Chicago
Zwei Tage in der Windy City
Es war nur ein kurzer Aufenthalt bei Charlies Reise durch die USA und sie hatte nur zwei Tage in Chicago. Sie kam an einem Samstagmorgen nach einer Nacht im Zug an der Union Station an. Sie brachte ihr Gepäck in ein Geschäft, wo man es stündlich einlagern konnte, und lief zur Haltestelle für die Hop-On-Hop-Off-Tour am Willis Tower. Sie hatte Glück und es kam direkt ein Bus. Sie hatte das Ticket bereits online gekauft.
Big Bus Tour in Chicago
Hop-On-Hop-Off-Touren sind das wahrscheinlich touristischste, was man machen kann, aber es ist auch für gewöhnlich die effizienteste Art, sich einen Überblick zu verschaffen und einen ersten Eindruck einer Stadt zu bekommen.
Der Willis Tower war bereits die zweite Haltestelle des Busses. Die erste ist am Flussufer in der Innenstadt. Vom Willis Tower fuhr der Bus weiter in Richtung Millenium Park und Charlie erspähte die Hochbahn, die das Stadtzentrum abgrenzt, den sogenannten „Loop“. Der Bus fuhr auch an der Federal Reserve vorbei, wo sich das Museum des Geldes befindet. Der Eintritt ist kostenlos.
Vom Bus aus sah Charlie die Millennium Bean zwischen den Bäumen und sie hatte einen guten Blick auf das Art Institute of Chicago und die Skyline. Von dort aus ging es weiter zum Planetarium und Meeresaquarium, von wo aus Charlie über Lake Michigan und die Segelboote schauen konnte. Es war auch Anfang Oktober noch sommerlich warm und es waren viele Segelboote auf dem See. Charlie genoss die Fahrt im offenen Bus, aber sie bemerkte auch schnell, warum Chicago auch „Windy City“ (windige Stadt) genannt wird.
Der Bus fuhr weiter am See entlang zum Navy Pier und dann wieder in die Innenstadt. Er fuhr über eine der vielen Brücken und die sogenannte Magnificent Mile entlang. Es ist ein Paradies für alle, die gern shoppen gehen. Es ging an den Chicago Watertowers, den einzigen Gebäuden, die das Feuer von 1871 überlebt hatten, vorbei.
Die letzten Haltestellen des Busses waren am Hard Rock Café und River North, einem beliebten Ort, zum Essen gehen in Chicago. Charlie blieb noch im Bus für eine zweite Runde und da sie bis zu ihrer Buchung im Willis Tower noch Zeit hatte, fuhr sie bis zum Millenium Park, um die Bohne aus der Nähe zu betrachten. Da waren allerdings sehr viele Leute und Charlie machte nur schnell ein paar Fotos und zog weiter. Sie lief von dort aus zum Willis Tower.
Chicago: Die Stadt der Wolkenkratzer
Vor dem Feuer 1871 bestand Chicago hauptsächlich aus Holz-Gebäuden, was verheerende Konsequenzen hatte. Nach dem Feuer wurde es aus der Asche wieder erbaut. Die Weltausstellung 1893 war eine weitere Möglichkeit, der Stadt eine beeindruckende Skyline zu geben und Chicago wurde zum Geburtsort der Wolkenkratzer. Wenn ihr euch für Architektur interessiert, könnt ihr eine spezielle Bootsfahrt machen, wo ihr alles über die Gebäude am Ufer erfahrt. Kein Wolkenkratzer in Chicago gleicht dem Anderen.
Willis Tower
Für den Nachmittag hatte Charlie ein Ticket für den Willis Tower (zuvor als Sears Tower bekannt) gebucht. Man kann Tickets auch dort kaufen, aber die sind immer für eine bestimmte Uhrzeit. Wenn ihr also eine bestimmte Zeit wollt, solltet ihr online buchen.
Im Untergeschoss des Turms ist eine interaktive Ausstellung, die die Geschichte von Chicago erzählt und alle Sehenswürdigkeiten zeigt. Man kann dort auch Selfies mit den berühmtesten Söhnen und Töchtern der Stadt Chicago machen, z.B. Barack Obama, Michael Jordan und Oprah Winfrey. Es gibt auch ein Video, das die Architektur erklärt und auf Besonderheiten der Wolkenkratzer hinweist.
Dann nimmt man einen Aufzug zum Skydeck im 103. Stock. In allen Himmelsrichtungen kann man Chicago von oben sehen und auch auf einen der Balkone gehen, wo es aussieht, als würde man über der Stadt schweben. Dafür muss man sich separat anstellen und man hat auch nur 90 Sekunden Zeit, weil diese Balkone so beliebt sind. Die Fotos sind die Wartezeit wert.
Je nachdem, wie viel ihr von der interaktiven Ausstellung erleben wollt, solltet ihr 90 Minuten bis zu 2 Stunden für den Besuch im Willis Tower einplanen. Am Eingang zum Gebäude gibt es auch Restaurants, falls ihr dort gleich Mittag essen wollt.
Chicago Fluss-Kreuzfahrten
Wenn Charlie nicht die vorherige Nacht in einem Zug verbracht hätte und auch dringend Wäsche waschen musste, hätte sie eine Kreuzfahrt zum Sonnenuntergang auf dem Chicago River gebucht. Das ist scheinbar ein beliebter Ausflug. Es gibt mehrere Touranbieter, die den ganzen Tag über Fahrten anbieten. Man kann auch eine spezielle Architektur-Tour machen, eine einfach Fluss-Tour oder ein Partyboot. Man kann auch ein kleineres Boot ausleihen, ein Fahrradboot oder ein Kajak. Für letzteres gibt es auch geführte Ausflüge.
Wenn ihr nicht aufs Wasser wollt, könnt ihr den Fluss auch von der Promenade, dem River Walk, genießen. Dort gibt es auch viele Bars und Restaurants. An ihrem zweiten Tag in Chicago war Charlie zum Mittagessen dort.
Chicago: Die Stadt der Gangster und Ganoven
Neben der beeindruckenden Skyline ist Chicago auch noch für andere Dinge bekannt: Al Capone sowie das Musical und der Film „Chicago“. Es werden zwei verschiedene Touren angeboten, die diese Aspekte der Stadt einbeziehen, eine Tour mit dem Bus und eine Stadtführung zu Fuß. Charlie hatte für den Nachmittag ihres zweiten Tages in Chicago die Tour zu Fuß gebucht. Am Morgen machte sie eine Streetart-Tour und schlenderte zur Mittagszeit am Flussufer entlang.
Die Gangster-und-Geister-Tour begann nah an der Flusspromenade gegenüber der Haupthaltestelle des Big Bus.
Al Capone in Chicago
Ein immer wiederkehrendes Thema der Tour war natürlich Al Capone. Der Sohn italienischer Einwanderer war in New York aufgewachsen und wurde schon früh im Leben in die Gangster-Szene eingeführt. Er lernte alles über das “Geschäft” als Türsteher in Bordellen bevor ihn Johnny Torrio nach Chicago holte, um dort seine Aktivitäten zu unterstützen. Es war die Zeit der Prohibition und an mehreren Punkten der Tour wies der Tourguide auf Orte hin, meistens in Wolkenkratzern im oberen Geschoss, wo Al Capone sogenannte Speakeasys hatte. Die Tunnel unter der Stadt wurden zum Alkohol-Schmuggel genutzt.
An anderen Stellen der Tour geht es oft um rivalisierende irisch-polnische Gangs im Norden Chicagos und die italienische Gang unter Al Capone im Süden. Es gab Fälle von Schießereien und Morden, die zum Valentins-Massaker führten.
The Palmer House Hotel und Chicago Broadway
Nicht weit von der Flusspromenade entfernt ist das Theaterviertel von Chicago, wo man Broadway-Produktionen sehen kann. Im Jahr 1903 ereignete sich hier leider etwas Verheerendes. Ein Brand im Iroquois Theatre (dem heutigen Nederlander Theatre) sorgte für mehr als 600 Todesfälle und verlieh der Gasse den Namen „Death Alley“. Diese Tragödie führte zudem zu den heute geltenden Sicherheitsvorschriften für Unterhaltungsveranstaltungen, von Sitzplatzzuweisung zu Maximalauslastung, von Tür-Öffnungs-Mechanismen zu Fluchtwegen.
Gegenüber befindet sich das Chicago Theater, dessen Name in leuchten Buchstaben nicht zu übersehen ist. Charlie dachte dabei sofort an den Film „Chicago“. Die Geschichte basiert auf tatsächlichen Ereignissen: Es geht um eine Prostituierte, die ihren Liebhaber umgebracht hatte und dafür nicht ins Gefängnis musste. Die Einschussstellen kann man noch heute im Palmer House Hotel sehen. Die Inneneinrichtung des Hotels erinnert an eine prunkvolle Halle und man kann dort auch Kaffee trinken, wenn man nicht Gast des Hotels ist. Wenn ihr schon einmal da seid, solltet ihr auch einen der Brownies probieren. Immerhin wurde dieses schokoladige Gebäck dort erfunden.
Die Gangster-und-Geister-Tour endete in der Nähe des Buckingham-Brunnen und es waren noch ungefähr 30 Minuten bis Sonnenuntergang. Charlie lief zum Ufer des Lake Michigan, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen. Die Sonne geht hinter den Wolkenkratzern in der gegenüberliegenden Richtung unter. Das Licht über des See ist umwerfend und der Fuß- und Radweg lädt zu einem Spaziergang ein. Charlie lief den Weg entlang bis zur Flusspromenade zurück und nahm von dort aus einen Bus zu ihrer Unterkunft. Wenn Sie mehr Zeit in Chicago gehabt hätte, hätte sie sich ein Fahrrad oder ein Segway ausgeliehen, um die Wege am See und Fluss weiter zu erkunden.
Unterkunft und öffentliche Verkehrsmittel in Chicago
Wie in jeder Großstadt sind Hotels in der Innenstadt ein kostspieliges Unterfangen. Charlie war im Chicago Getaway Hostel, wo es Mehrbettzimmer und auch Einzelzimmer gab. Es gibt täglich Frühstück und, was Charlie am meisten freute, Gäste konnten kostenlos die Waschmaschine benutzen. Das Hostel ist in der Nähe des Lincoln Park im Norden von Chicago und mit dem Bus waren es ungefähr 30 Minuten bis in die Innenstadt.
Um zum Flughafen zu kommen, musste Charlie einen Bus nehmen und dann die blaue Linie, was insgesamt etwas mehr als eine Stunde dauerte.
Öffentliche Verkehrsmittel sind in Chicago sehr budget-freundlich. Man bekommt ein 24-Stunden-Ticket für 5 Dollar an jedem beliebigen Automaten an der Straßenbahn. Eine einfache Fahrt kostet 2,50 Dollar. Man kann auch mit der EC-Karte bezahlen, was allerdings für Charlie nicht funktionierte, da ihre Karte nicht mit einem US-Bankkonto verbunden ist. Wenn ihr in Chicago Bus fahren wollt, holt euch am besten direkt eine Ventra-Karte. Auch am Flughafen bekommt ihr die an den Ticket-Automaten.