Besuch einer Kaffee-Farm in Medellin
Spezialitätenkaffee in Kolumbien
Kaffeetouren gehören zu den beliebtesten Touristenausflügen in und um Medellin. Es gibt so viele, dass die Entscheidung schwerfällt, welche Kaffee-Farm man besuchen möchte. Charlie hatte sich eine Tour ausgesucht, die kulturelle Einblicke bot, sowie auch den historischen Kontext und die Geschichte einer Familie in den Außenbezirken von Medellin.
Die Geschichte einer Familie im historischen Kontext
Es ist die Geschichte von Norman und Edilma, die zur Zeit des internen Konfliktes in Kolumbien im Viertel La Sierra lebten. Verschiedene bewaffnete Gruppen der Guerilla und Paramilitärs kontrollierten die Gegend von Medellin und machten es zu einer der am schwersten betroffenen. Norman arbeitete damals in der Stadt und musste Umwege nehmen, um den bewaffneten Gruppen aus dem Weg zu gehen. So kam er an dem Berg vorbei, an dem die Kaffeeplantage liegt, die später zum Lebensunterhalt der Familie wurde. Heute wird die Farm von der Tochter von Norman und Edilma geleitet und Rosa treibt mit Leidenschaft die Produktion eines Spezialitätenkaffees an, der nicht an die Kaffeevereinigung verkauft werden kann, sondern nur in kleinen, unabhängigen Cafés.

Charlie gefiel an dieser Tour, dass es nicht nur um Kaffee ging. Sie lernte auch Einiges über die Geschichte Medellins, die comunas und die von Gewalt geprägte Vergangenheit. Die Gruppe nahm auch Verkehrsmittel, die normalerweise nur Einheimische nehmen wie die Straßenbahn zur letzten Haltestelle Oriente und die Seilbahn nach La Sierra. Als sie durch das Viertel liefen, wurden sie von allen Einheimischen freundlich gegrüßt. Sie schienen die Anwesenheit von Touristen, die zur Kaffee-Farm gingen, zu genießen.

Von der Bohne in die Tasse
Charlie hatte in Costa Rica schon eine Kaffee-Plantage besucht. Diese Tour in Medellin aber war anders, denn es war nicht einfach nur ein Besuch auf der Farm. Die Gäste konnten selbst Hand anlegen. Jeder bekam einen Eimer, den man sich mit einem Gurt um die Hüfte binden konnte. Sie hatten 20 Minuten Zeit, um Kaffeebeeren zu ernten. Bei Ankunft hatten sie alle eine Tasse Kaffee bekommen und lernten, dass man 70 Kaffeebeeren (jede mit zwei Bohnen) braucht, um eine Tasse zu brühen. Das war Charlies Quote und das war leichter gesagt als getan. Sie musste ziemlich weit ins Feld hineinlaufen, um reife Beeren zu finden. Nach dem Regen der Vortage war der Grund weich und schlammig. Zudem lag es an einem steilen Hang und man musste aufpassen, bei der Kaffeeernte nicht zu stürzen.

Charlie erntete an diesem Morgen ungefähr 120 Kaffeebeeren und darauf war sie stolz. Die Ernte der gesamten Gruppe ergab 2 Kilo. Sie hatten sich eine weitere Tasse verdient und die bereiteten sie auf der Finca selbst zu. Rosa hatte Beeren aus einer früheren Ernte, die bereits einen Teil des Prozesses durchlaufen hatten, denn die Fermentierung dauerte 96 Stunden und so lange sollte die Tour nicht dauern. Die Trocknung dauerte mehr als drei Wochen. Einer der Farmhelfer zeigte, wie die Bohne weiterverarbeitet wird und die Gruppe konnte sich an der Röstpfanne probieren, den Kaffee mahlen und dann für die Verpackung zum Verkauf abwiegen und abfüllen. Rosa führte dann vor, wie man in einem V60 Kaffee kochte und den genossen sie mit einem Stück Kuchen.

Im gesamten Prozess gab es mehrere Stellen, an denen die guten von den schlechten Bohnen getrennt wurden, um daraus einen echten Spezialitätenkaffee zu machen. Die Bohnen werden nicht entsorgt, sondern für kommerziellen und Instantkaffee genutzt. Der Kaffee, den sie an diesem Tag tranken, war ausschließlich aus guten Bohnen und wurde ohne Kaffee oder Zucker getrunken. Rosa sagte es so: “Guter Kaffee braucht keinen Zucker; schlechter Kaffee verdient keinen Zucker.“
Kaffee für den guten Zweck
Was Charlie an dieser Kaffeetour in Medellin außerdem gefiel, war der gute Zweck dahinter. Die Kaffeeproduktion trägt zum Lebensunterhalt des Viertels bei und rund 30 Familien leben heute davon. Zugleich geht ein Teil der Einnahmen an die Gemeinschaftsküche. Die Farm arbeitet zudem mit Jugendlichen aus der Gemeinschaft und Rosa berichtete stolz, dass sie für ungefähr 20 Kinder zuständig war. Des Weiteren arbeiten auf der Farm auch ehemalige Drogenabhängige, die durch die Arbeit wieder in die Gesellschaft integriert werden sollen. Sie werden zur Erntesaison als erste eingestellt.