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Surffilm: Momentum Generation (2018)

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Surffilm: Momentum Generation (2018)

Surfen änderte für sie alles, sie veränderten die Surfwelt, Wettbewerb hätte beinahe alles zerstört

Surfen ist nicht gerade eine Sportart, die wir seit Langem auf dem Radar haben. Im Gegenteil, es ist ein relativ junger Sport, der aber bereits Geschichte geschrieben hat. Wenn wir uns die Geschichte des Surfens anschauen, treffen wir auf jeden Fall auf die Momentum Generation – eine Gruppe junger Surfer in den 1990er-Jahren, die großen Einfluss darauf hatte, wie Surfen in der Welt wahrgenommen wird. Es war deren Freundschaft, die Surfen populär machte und es von einer Subkultur in einen Action-Sport verwandelte.

Der Dokumentarfilm Momentum Generation unter Regie von Jeff und Michael Zimbalist erzählt die Geschichte der Gruppe und greift Erinnerungen auf, die nie zuvor öffentlich gemacht wurden. Es sind nicht nur Geschichten von Friede, Freude, Eierkuchen, die Kelly Slater, Rob Machado, Taylor Knox, Shane Dorian, Kalani Robb, Pat O’Connell, Benji Weatherley und Ross Williams erzählen, sondern es wird auch sehr emotional, wenn sie sich öffnen und über Gefühle sowie über die Dinge sprechen, die ihre Freundschaft und alles, was sie erreicht hatten, beinahe zerstört hätten. Die Szenen, die ihr in Momentum Generation sehen könnt, werden euch zum Lachen bringen, aber wahrscheinlich werdet ihr auch die ein oder andere Träne verspüren, bevor das Ende wieder ein Lächeln hervorruft. Der Film ist für 8.99€ auf Amazon Prime verfügbar.

Wo sie alle herkamen

Kaputte Familien sind hier das Stichwort. Sie alle lernten sich kennen, als sie gerade einmal 12 Jahre alt waren. Sie alle kamen von verschiedenen Orten – Florida, Kalifornien, Hawaii – und sie hatten zwei Dinge gemein: Familiengeschichten, die von Gewalt, Alkohol und Missbrauch geprägt waren und die Liebe zum Surfen.

“A few guys should have turned out bad, considering the upbringing they had, but the group and having that support around, guys saying “Hey, don’t do that shit,” it kind of slaps some guys around that could’ve gone the wrong way.” (Kelly Slater in Momentum Generation, Minute 95)

(deutsch: Für einige von uns hätte es ganz anders laufen können, wenn man sich anschaut, wie sie aufwuchsen. Aber die Gruppe und die Unterstützung; jemand der sagt: „Hey, lass diesen Mist“ hat einige der Jungs völlig umgedreht, die sonst vom Weg abgekommen wären.)

Wie sie alle zusammenkamen

Sie alle wurden von der Faszination der großen, gefährlichen Wellen in Hawaii an diesen Ort gezogen. Zur Gleichen Zeit hatten sich Benji’s Eltern getrennt und ohne auch nur zu ahnen, was sie lostraten, zogen sie nach Hawaii, in ein Haus an der North Shore. Es scheint fast, als wäre es Vorhersehung gewesen, dass sie alle sich zur gleichen Zeit in Hawaii trafen. Benji’s Haus wurde schon bald ihr Haus – ein Zuhause und eine Familie, die sie anderswo nicht hatten. Die Interviews, die für den Film durchgeführt wurden, zeigen deutlich, dass sie alle sich in einem Punkt einig sind: Surfen war ihr Ausweg, ihre Rettung und wurde ihr Lebensinhalt.

“But back then, surfing was not a career path. It was just something you enjoy doing.” (Kelly Slater in Momentum Generation, Minute 10)

(deutsch: Zu jener Zeit war Surfen keine Karriere. Es war einfach etwas, das man gerne machte.)

Wie sie zusammenhielten

Surfen führte sie zusammen und brachte den Zusammenhalt. Die Freundschaft basiert auf diesem gemeinsamen Hobby. Aber es gab noch etwas anderes, das wie ein Klebstoff für Zusammenhalt sorgte: Die Filme von Taylor Steele. Nach dem Original von „Momentum“, das die Art und Weise, wie Surfen wahrgenommen wurde veränderte und es zu dem machte, was wir heute kennen, blieb die Kamera ein ständiger Begleiter der Gruppe. Wenn wir uns heute Momentum Generation anschauen, können wir dankbar sein für die zahlreichen Aufnahmen, die es gibt – viele davon wurden nie zuvor gezeigt.

Durch die Filme und Kelly Slater in Baywatch bekam Surfen Aufmerksamkeit. Die Momentum Generation stellte die Surfwelt auf den Kopf. Die Leute begannen es wahrzunehmen und was sie sahen, waren junge Athleten, die Spaß am Surfen hatten. Dies veränderte die Sichtweise: Surfen wurde von einer durch Drogen geprägten Subkultur zum angesehenen Sport.

Seht ihr es euch gerade an? Lächelt ihr? Das überrascht Charlie nicht, denn der Film erweckt viele positive Gefühle und zeigt den Spaß, den sie hatten im Wasser sowie auch außerhalb der Wellen, in Benji’s Haus in Hawaii und auf der Tour. Der Film lässt ihre Erinnerungen über Surfen an verschiedenen Orten der Welt wiederaufleben, den Spaß im Haus und wie sich gegenseitig aufzogen. Man sieht, wie sie im Haus zusammen Musik machen, die Späßchen, die sie sich erlaubten und wie sie Kelly in einer Mülltonne einen Hang herunterrollten nachdem er zum ersten Mal Weltmeister geworden war.

Wenn der Wettbewerb die Überhand gewinnt

Anfangs ging es einfach nur darum zu surfen. Die Wellen, die sie surften, wurden größer und größer, sie spornten sich gegenseitig an, in dem Sport besser zu werden. Schon bald war es das Ziel, an der Welttournee teilzunehmen. Sie waren bereits Profisurfer und verdienten ihren Lebensunterhalt durch Sponsoren. An der Tour teilzunehmen und um den Weltmeistertitel zu kämpfen war der nächste logische Schritt. Sogar das war anfangs Spaß. Im Film sprechen sie darüber, wie es sich anfühlte, die ältere Generation an Surfern und Champions zu besiegen. Martin Potter, Mark Occhilupo und Sunny Garcia berichten im Film von ihrer Sichtweise der Ereignisse, als diese kleinen Jungs ankamen und die Wellen übernahmen. Man sieht lachende Gesichter als sie Erinnerungen aufleben lassen. Die alten Videoaufnahmen zeigen emotionale Szenen in den Momenten, als ihnen bewusst wurde, dass ihre Träume in Erfüllung gingen.

Es gab nur eines, was sie nicht bedacht hatten: Wenn sie alle an der Tour teilnehmen, würden sie gegeneinander antreten. Aus Freunden würden Rivalen. Ross Williams und Shane Dorian sprechen über Momente, in denen sie auf das Surfbrett des anderen einschlugen, Kelly Slater und Rob Machado sprechen über das Jahr, in dem der Weltmeistertitel zwischen beiden ausgetragen wurde. Ein High-Five im Wasser wird als der entscheidende Moment dargestellt, an dem alles begann, auseinanderzufallen. Spannungen bauten sich auf. Als es dann darum ging, wer nach einer Verletzung weiterhin an der Tour teilnehmen darf, mussten alle Teilnehmer zwischen Shane Dorian und Rob Machado entscheiden. Letzterer wurden von denen, die einst Freunde waren abgewählt und von der Tour geworfen. Hört man sich die Äußerungen im Film über diesen Augenblick an, bemerkt man, dass ihnen zu der Zeit langsam bewusst wurde, was der Wettbewerb sie gekostet hatte.

Zur gleichen Zeit wurde durch den Wettbewerb und durch Manager, die daraus Geld machen wollten, auch der Kleber, der alles zusammenhielt, abgewaschen: Taylor Steele konnte die Filme nicht mehr machen.

Es waren nicht nur die Ereignisse im Zusammenhang mit dem Wettbewerb, sondern auch, was sich in ihrem hawaiianischen Zuhause verändert hatte, das den Umschwung brachte. Todd Chesser, einer der ursprünglichen Momentum-Runde, der von allen als moralischer Kompass beschrieben wird, der sie darauf hinwies, wenn der Wettbewerb überhandnahm, der dafür sorgte, dass sie alle auf dem Boden blieben, war von ihnen gegangen.

“’Cause I’ve seen guys winning a contest and not enjoy it. I’ve seen guys get third and were ecstatic. So, who won? To me it’s the one having the most fun. ” (Taylor Knox in Momentum Generation, Minute 96)

(deutsch: Ich habe die Jungs gesehen, wie sie Wettbewerbe gewannen und keinen Spaß daran hatten. Ich habe sie auf dem dritten Platz in Ekstase gesehen. Wer hat also gewonnen? Für mich ist es der, der den meisten Spaß hat.)

Ein Bild von Todd Chesser wird eingeblendet als Taylor Knox weiterspricht:

“And that’s what I loved about Todd. It was about surfing for the pure love of surfing.” (Taylor Knox in Momentum Generation, Minute 97)

(deutsch: Und das habe ich an Todd geliebt. Es ging nur ums Surfen der Liebe zum Surfen halber.)

Im Film wird dies als sehr emotionaler Moment dargestellt. Ihr haltet besser die Taschentücher bereit.

Alles auf Anfang: Es geht um Spaß

Die Gruppe war zerfallen. Sie alle gingen ihre eigenen Wege. Rob Machado wurde zum Free Surfer, Shane Dorian zum Big Wave Surfer und Kalani Robb nahm einen Bürojob an. Moment mal, wie bitte? Einen Bürojob? Ja, ihr habt richtig gelesen. Für Charlie ist es eine der besten Szenen im Film, wenn man sieht, wie er diesen Job wieder verlässt – im Neoprenanzug und mit Surfbrett unter dem Arm. Träumen wir nicht alle davon? Davon, den Bürojob eines Tages zu verlassen, um einfach nur zu surfen?

“When I was working for the biotech company, it was just tearing me up inside. And I realized I definitely fit a wet suit vibe more than a suit suit vibe.” (Kalani Robb in Momentum Generation, Minute 93)

(deutsch: Als ich für die Biotech-Firma gearbeitet habe, hat mich das innerlich zerrissen. Mir wurde bewusst, dass mir ein Neoprenanzug viel besser steht als eine Anzug-Anzug.)

Ihnen allen wurde klar, dass sie eine Richtung eingeschlagen hatten, die mit dem, worum es beim Surfen eigentlich geht, nicht mehr viel zu tun hatte. Das war der Schlüssel, um das wiederzuerlangen, was sie in den Jahren des Wettbewerbs und dem Wunsch, der Beste zu sein, verloren hatten.

Ein weiteres Mal wird es emotional in Momentum Generation als Kelly Slater über den Leidensweg seines Vaters im Kampf gegen den Krebs spricht und versucht, die Tränen zurückzuhalten. Zu jener Zeit wurde ihm klar, was sie verloren hatten und er begann wieder Kontakt zu den anderen aufzunehmen. Es begann mit ein paar Nachrichten und endete in einem erneuten Treffen in Hawaii.

“Now that the competition’s been taken out of our friendship, it brought us back to being kids again. It was like being there 25 years ago. ” (Taylor Knox in Momentum Generation, Minute 98)

(deutsch: Jetzt, wo der Wettbewerb in unserer Freundschaft keine Rolle mehr spielt, wurden wir wieder zu Kindern. Es war so wie 25 Jahre zuvor.)

Der Film Momentum Generation endet mit diesem Moment, der von guten Erinnerungen und Spaß im Wasser und außerhalb der Wellen geprägt ist. Nur so am Rande: Benji’s Haus – der Ort, an dem alles begann – lebt in dem Restaurant „Breakers“, das von Benji und seiner Mutter geführt wird, weiter. Wenn Charlie es jemals nach Hawaii schafft, wird sie dort mal vorbeischauen. Das steht fest!

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