Ohne Handy unterwegs
Eine völlig neue Erfahrung in Rio de Janeiro
Wenn man eine Reise nach Brasilien plant, wird man nicht selten davor gewarnt, wie häufig Handys gestohlen werden. Charlies Handy wurde nicht gestohlen. Sie traf aber einige Vorkehrungen, um genau das zu vermeiden, und es führte zu einer interessanten Erfahrung.
Sicherheitsvorkehrungen
Wenn ein Handy gestohlen wird, ist der monetäre Wert nicht einmal das größte Problem. Es ist vor allem der Zugang zu E-Mail- und Bankkonten, 2-Faktor-Authentifizierungs-Apps und so weiter. In dieser Situation möchte man wirklich nicht sein, vor allem, wenn man auf Reisen ist.
Aus diesem Grund besorgte sich Charlie ein Zweithandy. Ihr Haupthandy blieb an einem sicheren Ort; das Zweithandy hatte sie immer bei sich. Zusätzlich hing es mit einem Band um ihren Hals und sie hatte auch eine Bauchtasche, in der sie es nah am Körper tragen konnte. (Wenn man an Orten ist, wo viele Menschen sind, sollte man die Bauchtasche auch unter der Kleidung tragen.)

Das Zweithandy einrichten
Die wichtigsten Apps, die man auf dem Zweithandy braucht, sind Google Maps und Uber. Somit kommt man immer von A nach B. Zudem sollte man darauf achten, dass das Zweithandy e-Sim-fähig ist und sich dann auch eine e-Sim besorgen. Ohne Internetverbindung kann man schließlich kein Uber bestellen.
Als nächstes installierte Charlie WhatsApp, um kommunizieren zu können, und Instagram. Sie würde mit dem Zweithandy alle Fotos machen und da war es einfacher, sie direkt hochladen zu können. Man sollte die Fotos dann auch regelmäßig sichern. WhatsApp bietet die Möglichkeit, sich auf zwei Geräten gleichzeitig einzuloggen. Auf dem Zweithandy hat man allerdings keinen Zugang zu Standorten und bekommt auch keine Sicherheitscodes zugeschickt. Alles andere funktioniert wie auf dem Haupthandy.
Damit die Apps auf dem Zweithandy funktionieren, braucht man auch ein Konto für den App-Store. Charlie legte sich aus diesem Grund ein neues Google-Konto an, wodurch sie auch Zugang zu einer E-Mail-Adresse hatte (z.B. kann man sich Tickets auf diese Adresse schicken lassen), die keine Probleme verursachen würde, falls jemand anderer Zugang dazu hätte.
Vorausschauend handeln
Bevor man aus dem Haus geht, sollte man überlegen, wozu man den Tag über Zugang braucht. Wenn man z.B. online Tickets gekauft hat, die auf die Haupt-E-Mail-Adresse geschickt wurden, sollte man die an die E-Mail-Adresse auf dem Zweithandy weiterleiten. Wenn man arbeiten muss, sollte man sich auf dem Laptop überall einloggen, wofür man 2-Faktor-Authentifizierung vom Haupthandy benötigt, bevor man ins Büro oder zum Coworking-Space geht.

Ohne Handy aus dem Haus gehen
Wenn Charlie durch Rio de Janeiro lief, versuchte sie, ihr Handy so wenig wie möglich herauszuholen. Sie versuchte sich den Weg einzuprägen und wenn sie doch mal auf Google Maps nachschauen musste, ging sie in eine Apotheke, und holte es in einer sicheren Umgebung heraus.
Das Gedächtnis trainieren
Es gab eine Zeit, zu der es völlig normal war, den Weg im Voraus mit Hilfe einer Karte aus Papier zu planen. Mittlerweile ist jeder so daran gewöhnt, ständig Zugang zu GPS und Online-Karten zu haben, dass man es sich kaum noch vorstellen kann, ohne Handy in der Hand durch die Straßen zu navigieren. Es war aber am Ende überraschend einfach. Charlie merkte sich, welche Geschäfte und Restaurants sich am Weg befanden und dachte sich Eselsbrücken aus, um sich Straßennamen zu merken. Am ersten Tag auf dem Weg zur Sprachschule musste sie während des 40-minütigen Wegs ein paar Mal in ein Geschäft gehen, um aufs Handy zu schauen. Am zweiten Tag musste sie nur einmal überprüfen, ob sie richtig war. Am dritten Tag brauchte sie das Handy gar nicht. Sie war beeindruckt, wie gut sie sich den Weg merken konnte. Es war ja doch gar nicht so schwer!

Alles ganz logisch
Am ersten Tag in der Sprachschule wurde Charlie am Nachmittag von dem Surflehrer an der Schule abgeholt und sie liefen gemeinsam zum Strand. Die darauffolgenden Tage musste sie den Weg allein finden. Der Surflehrer wollte möglichst im Schatten laufen und wählte eine Route, die einem Labyrinth glich. Charlie wandte ihre bewährten Techniken nicht an, da sie sich die ganze Zeit unterhielten. Außerdem ging sie davon aus, dass sie am nächsten Tag ihr Handy zur Hand haben würde.
Als sie aber am Strand ankamen, gab es da keinen sicheren Ort, an dem man Wertgegenstände lassen könnte. Sie würden einfach jemanden am Strand fragen, ein Auge auf die Sachen zu werfen. Charlie war das nicht ganz geheuer und sie beschloss, am nächsten Tag ihr Handy in der Schule zu lassen und ohne Wertsachen zum Strand zu gehen.
Den Weg, den sie am Tag zuvor mit dem Surflehrer gegangen war, hatte sie sich nicht eingeprägt. Ein Blick auf die Karte zeigte zudem eine einfachere Route. Sie würde allerdings in der Sonne laufen müssen. Da nahm sie sich einfach einen Hut mit! Von der Sprachschule aus musste sie nur die Straße hinunter zum Ipanema laufen und dann von dort aus die Strandpromenade entlang zum Arpoador. Sie musste sich nur merken, an welchem Restaurant sie auf dem Rückweg würde abbiegen müssen.

Wartezeit
Bis zum Arpoador waren es geschätzt 20 Minuten zu Fuß, sodass Charlie abschätzen konnte, wie spät es war, als sie dort ankam. Ohne Handy hatte sie auch keine Uhr.
Sie setzte sich in den Schatten einer Palme, beobachtete die Wellen und wartete auf den Surflehrer. Es war ein Moment der Ruhe und eine völlig neue Erfahrung ohne das endlose Scrollen in sozialen Medien.
Für die nächsten Surfstunden lieh sich Charlie in der Bibliothek der Sprachschule ein Buch aus, sodass sie die Wartezeit am Strand nutzen konnte. Sie ging so etwas früher zum Strand, um noch mehr Zeit zu haben, bis der Surflehrer kam.
Auch, wenn sie ihr Handy bei sich hatte, konnte sie nur bedingt scrollen, dann sie hatte auf dem Zweithandy nur wenige Apps.
Ohne Handy unterwegs zu sein, war für Charlie ein befreiendes Gefühl und gab ihr Zeit, in sich zu gehen und ihre Umgebung zu beobachten. Sie macht das jetzt öfter!
Die Bilder wurden mit KI erstellt.