. Vielleicht waren auch einfach die Mojitos schuld.

Etwas später schloss sich der Gruppe noch jemand an, dem der australische Akzent ebenfalls aufgefallen war: Tom war aus Cornwall, hatte aber einige Zeit in Australien gelebt. Er bekam den Spitznamen „Tom the Pom“, denn die Briten werden in Down Under „Pommies“ genannt. Troy war allerdings schockiert, als Tom das Tattoo vorstellte, dass er sich als Erinnerung an Australien hatte stechen lassen: Ein Vegemite-Glas auf seiner rechten Brust. Troy fühlte sich betrogen. Wie kann der Pommie es wagen, sich ein Vegemite-Tattoo stechen zu lassen? Charlie lehnte sich einfach nur zurück und lachte in sich hinein.

Vegemite Tattoo

Den gleichen Leuten begegneten sie wieder und wieder die nächsten Tage und Nächte.

Surfnacht im Boardriders

Zwei Tage darauf, am Donnerstagabend, fand imBoardriders shop in Capbretoneine weitere Party im Rahmen des Wettbewerbs statt. Es war etwas merkwürdig zwischen Surfbrettern und Kleidung zum Verkauf eine Bar und DJ zu haben, aber es war eine interessante Erfahrung. Charlie konnte erneut ihre Französischkenntnisse auf die Probe stellen und hatte eine nette Unterhaltung mit drei Französinnen. Sie waren aus Paris und gerade erst nach Hossegor gezogen, um ein bisschen Surf-Lifestyle zu erleben. Alle 4 waren von dem Tätowierer beeindruckt, der mitten im Laden Leute tätowierte. Charlie wollte die Mädels eigentlich am Samstag im Escargot wieder treffen, blieb dann aber am Ende doch zu Hause. Warum?

Wie sich herausstellte, war es etwas schwierig in der Nacht von der Stelle zu kommen. Zwei Tage zuvor wollten sie noch etwas länger bleiben als Tomek vom Surfen kam und fuhren am Ende per Anhalter zum Surfhaus zurück. (Charlie hofft, dass ihre Mama das nie lesen wird!)

In dieser Nacht nun im Boardriders hatte ein Freund von Richard, der in der Gegend wohnte, sie mit dem Auto mitgenommen. Irgendwie war den Jungs nur entgangen, Charlie Bescheid zu geben, als sie die Party im Cooling fortsetzten, als das Boardriders schloss. So also stand Charlie mitten in der Nacht allein in Capbreton und spielte erneut Taxi-Lotto. Sie unterhielt sich mit ein paar Französinnen, Mathilde, Julie und Celia, die noch dort waren und ebenfalls zum Coolin weiter wollten. Sie boten Charlie an, sie mitzunehmen. Wie nett! Charlie war überglücklich! Zunächst fuhren sie mit Damien, einem Freund von Mathilde zu ihrer Unterkunft und ihrem Auto. Charlie war froh, dass sie noch mit ins Auto passte und wieder kam ihr ihr Französisch zu Gute. Die Mädels waren super nett und sie hatten viel Spaß im Auto, singend und schwatzend, bis sie beim Coolin ankamen. Etwas später kam Celia sogar noch einmal auf Charlie zu, um zu sehen, ob sie okay wäre und die anderen gefunden hätte. Was für ein liebenswerter Mensch!

Charlie gelang es, Richard und Troy in dem überfüllten Club zu finden und sie ließ sie für den Rest der Nacht nicht mehr aus den Augen. Wie sich später herausstellte, nutzte ihr das aber nicht viel, da die Jungs selbst mit jemand anderem zum Coolin gefahren waren und das Auto, das sie nach Hause hätte bringen können, war noch in Capbreton. So kam es, dass sie um 3 Uhr nachts Carwyn anriefen und baten, sie abzuholen. Zum Glück hörte er sein Handy und war so nett, sie abzuholen und sicher nach Hause zu bringen. Charlie konnte ihm gar nicht genug danken und beschloss nicht wieder mit den Jungs auszugehen.

Charlie schreibt für gewöhnlich, welch großartige Menschen sie auf ihren Reisen trifft, aber auch das muss mal erwähnt werden: Sie hatte im Laufe der Jahre wunderbare Erinnerungen gesammelt, beeindruckende Personen getroffen und Freundschaften geschlossen, aber unter 100 großartigen Menschen, gibt es hin und wieder auch mal welche, die weniger großartig sind, wenn es darauf ankommt. Naja, die Jungs entschuldigten sich am nächsten Morgen und sie verbrachten noch ein paar schöne Tage zusammen – Charlie ging aber nicht mehr mit ihnen aus.

Bier, Gin und Tonic

Auch im Surfhaus kann man abends eine Menge Spaß haben, vor allem, wenn es direkt um die Ecke eine Brauerei gibt. Sie ist winzig und in einem Lagerhaus, ist aber in unter 5 Minuten zu Fuß zu erreichen. Sie schließt bereits um 17 Uhr, aber die Rosny Brauerei ist der perfekte Ort, um an einem heißen Tag den Abend einzuläuten. Charlie war nach einer Abkühlung im Pool noch im Bikini und zog sich nur schnell etwas darüber, als die anderen auf einmal los wollten. Sie probierten ein paar gute Biere, angefangen bei IPA, über Lager bis zu Hefeweizen und saßen auf dem Parkplatz in der Sonne. Richard fand einen neuen Freund: Den Hund des Brauerei-Inhabers.

Zurück im Haus stellten sie Carwyn’s Bar auf die Probe mit Gin und anderen Getränken, die sie im Supermarkt entdeckt hatten. Sie fanden Carwyn’s alte CD-Sammlung in der Bar und reisten erneut ein bisschen durch die Musikgeschichte. Der Gewinner war eindeutig ein Best Of Album von The Police. Charlie bereute schnell, ein Trinkspiel vorgeschlagen zu haben, dass sie mit Freunden zu Hause mal gespielt hatte. Jedes Mal, wenn der Name „Roxanne“ im gleichnamigen Song auftrat, mussten sie trinken. Das nächste Lied war „Message in a bottle“ und sie konnten ihr Spiel bei dem Stichwort „S.O.S.“ fortsetzen. Das Spiel scheint mit vielen Liedern von The Police zu funktionieren, geht aber in der Regel nicht gut aus.

Gin Cocktail created by Richard

 

Singend durch die Nacht

Charlie hatte sich vorgenommen, bei den Gitarren in Carwyn’s Wohnzimmer die Saiten zu wechseln, da eine davon nur noch 4 Saiten hatten und die andere völlig rostig war. Da der nächste Musikladen ziemlich weit weg in Bayonne war, bestellte sie sie im Internet, was allerdings auch ein paar Tage dauerte. Sobald die Gitarren neu ausgerüstet waren, spielte Charlie auf dem Balkon ein bisschen und Carwyn war völlig aus dem Häuschen. Er nahm sie sogar beim Spielen und Singen auf. Charlie ist sich aber nicht sicher, ob das wirklich jemand hören möchte.

An Charlies letztem Abend endlich setzten sie und Richard in die Tat um, worüber sie die ganze Zeit gesprochen hatten: eine kleine Jam Session. Alle anderen waren bereits abgereist und nur die beiden waren noch übrig, sowie Annika eine andere Deutsche, die am Tag zuvor angekommen war. Wie sich herausstellte, waren Richard und Charlie nicht gerade auf der gleichen Wellenlänge, was Musik anging, aber sie mochten zumindest das gleiche Bier (Blue Moon und Camden Hells), wovon Charlie und Carwyn an diesem Tag ein paar gekauft hatten. Letzten Endes aber fanden sie ein paar Lieder, die sie beide kannten und gemeinsam singen konnten, wie z.B. „Lean on me“ von Bill Withers und „I don’t want to miss a thing“ von Aerosmith. Ob das gut klang, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Annika wünschte sich “Bed of Roses” von Bon Jovi und Charlie glaubt, dass sie das sogar einigermaßen hinbekommen hat, obwohl Bon Jovi Songs sehr anspruchsvoll sind was das Singen angeht. Richard kannte das Lied nicht einmal. (Wie ist das denn bitte möglich?)

Als ihnen die gemeinsamen Lieder ausgingen, schlug Richard vor, dass sie doch eigene Lieder erschaffen könnten. Es stellte sich heraus, dass er sehr gut darin war, Melodien aus dem Stehgreif zu spielen. Sie reimten ein paar spontane Textzeilen und schon machten sie Musik. Eines der Lieder war eine lustige Zusammenfassung all der Dinge, die im Laufe der Woche passiert waren und sie lachten gemeinsam über die Party, auf der Charlie vergessen worden war, fehlgeschlagene Surf-Versuche und all die Leuten, denen sie begegnet waren und die in Erinnerung bleiben sollten.

Das Einhorn und Wildschwein, die bei Carwyn an der Wand hängen, inspirierten Richard zu einem weiteren Lied, aber sie beide hatte eine unterschiedliche Vorstellung der Geschichte.

>Charlie ging pragmatisch an die Sache heran und sang von dem Wildschwein an der Wand, dass Gesellschaft brauchte. Also fügte Carwyn das Einhorn hinzu. Richard dachte eher an eine Liebesgeschichte und wie die beiden sich im Wald kennen lernen.

Auch die schönste Zeit geht einmal zu Ende

er nun bald ein Ende würde finden müssen. Beide würden bald ins richtige Leben zurückkehren müssen. Sie nannten das Lied “Sun between the trees”, was eindeutig von den Pinien inspiriert worden war, die das Haus umgaben.

Da fast alle vor Charlie abgereist waren, war der Abschied nicht so emotional wie für gewöhnlich am Ende ihrer Reisen, aber sie war dennoch ein bisschen betrübt. So viel war in zwei Wochen passiert.

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