Nomads Surfing: Nachhaltigkeit im Surfen
So wird Surfen umweltfreundlicher
Es begann im Jahr 2017 als drei Freunde, deren Spielplatz das Meer ist, entschieden, dass sich etwas ändern musste: Thomas, Nicolas und Basile waren unterwegs zu den besten Surfspots in Südostasien. Perfekte Wellen. Traumstrände. Jedoch störte etwas im Paradies: Plastikmüll. Wo auch immer sie waren, sogar auf den abgelegensten, unbewohnten Inseln, waren Strände überschwemmt mit Plastikflaschen, Zahnbürsten, Flip-Flops uvm.
Den drei Freunden wurde klar, welche Folgen Plastik für die Umwelt hat, die sie von ihren Surfboards aus so gern genießen. Es wäre ein großer Verlust für zukünftige Generationen, wenn die paradiesischen Surfspots dieser Welt zerstört würden. So entstand die Idee für Nomads Surfing.
Das Unternehmen hat seinen Sitz in Frankreich und wurde 2018 offiziell gegründet. Es begann mit 3 Surfboards.

Wie macht man Surfboards umweltfreundlicher?
Eine Ausbildung zum Ingenieur macht weder Thomas noch Basile oder Nicolas zum Shaper. Um ihre Ideen in die Tat umzusetzen, brauchten sie jemanden, der sich damit auskannte. In Porto trafen sie auf Vitor. Sie analysierten gemeinsam, wie Surfboards traditional gemacht werden und wollten neue Wege entdecken.
Die nächsten 6 Monate galten der Recherche, der Entwicklung und zahlreichen Tests, bis sie die umweltfreundlichste Variante gefunden hatten. Vitor ist der hauseigene Shaper von Nomads Surfing und alle Boards werden in Portugal hergestellt. Die Namen beziehen sich auf die Lieblings-Surfspots der drei Unternehmensgründer in Südostasien. Zwei klassische Shortboards, zwei Fish, ein Mini-Malibu-Board und ein Longboard sind bereits Teil der Familie. Bald werden ein 8. und 9. Board zur Kollektion hinzukommen. Woraus bestehen diese, um das Label der Nachhaltigkeit zu verdienen?
Wie Surfboards nachhaltiger werden
Traditionell werden Surfboards aus Polyurethan oder Polystyrol hergestellt, mit glasverstärktem Kunststoff gehärtet und mit Polyester oder Epoxidharz überzogen. Die Herstellung dieser Materialien aus Rohöl hinterlässt einen enormen ökologischen Fußabdruck. Wenn das Endprodukt – in diesem Falle das Surfboard – entsorgt wird, landet es einfach im Müll. Diese Materialien sind kaum recyclebar.
Die Surfboards von Nomads Surfing sind aus EPS (expandiertes Polystyrol), was recyclebar ist. Sogar ein beschädigtes Surfboard bekommt auf diese Weise ein zweites (oder drittes) Leben. Das fügt sich hervorragend in den Lebenszyklus der Wiederverwendung ein, der Nomads Surfing wichtig ist: Nichts wird verschwendet; alles bekommt ein zweites Leben. Das Harz, das für die Boards verwendet wird, ist zu 40% aus organischem Material (Biomasse, Flachs und Basaltfaser), was der bisher höchstmögliche Anteil ist.
Doch wie sieht es mit den anderen Bestandteilen eines Surfboards und anderen Produkten aus? Umweltfreundlichkeit hört nicht beim Material im Inneren des Boards auf. Die Traction Pads von Nomads Surfing bestehen aus natürlichem Kork, die Finnen sind aus recycelten Fischernetzen (auch die sind eine Bedrohung für Meeresbewohner), die Kleiderkollektion ist aus Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester.
Was dabei häufig vergessen wird und auch im Interview mit Rory, dem Produzenten von umweltfreundlichem Surfwachs, erwähnt wurde, ist der Einfluss auf die Umwelt durch den Versand rund um die Welt. Nomads Surfing halten diesen Einfluss gering, indem sie in Frankreich und Portugal produzieren, ihre Produkte in Geschäften vor Ort verkaufen und RePack für die Verpackung verwenden.
Für die umweltfreundliche Herangehensweise erhielt Nomads Surfing das Gold Label des Ecoboard Projekts.
Über die Beschaffung nachhaltiger Materialien
Der Fußabdruck, der durch den Versand hinterlassen wird, bezieht sich nicht nur auf das Endprodukt. Oftmals werden auch die Rohmaterialien von weither gebracht. Nomads Surfing hat auch hierfür eine Lösung: Upcycling vor Ort. Nomads Surfing verwendet alte Anzeigentafeln von Festivals. Diese bestehen aus Vinyl und sind gemacht, um bei Sonne und Regen standzuhalten, werden aber für gewöhnlich schnell entsorgt.
Die Anzeigetafeln werden zu einer Vereinigung in Bordeaux namens Récup’R gebracht, die auch soziale Projekte und Workshops für Flüchtlinge und Außenseiter organisiert. Aus den Anzeigetafeln werden Taschen, Rucksäcke und Boardbags.
Die Finnen von Nomads Surfing waren ursprünglich aus Plastikabfall, der in Automobilwerken anfällt und sind mittlerweile aus alten Fischernetzen.
Ein weiterer Schritt für die Umwelt
Die Gründer von Nomads Surfing wollen mehr als nur die Produktion von umweltfreundlicher Surfausrüstung: Hauptziel ist der Schutz der Meere und saubere Strände. Durch eine neue Art der Herstellung von Surfboards kann weitere Verschmutzung vermindert werden. Die Beschaffung der Materialien trägt zur Verringerung bestehender Verschmutzung bei. Dennoch bleibt es ein Kampf, der dem von David gegen Goliath gleicht. Aus diesem Grund unterstützen Nomads Surfing auch andere Initiativen, die sich dem Schutz der Meere widmen: 5% der Umsätze gehen an gemeinnützige Organisationen wie The Rescue Ocean Project in Frankreich, Ecoknights in Malaysia und The Lifeboat Project auf den Philippinen.
Umweltfreundliche Surfboards auf die Probe gestellt
Als Surfer ist uns die Umwelt wichtig, aber wir möchten auch bei der Leistung und Qualität der Surfboards keine Abstriche machen. Um sicherzugehen, dass die Surfboards diesen Ansprüchen entsprechen, arbeitet Nomads Surfing mit Surfern in Frankreich, die die Boards im französischen Surfparadies zwischen Bordeaux und Biarritz testen. Einige von ihnen treten sogar bei der WSL QS an, andere sind Free Surfer. Sie sind jung, leidenschaftliche und talentierte Surfer. Sie geben Feedback und machen Vorschläge zur Verbesserung der umweltfreundlichen Surfboards von Nomads Surfing.
Umweltfreundlichkeit und Surfen – Eine echte Herausforderung?
Was Nomads Surfing macht, erscheint logisch und naheliegend. Für Charlie stellt sich die Frage, warum dies nicht bereits zum Standard in der Surfbranche geworden ist.
“For fins and surf boards, the sad part is, that it is relatively accessible. What we have done was challenging, we demonstrated it was possible, but it is not a revolution in the surf industry. We had lots of articles saying: ‘organic surf boards’ or ‘fully made of recycled plastic’. That is not true, we are not a revolution. The technology is available, and everyone should do it. What we genuinely want is less waste in the ocean. The hard part is to find a product where you respect the environment, keep performance and are competitive with prices.” (Thomas Cervetti in einem Interview am 12.01.2021)
(deutsch: Das traurige ist, dass es für Finnen und Surfboards keine große Hürde ist. Es war eine Herausforderung für uns, wir haben gezeigt, dass es möglich ist, aber es ist keine revolutionäre Entwicklung im Surfen. Viele Artikel beschreiben uns als “Bio-Surfboards” oder “vollständig aus recyceltem Material“, aber das stimmt nicht. Es ist keine Revolution. Die Technologie ist zugänglich und jeder sollte es so machen. Was wir möchten, ist weniger Müll in den Meeren. Das schwierigste war, ein Produkt herzustellen, dass die Umwelt berücksichtigt, leistungsstark ist, aber auch beim Preis im Markt mithalten kann.)
Aus diesem Grund produziert Nomads Surfing in Portugal, nicht in Frankreich. Es ist der Mittelweg zwischen kostengünstiger und regionaler Produktion in Europa. Zumindest ist es nicht das so verübelte „Made in China“. Es ist kein Geheimnis, dass umweltfreundliche Produktion, auch mit recyceltem Material, teurer ist. Außerdem gehen auch die etablierten Namen im Surfen allmählich zu umweltfreundlicher Produktion über und das kurbelt den Wettbewerb an. Bei Nomads Surfing sind alle Boards von Hand gemacht. Es gibt keine Massenproduktion. Sie bekommen dadurch einen anderen Wert, aber erhöhen auch die Kosten. Trotzdem haben die Surfboards vernünftige Preise.
Mittlerweile zählt Nomads Surfing 7 Boards in ihrer Kollektion: Zwei klassische Shortboards, zwei Fish, ein Mini-Malibu und ein Longboard. Das 8. und 9. Board kommen in naher Zukunft hinzu. Schaut euch am besten im Nomads Surfing shop um. Falls ihr eine Sonderanfertigung sucht, schreibt ihr am besten eine E-Mail. Es ist alles möglich.
Wo man Nomads Surfing Produkte findet
Ihr könnt alle Produkte im Online Shop kaufen. Der Versand ist in ganz Europa möglich. Die Versandkosten unterscheiden sich dabei von Land zu Land. Je nachdem, wo ihr seid, sprecht ihr das am besten direkt mit Nomads Surfing ab. Weltweiter Versand ist nicht möglich, da dies der Idee der Umweltfreundlichkeit im Surfen völlig widersprechen würde. Aus diesem Grund ist es das Beste, wenn ihr euer Board in einem Geschäft vor Ort kauft. Ihr findet Nomads Surfing derzeit in Shops entlang der französischen Atlantikküste und es gibt Pläne, die Boards nach England zu bringen. Für Deutschland gibt es momentan keine genauen Pläne, aber die Gründer von Nomads Surfing freuen sich immer über neue Kontakte und vielleicht findet ihr die Boards dann auch bald beim Surfhändler eures Vertrauens.
Eines wird sich am Surfen nicht verändern, so sehr wir uns auch um die Umwelt bemühen: Reisen. Vielleicht schaut ihr während der nächsten Frankreich-Reise einfach mal in einem Partner-Geschäft von Nomads Surfing vorbei und holt euch ein neues Board, wenn ihr eh schon unterwegs seid. Es gibt ein Geschäft in Hossegor, wo Charlie für dieQuiksilver Pro 2019 war. Sobald Reisen wieder möglich ist (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ist es durch Covid-19 eingeschränkt), wird Charlie auch wieder in Hossegor vorbeischauen und ihr findet sie dann für gewöhnlich in Carwyn’s Surfhouse. Vielleicht sieht man sich ja demnächst mal in den Wellen auf einem Board von Nomads Surfing.
Interviewpartner: Thomas Cervetti (Mitbegründer von Nomads Surfing), Fotos: Nomads Surfing